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Warnung vor Forschung an embryonalen Stammzellen

Drei Wochen vor der Bundestagsdebatte über die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vor unkalkulierbaren Entwicklungen gewarnt.

dpa BERLIN/WÖRLITZ. Nach dem Import solcher Stammzellen könne nicht mehr erklärt werden, warum nicht auch Embryonen eigens für die Forschung "produziert" würden, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock. Der Grünen-Rechtsexperte Volker Beck forderte am Donnerstag von seiner Partei ein klares Signal gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen und auch gegen den Import.

Unmittelbar vor der Klausurtagung seiner Fraktion in Wörlitz in Sachsen-Anhalt sagte Beck der dpa, es gehe darum, die "Tür zum Stammzellenimport zuzudrücken". Die Gentechnik ist eines der Themen der dreitägigen Grünen-Klausur. Für die Forschung an embryonalen Stammzellen würden Lebensrecht und die Würde des Lebens angekratzt; das sei verwerflich, betonte Beck. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass ein totales Importverbot embryonaler Stammzellen verfassungsrechtlich nicht durchzusetzen sei. Zumindest müssten hohe Anforderungen an die Forschung festgeschrieben werden. Der Import müsse auf bereits existierende Zelllinien beschränkt werden.

Die EKD will den Bundestagabgeordneten Entscheidungshilfen an die Hand geben. Dazu organisiert sie am 28. und 29. Januar in Berlin einen Experten-Kongress zum Thema Embryonenforschung. Am 30. Januar will der Bundestag entscheiden, ob Forscher in Deutschland an Stammzellen aus dem Ausland forschen dürfen und wie der Import geregelt werden soll. Der EKD- Ratsvorsitzende hält die Entscheidung im Parlament für offen. Es sei "theoretisch möglich", dass nach einer Entscheidung des Bundestags die unterlegene Seite das Bundesverfassungsgericht anrufe.

"Das Problem ist, dass mit dem Import die Tür für unkalkulierbare Entwicklungen geöffnet wird", warnte Kock. Für die Erforschung und Heilung von Krankheiten gebe es andere neue Möglichkeiten wie etwa den Rückgriff auf adulte (erwachsene) menschliche Zellen oder Tiere.

Die FDP kündigte an, zur Bundestagsdebatte einen eigenen Gesetzentwurf einzubringen. Damit solle das zehn Jahre alte Embryonenschutzgesetz gelockert werden. So solle die Forschung an Embryonen zugelassen werden, die nach einer künstlichen Befruchtung nicht mehr verwendet werden. Dies dürfe aber nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Spender von Samen und Eizelle geschehen. Jede Entnahme von Stammzellen aus Embryonen müsse vom Bundes-Gesundheitsministerium genehmigt werden.

In der Bundestags-Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" hat sich eine Mehrheit der Mitglieder gegen den Stammzellen-Import ausgesprochen, gleichwohl wurde kein Votum abgegeben und die Entscheidung dem Bundestag überlassen. Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einberufene Nationale Ethikrat dagegen billigte den Import mehrheitlich unter strengsten Auflagen.

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