Warnung vor dem Ende des Winters – Fallender Ölpreis könnte Kurse belasten
Société Générale stuft Öl-Aktien zurück

Analysten erwarten nach dem Winter einen Rückgang des Ölpreises, der auch die Aktienkurse der Öl-Konzerne nach unten ziehen dürfte. Strittig ist unter den Experten, ob ein Dämpfer eine günstige Kaufgelegenheit wäre. Interessierte Anleger sollten vorerst abwarten, rät das US-Geldhaus Prudential Securities.

DÜSSELDORF. Den Nettogewinn im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, den Umsatz um mehr als 50 % gesteigert - klingt ganz nach einem dieser jungen Wachstumsunternehmen aus der "New Economy".

Von wegen. Diese Zahlen präsentierte vor wenigen Tagen der französisch-belgische Öl-Gigant Totalfina-Elf für das dritte Quartal. Die Wurzeln des fusionierten Konzerns reichen über ein halbes Jahrhundert zurück. Mit dem Finden, Fördern und Verkaufen von Öl ließ sich damals wie heute gutes Geld verdienen.

Auch bei den anderen weltweit engagierten Konzernriesen - den so genannten "Super Majors" - läuft das Geschäft derzeit wie geschmiert. Kein Wunder: Exxon, BP, Royal Dutch und Konsorten profitieren enorm vom gestiegenen Rohölpreis. Trotz eines leichten Dämpfers im September hält sich das schwarze Gold stabil auf historisch hohem Niveau. Parallel zum Ölpreis sind auch die Gewinne und die Aktienkurse der Petroleum-Konzerne kräftig geklettert.

Fragt sich nur: Wie lange noch? Seit Monaten warnen Experten, vor einem Einbruch des Ölpreises. Wenn der Heizbedarf im Frühjahr nachlasse, könnte der Ölpreis wie der letzte Schnee dahinschmelzen. Bisher erwiesen sich die Kassandrarufe als verfrüht, doch das könnte sich bald ändern. "Bis zum Ende des ersten Quartals 2001 rechne ich mit einem Rückgang beim Ölpreis, der auch die Öl-Aktien nach unten ziehen dürfte", sagt Roger Richards, Londoner Öl- und Gas-Spezialist des US-Geldhauses Prudential Securities. Zwar haben die Ölkonzerne ihr Geschäft ausgedehnt auf Gas und alternative Energien wie Wind- und Solarkraft. Doch das Auf und Ab des Ölpreises prägt weiter die Bilanzen.

Auch Credit Suisse First Boston erwartet einen kräftigen Rutsch des Ölpreises, und zwar auf durchschnittlich 22 $ je Barrel (159 Liter) für die Leitsorte Brent zur sofortigen Lieferung. Die französische Bank Société Générale prognostiziert einen Jahresschnitt von 23,50 $ je Barrel. Zum Vergleich: Am Montagmittag kostete ein Barrel Brent-Öl zur sofortigen Lieferung in London 33,45 $.

"Wir haben Royal Dutch herabgestuft und das Kursziel für Totalfina gesenkt", sagte gestern Öl-Analyst Aymeric de Villaret von der Société Générale in Paris, "wir raten Aktionären, ihre Gewinne mitzunehmen". De Villarets Anlageurteil für den niederländisch-britischen Konzern Royal Dutch lautet jetzt "Underperform" (unterdurchschnittliche Kursentwicklung).

So pessimistisch ist Prudential-Analyst Richards nicht. "Eine Schwächephase nach dem Winter könnte sich sogar als exzellente Kaufgelegenheit erweisen", sagt der Prudential-Experte. Kurzfristig gibt der Londoner Analyst den typisch britischen Rat: "Wait and see."

"Bei Ölpreisen im mittleren Zwanzigerbereich verdienen die großen Konzerne eine Menge Geld", betont Richards. Angesichts der langsam abkühlenden Konjunktur in den USA und der Enttäuschung über viele High-Tech-Firmen biete sich die Ölbranche damit als "einigermaßen sicherer Hafen" an. Sobald sich eine Stabilisierung des Ölpreises über 20 $ je Barrel abzeichne, sollten Investoren zugreifen. Auch die Credit-Suisse-Analysten bewerten die Ölbranche auf mittlere Sicht positiv. Sie glauben, dass die vier "Super Majors" durch ihre globale Präsenz weiter überdurchschnittliche Renditen erzielen.

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