Warnung vor falschen Anreizen
Bundesbank fordert einfachen IWF-Quotenaufbau

Bei einer Quotenreform beim Internationalen Währungsfonds (IWF) sind nach Meinung der Deutschen Bundesbank ökonomische Kriterien wünschenswert.

vwd FRANKFURT. In ihrem Monatsbericht spricht sich die Bundesbank gegen politische Zielvorgaben aus und fodert einen einfachen und plausiblen Quotenaufbau.

Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die Quotenformel anhand nachvollziehbarer, plausibler ökonomischer Kriterien das relative weltwirtschaftliche Gewicht jedes Landes misst und für alle gleich ist. Eine Vorabfestlegung von Quotenanteilen für Regionen oder bestimmte Ländergruppen (Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer) sei eine fragwürdige Praxis.

Wichtig sei auch, dass die IWF-Quotenformel keine falschen Anreize setze, die mit der Verfolgung der IWF-Prinzipien und mit tragfähigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Konflikt geraten könnten. Eine Formel, die - etwa unter dem Kriterium "Krisenanfälligkeit" - letztlich eine schlechte Wirtschaftspolitik mit erhöhtem Stimmengewicht und erhöhten Kreditmöglichkeiten belohnen würde, "muss auf jeden Fall vermieden werden", so die Bundesbank. Es erscheine ratsam, mit der Quotenformel nicht zu viele verschiedene Ziele gleichzeitig zu verfolgen.

Eine Quotenformel sollte nach Überzeugung der Bundesbank lediglich die prozentualen Anteile einzelner Länder, also die "richtige" Struktur der Quoten ermitteln, über die Höhe des Quotenvolumens sollte seperat entschieden werden. Die Bundesbank hält es zudem für wichtig, dass die Ergebnisse einer vereinbarten Berechnungsmethode auch umgesetzt werden. Es dürfe nicht dazu kommen, dass im Anschluss an die Quotenberechnungen ein Verhandlungsprozess beginnt, in dem dann die Quotenanteile doch diskretionär festgelegt werden.

Die Anteile oder Quoten der aktuell 184 Mitgliedsländer des IWF bestimmten nicht nur deren Finanzierungsbeiträge, sondern auch die Stimmrechte und so ihren Einfluss auf die IWF-Politik. Die Industrieländer halten 61,40/60,37 und die Entwicklungsländer 38,60/39,63 Prozent der IWF-Quoten/-Stimmrechte. Die USA halten 17,47/17,11 Prozent, Japan 6,26/6,14 Prozent, Deutschland 6,12/6,00 Prozent, Großbritannien und Frankreich jeweils 5,05/4,95 Prozent, die EU-Länder zusammen 30,25/29,79 und die Euro-Länder 23,31/22,95 Prozent.

Gegenwärtig beläuft sich die Quotensumme bei 184 IWF-Mitgliedsländern auf 213 Mrd. SZB (oder 282 Mrd. US-Dollar). Die Angemessenheit des Quotenvolumens und damit der finanziellen Ressourcen des Fonds ist gemäß IWF-Übereinkommen in Abständen von längstens fünf Jahren zu prüfen. Die 11. IWF-Quotenüberprüfung bzw. -erhöhung erfolgte im Januar 1998. Dabei wurden fünf Formeln verwendet, die zu einem komplizierten Verknüpfungsverfahren mit folgenden Korrekturen geführt hatte. Inzwischen hat eine Expertengruppe eine Formel mit nur zwei Variablen vorgeschlagen, im IWF-Exekutivdirektorium gibt es dazu aber noch keine Einigung. Die Bundesbank ermahnt grundsätzlich: Eine zu reichliche Mittelausstattung des IWF setze falsche Anreize.

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