Warnstreiks sollen fortgesetzt werden
Tarifkonflikt bei Bahn schwelt weiter

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn schwelt auch nach den massiven bundesweiten Warnstreiks weiter. Zwar einigten sich die Gewerkschaften Transnet und GDBA am Donnerstagabend in Berlin nach knapp acht Stunden in der dritten Runde auf eine Fortsetzung der Gespräche am Freitag. Aber die Lokführer-Gewerkschaft GDL erklärte das Scheitern der Verhandlungen.

HB/dpa BERLIN. GDL-Chef Manfred Schell begründete dies mit der Weigerung der Bahn zum Abschluss eines Spartentarifvertrages für Lokführer. Auch die beiden anderen Gewerkschaften halten ein Scheitern noch für möglich. Die Warnstreiks der vergangenen Tage sollen zunächst nicht fortgesetzt werden.

Zuvor hatte die Bahn nach der Einigung auf ein Schlichtungsabkommen ein erstes konkretes Angebot vorgelegt. Es sieht für die 160 000 Beschäftigten zum 1. März zunächst einen Inflationsausgleich von linear 1,3 Prozent vor. Ferner sollen in diesem Jahr im April und Dezember jeweils 200 Euro einmalig gezahlt werden. Eine weitere Anhebung um zwei Prozent ist zum 1. Mai 2004 vorgesehen.

Zur Anpassung der Osteinkommen an Westniveau bietet die Bahn von Juli dieses Jahres an eine Arbeitszeitverkürzung ohne Entgelterhöhung an. Daraus ergibt sich nach Bahn-Angaben ein rechnerisches Einkommensplus von 3 Prozent. Nach dpa-Informationen will die Bahn noch in der nächsten Runde an diesem Freitag bei der Ost-West- Anpassung nachbessern. Derzeit erhalten die Ost-Bahner 90 Prozent des Westniveaus.

Im Mai 2005 sollen dann nach den Vorstellungen der Bahn die Entgelte in Ost und West um 1,8 Prozent angehoben werden. Darüber hinaus hat der Konzern vorgeschlagen, bei Erreichen der Gewinnzone im Jahr 2004 den Beschäftigten Bonuszahlungen zu gewähren. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von drei Jahren bis Ende Februar 2006 haben.

Transnet-Chef Norbert Hansen nannte das Angebot unzureichend. Man wolle jedoch an diesem Freitag weiter verhandeln. Sollte sich die Bahn aber nicht weiter bewegen, sei auch bei den anderen beiden Gewerkschaften ein Scheitern möglich. Auch GDL-Chef Schell nannte die Vorschläge der Bahn unzureichend. Wegen der Weigerung, über einen Sparten-Tarifvertrag für Lokführer zu sprechen, habe man das Scheitern erklärt und suche nun in der Schlichtung eine Lösung.

Die Arbeitnehmerseite hat für die in der kommenden Woche beginnende Schlichtung den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) benannt. Seitens der Arbeitgeber steht der Schlichter noch nicht fest.

Ein Bahn-Sprecher sagte am Abend, nach der Einigung auf das Schlichtungsabkommen sei ein "erster Schritt" geschafft. Alle Beteiligten hätten sich über wichtige Verfahrensfragen geeinigt. In einem Schlichtungsverfahren kann bei einem Scheitern doch noch eine Lösung am Verhandlungstisch ohne Streiks erzielt werden.

Deutschlands Lokführer hatten am frühen Morgen mit einem bundesweiten Warnstreik den Berufsverkehr massiv behindert. Auf vielen Bahnstrecken ging am Morgen für eine dreiviertel Stunde gar nichts mehr. Nach Angaben der Bahn standen zeitweise mehr als tausend Züge still. Hunderttausende Pendler kamen zu spät zur Arbeit. Erst am Mittag normalisierte sich der Verkehr langsam wieder. Für die Bahn bedeutete dies die größten Probleme durch einen Tarifkonflikt seit mehreren Jahren. Das befürchtete Chaos blieb allerdings aus.

Von den Warnstreiks waren nicht nur der Nah- und Fernverkehr betroffen, sondern in einigen Ballungsräumen auch die S-Bahn. Einer der Schwerpunkte war Berlin, wo alle Gewerkschaften gleichzeitig zu Protesten aufgerufen hatten. Massive Behinderungen gab es aber auch in Frankfurt, Köln und München. Nach GDL-Angaben beteiligten sich bundesweit mehrere tausend Lokführer und Zugbegleiter an dem Ausstand.

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