Warnung vor Irak-Aufträgen an Nichtamerikaner: Europäer für Wiederaufbau zweite Wahl

Warnung vor Irak-Aufträgen an Nichtamerikaner
Europäer für Wiederaufbau zweite Wahl

Am Wettbewerb um die Aufträge für den Wiederaufbau im Irak dürfen sich nur amerikanische Unternehmen beteiligen. Deutsche Firmen können höchstens auf einen Platz in der zweiten Reihe hoffen: als Sub-Unternehmer. Doch selbst diese Chancen, ins Rennen zu kommen, gelten als sehr gering.

NEW YORK. In den Plänen der US-Regierung für den Wiederaufbau im Irak spielen Nicht-Amerikaner höchstens eine Nebenrolle. Insgesamt acht Projekte im Wert von geschätzten knapp 2 Mrd. $ hat die Entwicklungs-Organisation der US-Regierung, die US Agency for International Developments (USAID), ausgeschrieben. Bewerben dürfen sich nur Amerikaner.

Die ersten Aufträge sind bereits vergeben. Das Transport-Unternehmen Stevedoring Services of America mit Sitz in Seattle soll den Hochsee-Hafen im irakischen Umm Qsar verwalten, damit Nachschub und Hilfspakete ankommen. Der Auftrag für die Personalsuche für USAID vor Ort und in Washington ging an die US-Personalberatung International Resources Group aus Washington, DC.

Mit je 4,8 Mill.$ und 7,1 Mill.$ sind das jedoch nur winzige Aufträge. Der größte Auftrag für den Wiederaufbau der Strom- und Wasserleitungen, der Straßen und Brücken, Schulen, Krankenhäuser und anderen öffentlichen Gebäuden steht noch aus. Seinen Wert gibt die Agentur mit bis zu 600 Mill. $ über 21 Monate an.

Die Kritik an der rein nationalen Auslese der Bewerber weist der Leiter von USAID, Andrew Natsios zurück: "Unsere Gesetze verlangen, dass wir uns an US-Unternehmen wenden". Es sei schließlich das Geld der US-Steuerzahler, das dafür genutzt werde. Andere Länder hielten das bei Staatsaufträgen ähnlich.

Außerdem machte der Chef der Behörde den Ausländern Hoffnung, dass sie als Subunternehmer ebenfalls profitieren können: "Wir erwarten, dass 50 Prozent oder mehr der Gelder für den Wiederaufbau an Verträge mit Subunternehmern geht. Und diese Unter-Verträge sind offen für jedes Land in der Welt, das die Arbeit kompetent übernehmen kann", versichert Natsios. Das könnten US-Unternehmen, lokale Anbieter im Irak oder Ausländer sein.

"Beim Wiederaufbau in Bosnien sind 90% unserer Gelder an lokale Unternehmer gegangen, im Kosovo waren es weniger", sagt Erin Kuhlman, Sprecherin von Parsons Corp, einem Bau-Unternehmen aus Pasadena/Kalifornien. Es seien zwar keine Aufträge direkt an deutsche Firmen vergeben worden, viele Sub-Unternehmer aus dem Kosovo hätten jedoch deutsche und österreichische Zulieferer genutzt.

Parsons ist eines von schätzungsweise 12 Unternehmen, die für die acht ausgeschriebenen USAID-Aufträge geboten haben. Nur sechs davon sind bisher bekannt. Noch dürfen die Bewerber nichts darüber sagen, was sie genau vorhaben und wie sie die Aufträge später verteilen werden. Aber Luke Zahner, Sprecher von USAID sagte, dass die Behörde bei der Vergabe der Aufträge an die Subunternehmer ein Mitspracherecht habe: "Wir entscheiden das als Tandem."

Der Bauriese Bechtel Group mit Sitz in San Francisco setzt für den Wiederaufbau auf Kooperation: "Wir arbeiten traditionell mit internationalen Unternehmen zusammen", sagt eine Konzern-Sprecher. So arbeitet Bechtel beim Ausbau des Flughafens Lima/Peru mit der Frankfurter Fraport AG zusammen.

Auch der Bechtel Washington Group-Konkurrent International aus Boise/Idaho, ist bereit, mit anderen Unternehmen zu kooperieren: "Wir haben ein gutes internationales Netz. Wir würden mit jedem arbeiten, der uns den größten Nutzen bietet". Die Washington Group hat für drei Wiederaufbau-Aufträge geboten, man ist hoffnungsvoll, dass noch viele andere Ausschreibungen folgen werden. Schließlich geht es nicht nur um die Reparatur von Kriegsschäden, der Irak hat seit vielen Jahren seine Infrastruktur vernachlässigt. Es mangelt auch an ordentlicher Wasserversorgung.

Die Beteiligung von europäischen Subunternehmern am Wiederaufbau könnte bei einigen US-Politikern jedoch auf Widerstand stoßen. Einen kleinen Vorgeschmack bot vergangene Woche der republikanische Kongress-Abgeordnete Darrell Issa: In Briefen an das Pentagon, USAID und andere Kongress-Mitglieder warnte er vor Plänen des Verteidigungsministeriums, denen zu Folge die europäische Mobilfunktechnologie GSM im Irak installiert werden soll.

"Die US-Regierung wird USSteuer-Dollar an französische, deutsche und andere europäische Mobilfunkausrüster gehen, um das irakische Mobilfunksystem aufzubauen. Das ist nicht akzeptabel", schrieb Issa. Statt dessen solle die CDMA-Technologie von Qualcom genutzt werden - eines US-Unternehmens, das jüngst vor allem mit Bilanz-Skandalen bekannt wurde.

Andere Länder drängen darauf, dass die UN möglichst früh in den Wiederaufbau des Iraks eingreifen. Gerade französische und russische Unternehmen besitzen lukrative Ölverträge mit dem Irak.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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