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Warner plant dieses Jahr erste kopiergeschützte CDs

Das US-Unternehmen Warner Music wird nach den Worten von Konzern-Manager Gerd Gebhardt voraussichtlich noch in diesem Jahr die ersten kopiergeschützten CDs in Deutschland auf den Markt bringen.

rtr HAMBURG. "Wir müssen das tun, sonst haben wir bald gar kein Business mehr", sagte Gebhardt, President Central & Northern Europe von Warner Music Europe. Bis Ende Juli habe die deutsche Musikindustrie einen Umsatzverlust von 13 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hinnehmen müssen, der größtenteils auf das massenhafte CD-Brennen und das Herunterladen von Musik aus dem Internet zurückgeführt werde.

"Wir merken schon, dass diese Entwicklung auch an Warner Music in Deutschland nicht spurlos vorübergeht", sagte Gebhardt weiter. Der Umsatzverlust im ersten Halbjahr liege "in etwa auf dem Niveau der Branche". Dabei sei die Lage europaweit unterschiedlich: "Deutschland ist mit industrieweit extrem hohen Umsatzverlusten der Vorreiter, während Märkte in der Schweiz oder Finnland noch sehr gesund sind", sagte Gebhardt, der das Warner-Geschäft in Deutschland, Skandinavien, den Benelux-Ländern und der Schweiz verantwortet. In diesem Bereich werde Warner Music in diesem Jahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Mark erwirtschaften.

Warner Music sei derzeit dabei, verschiedene Systeme für den Kopierschutz von CDs zu testen und zu entwickeln. "Für die Verbraucher wird es noch möglich sein, diese neuen CDs für den persönlichen Gebrauch auf andere analoge Tonträger zu überspielen, allerdings nicht in digitaler Qualität", sagte Gebhardt. "Was verhindert werden muss, sind die derzeit mit CD-Brennern hergestellten Klone, die sich vom Original praktisch nicht unterscheiden."

Auf das andere Problem der Branche, das kostenlose Herunterladen von Musikdateien aus dem Internet, will Warner Music in den nächsten Monaten mit kommerziellen Angeboten reagieren. Das vom Mutterkonzern AOL Time Warner mit anderen Musik- und Internetunternehmen geplante Web-Angebot Musicnet werde voraussichtlich im Herbst starten, sagte Gebhardt. Von Musicnet werde es dann in Deutschland auch ein regionales Angebot geben, auf dem Künstler wie Marius Müller-Westernhagen und Heinz-Rudolf Kunze vertreten sein werden.

Angestoßen durch die inzwischen abgeschaltete Musiktauschbörse Napster hat sich der Tausch mit Musikdateien über das Internet weltweit etabliert. Die großen Musikkonzerne wollen sich den Dateientausch nun als neuen Vertriebsweg erschließen: AOL Time Warner hat gemeinsam mit den Musikkonzernen EMI und Bertelsmann Music Group sowie der Firma für Internet-Technologie, Real Networks, den Online-Großhändler Musicnet gegründet. Sony und Vivendi Universal wollen mit ihrem Web-Angebot Pressplay Musik über das Internet vertreiben.

Bei Musicnet werde derzeit noch an den notwendigen Sicherungsmechanismen gearbeitet, um die Urheberrechte zu schützen. "Musik legal im Internet anzubieten, erfordert einige Anstrengungen, um den Interessen der Verbraucher, der Künstler und der Musikunternehmen gleichermaßen entgegenzukommen", sagte Gebhardt. "Ein Auto zu stehlen geht auch schneller, als es zu kaufen." Er rechne damit, dass auch die von den anderen Konzernen wie Sony und Universal geplanten Web-Angebote und das von Bertelsmann mit entwickelte neue Napster auf Abonnements-Basis ebenfalls im Herbst starten werden. "Wenn die dunkle Zeit anfängt, kommt hoffentlich die Erhellung über das Internet", sagte Gebhardt.

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