Warnung vor Ausdrücken wie "menschliche Schutzschilde"
Sprachwissenschaftler: Medien halten Distanz zu Militärjargon

Angesichts des Irak-Kriegs zeigen deutsche Medien nach Ansicht des Sprachwissenschaftlers Armin Burkhardt deutliche Distanz gegenüber verharmlosendem Militärjargon. "Schlagwörter der Politiker - wenn etwa US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld von einem "Akt der Humanität" spricht - werden konsequent in Anführungszeichen gesetzt.

HB/dpa WIESBADEN. Das war vor zwölf Jahren nicht so", sagte Burkhardt in einem dpa-Gespräch. Die Medien hätten aus ihren Erfahrungen im Golfkrieg von 1991 gelernt: "Ich habe den Eindruck, dass mehr Sensibilität herrscht." Burkhardt lehrt an der Universität Magdeburg und ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Sprache in der Politik".

Gerade die US-Regierung lasse sich viel zu sehr auf die Sprache der Militärs ein, die das reale Kriegsgeschehen verschleiere, sagte Burkhardt: "Wenn man nur noch von Aktionen, Missionen, Systemen und Zielen redet, kommt nicht mehr zum Ausdruck, was in Wirklichkeit geschieht. Diese Art von Sprache verstellt einem das Denken." Auch der britische Premierminister Tony Blair werde in seinen Reden den Schrecken des Krieges nicht gerecht: "So, wie er das Vorrücken seiner Truppen beschrieben hat, klang es mehr wie ein Wirtschaftsbericht."

Bei deutschen Politikern hat der Sprachwissenschaftler eine solche Ausdrucksweise bislang nicht beobachtet. Gleichwohl falle es ihnen schwer, mit Leid und Zerstörung sprachlich angemessen umzugehen: "Ich persönlich würde mir schon wünschen, dass man sich etwas deutlicher ausdrückte. Man sollte schon sagen, dass getötet wird, dass Menschen zerfetzt werden." Zumindest sollte man Wörter wie "angeblich" oder "so genannt" benutzen, um sprachlich Abstand zu demonstrieren: "Ein Ausdruck wie "menschliche Schutzschilde" etwa - davor kann ich nur warnen. Die Inhumanität, die darin steckt, sollte man nicht übernehmen. Man sollte mit einem "so genannt" deutlich machen, dass man sich distanziert."

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