Warnung vor Inflationsgefahren
US-Notenbank lässt Leitzinsen unverändert

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch den Leitzins erwartungsgemäß nicht verändert, aber vor weiteren Inflationsgefahren gewarnt.

Reuters WASHINGTON. Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch den Leitzins erwartungsgemäß nicht verändert, aber in einer Mitteilung vor weiteren Inflationsgefahren gewarnt. Der Zielsatz für Tagesgeld betrage weiterhin 6,50 Prozent, teilte die Fed im Anschluss an die Sitzung des für die Zinspolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington mit.

Die Nachfrage habe sich noch nicht genug abgeschwächt, um die Ansicht der Notenbank zu ändern, dass Inflation noch immer das größte wirtschaftliche Risiko sei, erklärte die Fed. Analysten hatten die Entscheidung erwartet, waren jedoch enttäuscht, dass die Notenbank noch nicht zu einer neutralen geldpolitischen Haltung überging. Sie habe sich die Tür für weiter Zinsschritte offen gelassen.

Die Aktienmärkte drehten nach der Entscheidung ins Minus. Profitieren konnten dagegen die US-Staatsanleihen. Der Euro markierte ein neues vorläufiges Tagestief von 0,8555 Dollar, erholte sich dann aber wieder leicht.

Die Fed ließ auch den Diskontsatz von 6,00 Prozent unverändert. Die überwiegende Mehrheit der Analysten hatte damit gerechnet, dass die Fed ihre Leitzinsen nicht verändern wird. Die seit Sommer zu beobachtende Abkühlung der US-Konjunktur lasse keinerlei Anzeichen für ein Aufleben der Inflation erkennen, hieß es zur Begründung. Einige Analysten erwarteten bereits eine Zinssenkung in den kommenden Monaten. Die Fed hatte zuletzt im Mai den Zielsatz für Tagesgeld um einen halben Prozentpunkt auf 6,50 erhöht, um die boomende US-Konjunktur zu dämpfen und Inflationsgefahren zu bannen. Innerhalb eines Jahres stiegen die Geldmarkt-Zinsen damit in sechs Schritten um insgesamt 175 Basispunkte.

Warnung fällt milder aus als im Oktober

Eine etwas rückläufige Nachfrage und angespannte Finanzmärkte deuteten zwar darauf hin, dass die Wirtschaft in den USA eine Weile schwächer als ihr Produktionspotenzial wachsen könne, teilte die Notenbank weiter mit. Doch die Risiken lägen noch immer in Faktoren, die in der vorhersehbaren Zukunft erhöhten Inflationsdruck hervorrufen könnten. Die Inflationswarnung fiel damit ein bisschen moderater aus als in der Erklärung der Fed nach ihrer Zinsentscheidung am 3. Oktober. Damals hatte sie gewarnt, die Arbeitsmärkte seien "ungewöhnlich" eng und steigende Energiepreise könnten zu Inflation führen. Doch Analysten hatten offenbar mit einer deutlich lockereren geldpolitischen Haltung der Notenbank gerechnet.

"Die Fed hatte angesichts der abkühlenden US-Konjunktur ausreichenden Grund dafür, ihre geldpolitische Haltung auf neutral zu ändern", sagte Gary Thayer, Chef-Volkswirt von A.G. Edwards & Sons. Die weiterhin verhältnismäßig straffe Haltung der Fed könne in der nächsten Zeit Probleme bereiten. Stan Shipley von Merrill Lynch glaubt, dass die Währungshüter noch mehr Belege für ein langsameres Wirtschaftswachstum sehen wollen. "Die Entscheidung zeigt eindeutig, worüber sich die Fed Sorgen macht. Sie hat ungewöhnlich deutlich gemacht, dass für sie die Kerninflation von großer Bedeutung ist", fügte er hinzu.

Der Dow-Jones-Aktienindex, der vor der Entscheidung deutlich im Plus gelegen hatte, drehte kurz danach ins Minus und notierte zuletzt 0,16 Prozent im Minus mit 10 664 Punkten. Der Euro markierte nach der Entscheidung ein neues Tagestief bei 0,8555 Dollar, erholte sich dann aber wieder auf sein vorangegangenes Kursniveau von 0,8570 Dollar.
Deutliche Gewinne verbuchten die langfristigen US-Staatsanleihen. Die richtungweisende 30-jährige US-Staatsanleihe konnte ihren Kursgewinn ausbauen und kletterte um bis zu 24/32 auf ein Tageshoch von 106-25/32 Punkte.

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