Warnung vor "Biopiraterie"
Uno-Konferenz soll Gen-Konflikt entschärfen

Industrie- und Entwicklungsländer möchten den Konflikt um die Nutzung der genetischen Informationen aus Pflanzen und Tieren entschärfen.

dpa BONN. Vertreter aus rund 180 Ländern wollen sich in dieser Woche auf einer UN-Konferenz in Bonn auf gemeinsame Richtlinien verständigen. Dabei gehe es nicht mehr um den Zugang für Industrie und Forschung aus Industrieländern zu solchen Ressourcen, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Gila Altmann (Grüne), beim Konferenzauftakt am Montag. Der freie Zugang mit privatrechtlichen Verträgen sei längst ein Faktum und habe eine Eigendynamik. Nun drohe "Wildwuchs", der gestoppt werden müsse.

Greenpeace warnt vor "Biopiraterie"

Vor einem möglicherweise folgenreichen Fall von "Biopiraterie" warnte am Rande der Konferenz die internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer Protestaktion. Die Firma Monsanto habe beim Internationalen Patentbüro in Genf ein Patent auf Sojabohnen beantragt, wie sie natürlicherweise in China vorkommen. Mit dem Patent, dessen Genehmigung offen sei, würde Monsanto das Monopol auf Pflanzen, Saatgut und Methode zur Auswahl und Züchtung der Soja-Sorten erhalten.

Mit künftigen Richtlinien müssten die Interessen der Entwicklungsländer, insbesondere auch der dortig lebenden indigenen Völker, gewahrt werden, betonte Altmann. Die Nutzer von genetischen Ressourcen - wie Pharma- und Agrarfirmen - müssten einen gerechten Ausgleich leisten. Dies könne finanziell oder auch über Technologie oder die Beteiligung an Forschung erfolgen.

Das Thema berühre auch Wirtschaft, Handel und Menschenrechte, erläuterte Altmann. Übergeordnetes Ziel von Regeln im Rahmen der UN-Konvention über die biologische Vielfalt müsse der Erhalt der Artenvielfalt sein. Es dürfe auch nicht von wirtschaftlichen Interessen abgekoppelt werden. Nach der Konvention, der sich 182 Länder angeschlossen haben, werden auch die genetischen Bestandteile von Pflanzen und Tieren als handelbare Rohstoffe oder Ressourcen betrachtet.

Geistige Eigentumsrechte der indigenen Völker eingefordert

Vertreter der indigenen Völker forderten in Bonn die Anerkennung ihrer geistigen Eigentumsrechte. Ihre Zustimmung müsse bei allen Planungen und Programmen eingeholt werden. Der Direktor der Konvention, Hamdallah Zedan, forderte eine Kooperation zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, da beide Seiten so am besten von den Vorteilen aus der Nutzung von Ressourcen profitieren könnten.

Greenpeace-Genexperte Christoph Then sagte, die Lebensgrundlagen dieses Planeten dürften nicht durch Patentierungen zum Privateigentum von Unternehmen werden. Die Patentierung von Pflanzen, Saatgut und genetischen Ressourcen habe erhebliche Folgen. Werde der Zugang zu den genetischen Ressourcen blockiert oder umfassend eingeschränkt, könne das die Versorgung mit Saatgut und Medikamenten erschweren, Züchtung und Landwirtschaft beeinträchtigen und die Sicherung der Welternährung gefährden.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Ulrike Höfken, sprach sich für internationale Kontrollgremien und-mechanismen zum Schutz vor "Biopiraterie" aus.

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