Warnung vor Kompetenzverschiebung
Zeitler warnt vor Schwächung des Euro durch politische Vorgaben

Der bayerische Landeszentralbankpräsident Franz-Christoph Zeitler hat in einem Zeitungsinterview vor einer Schwächung des Euro durch politische Zielvorgaben der EU-Finanzminister gewarnt.

Reuters MÜNCHEN. "Ich sehe mit Sorge die mit Frankreich neu aufgeflammte Debatte über ein Stärkung der Euro-Gruppe als Gegengewicht zur Europäischen Zentralbank", sagte Zeitler in einem vorab veröffentlichten Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Der französische Finanzminister Laurent Fabius hatte jüngst angeregt, dass die Finanzminister der Euro-Zone für den Währungsraum ein Inflationsziel festsetzen sollten. Fabius hatte in diesem Zusammenhang auch eine Aufwertung der Euro-Gruppe der elf Finanzminister der Euro-Zone gefordert.

Zeitlers Ansicht nach schwächt eine solche Kompetenzverschiebung jedoch die Unabhängigkeit der Währungshüter und damit die Preisstabilität in der Euro-Zone: "Wenn diese wichtige EZB-Aufgabe (der Preisstabilität) den Politikern übertragen wird, ist dies nicht nur ein Bruch des Maastricht-Vertrags. Die Finanzmärkte würden damit die Erwartungen verbinden, dass in der Euro-Zone die Kriterien für die Preisstabilität nicht mehr so streng wie bisher gesehen werden", sagte Zeitler in dem Interview weiter.



Im Hinblick auf den Wechselkurs erklärte der LZB-Präsident dem Bericht zufolge, der Euro werde es kurzfristig nicht leicht haben, eine nachhaltige Befestigung gegenüber dem $ zu erreichen. "An den internationalen Märkten wird nicht nur auf die kurzfristigen Konjunkturaussichten geschaut sondern vor allem auch auf das langfristige Wachstumspotenzial", sagte er. In diesem Zusammenhang habe die Euro-Zone jedoch im Vergleich zu den USA noch großen Nachholbedarf.



Im Zusammenhang mit dem Euro warnte Zeitler dem Bericht zufolge auch vor einer voreiligen Aufnahme der osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten zur Währungsunion. Mit Ausnahme Sloweniens sei der Abstand zur Wirtschaftskraft der EU noch gewaltig. Zeitler fordert daher laut Zeitungsbericht, dass die Beitrittskandidaten mindestens 70 % der durchschnittlichen Wirtschaftskraft der EU-Staaten haben sollten, bevor eine Aufnahme in die Währungsunion in Frage komme.



Der Euro war in der vergangenen Woche unter die Marke von 90 US-Cents gefallen und hatte sich dabei bis auf einen Cent an sein Allzeittief von 0,8845 $ genähert. Am Freitag ging die europäische Währung in New York mit 0,9020/24 $ aus dem Handel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%