Warnung vor "menschlicher Dolly"
Debatte über das Klonen von Menschen entbrannt

Embryonen würden als "Ersatzteillager" missbraucht, hieß es. Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) lehnten eine Freigabe des Klonens von Embryonen für Forschungszwecke in Deutschland strikt ab. Harsche Kritik kam auch aus der Union. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Katholische Deutsche Bischofskonferenz werteten den britischen Vorstoß als "ethischen Dammbruch".

dpa/afp BERLIN/LONDON/BRÜSSEL. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich zuvor in einem Grundsatzartikel in der Hamburger Wochenzeitung "Die Woche" gegen "ideologische Scheuklappen und grundsätzliche Verbote" in der Genforschung gewandt. Er schloss Wege wie in Großbritannien in dem Beitrag nicht ausdrücklich aus. Der Kanzler sprach sich aber dafür aus, solange am deutschen Verbot der Verwendung von embryonaler Stammzellen festzuhalten, bis die Möglichkeiten von Stammzellen von Erwachsenen als Alternative besser untersucht sind.

CDU-Chefin Angela Merkel kritisierte die Kanzler-Äußerungen als zu vage. Sie warnte Schröder in der Zeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe) davor, Dämme einzureißen, "die man nie wieder einziehen kann". Es habe nichts mit ideologischen Scheuklappen zu tun, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Merkel forderte vom Kanzler eine klar Aussage, "dass in Deutschland das Klonen von Embryonen verboten ist und bleibt". Ein Ja zur Forschung müsse eingebettet sein in ein ethisches Fundament. Die Grünen-Politikerin Ulrike Höfken äußerte sich verwundert, dass Schröder sich gegen die Embryonenforschung nur sehr undeutlich abgrenze.

Wissenschaftler warnten vor einer "menschlichen Dolly". Prof. Diethmar Mieth vom Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (Tübingen) kritisierte den britischen Beschluss. "Der Zweck heiligt nicht die Mittel." Der Frankfurter Biochemiker Prof. Ulrich Brand warnte: "Wir sollten diesen Geist nicht aus der Flasche lassen."

Das britische Unterhaus hatte am Dienstag entschieden, das Klonen von bis zu 14 Tage alten Embryos für therapeutische Zwecke zu erlauben. Die embryonalen Stammzellen sollen vor allem dazu dienen, neues gesundes Gewebe für schwer kranke Patienten herzustellen. Das Klonen von Menschen soll aber weiter streng verboten bleiben. "Es gibt einen immensen potenziellen Nutzen aus dieser Forschung, vor allem für jene, die unter schrecklichen chronischen Krankheiten leiden", hatte die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Yvette Cooper, den Gesetzentwurf verteidigt.

Oberhaus könnte Gesetz verhindern

Die Gegner des Klonens wollen das Gesetz in Großbritannien nun mit Hilfe des Oberhauses verhindern. Die zweite Kammer des Parlaments hat aber noch keinen Termin festgesetzt. Während Vertreter von Wissenschaftsorganisationen und Patientenverbänden die Entscheidung des Unterhauses begrüßten, zeigten sich Sprecher konservativer und christlicher Gruppen am Mittwoch entsetzt.

"Das Parlament hat durch die Hintertür die Schaffung eines ganz neuen Menschen gestattet", sagte Jack Scarisbrick von der Organisation "Life", die sich dem Schutz des ungeborenen Lebens verschrieben hat. Und der Erzbischof von Westminster, Cormac Murphy O'Connor, fragte: "Wollen wir als Gesellschaft diesen gefährlichen Sprung wirklich wagen, ohne eingehend darüber nachgedacht zu haben?"

EU-Kommission begrüßt Dialogbereitschaft

Die EU-Kommission begrüßte die neue Dialogbereitschaft der politisch Verantwortlichen über die Wissenschaft. Der für Forschung zuständige EU-Kommissar Philippe Busquin sagte in Brüssel, damit erhalte die Forschung ihren angemessenen Platz auf der politischen Tagesordnung. "Wir brauchen in Europa einen Dialog zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft auf dem Gebiet der Wissenschaft vom Leben, wobei die ethischen Fragen aufgeworfen werden und diejenigen, wie man verantwortlich mit den Forschungsergebnissen umgehen kann", sagte der Kommissar. Er vermied eine positive oder negative konkrete Äußerung zum britischen Abstimmungsergebnis.

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