Warnung vor neuer Spekulationsblase bei Wachstumstiteln
Rally der Hightech-Aktien und Zykliker stockt

Überraschend schnell erholten Anleger sich vom Terrorschock und griffen bei Aktien von Technologiekonzernen und konjunktursensiblen Unternehmen zu. Doch die Kurserholung geriet zuletzt ins Stottern. Manche Bankexperten raten bei einigen Zyklikern weiterhin zum Kauf. Sie warnen aber vor allzu großen Hoffnungen auf Hightech-Titel.

DÜSSELDORF. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - im Aktienkurs von Infineon spiegeln sich die heftigen Stimmungsschwankungen der Anleger wider. Erst trieben sie den zuvor arg gebeutelten Kurs des Computerchipherstellers in wenigen Wochen um mehr als 150 % nach oben. Doch in den vergangenen Tagen fiel die Notierung wieder zurück.

"Das ist hanebüchen, was hier mit Infineon passiert", kommentiert ein Frankfurter Aktienhändler den Zickzack-Kurs, "mit fundamentalen Nachrichten hat das gar nichts zu tun". Wie Infineon profitierten viele Technologieaktien und Zykliker, also Firmen aus schwankungsreichen Branchen, vom zeitweise neu erwachten Börsenoptimismus. Die Anlagestrategen der Großbanken erwarten bei einigen konjunktursensiblen Aktien durchaus noch weitere Kursgewinne. Bei vielen Technologiewerten sind sie dagegen pessimistisch.

"Die Leute haben Zykliker gejagt, weil sie glaubten, dass die Börse eine baldige Erholung der Wirtschaft vorweg nimmt", sagt Rolf Elgeti, Anlagestratege der Commerzbank in London. Gesucht war alles, was auf einen konjunkturellen Aufschwung besonders stark reagiert - neben Hightech-Aktien wie Siemens und Infineon auch traditionelle konjunktursensible Werte wie der Autobauer Daimler-Chrysler und der Stahlkocher Thyssen-Krupp. Ins Hintertreffen gerieten dagegen die bisherigen Gewinner des Börsenjahres 2001 - Aktien aus stabilen, kaum konkjunkturabhängigen Bereichen wie Energieversorgung und Arzneimittel.

Deutschen Bank setzt auf traditionelle Zykliker

Das europäische Anlagestrategieteam der Deutschen Bank setzte bereits im Oktober auf traditionelle Zykliker aus der "Old Economy" und bleibt vorerst dabei. "Viele Aktien sind immer noch günstig zu haben", sagt Deutsche-Bank-Stratege Ingo Schmitz in Frankfurt. Zu seinen Favoriten zählt der schwedische Maschinenbaukonzern Atlas Copco, der mehr als die Hälfte seiner Erträge in den USA erzielt und somit von einer wieder erstarkenden Wirtschaft dort profitieren würde. Auch der Ludwigshafener Chemieriese BASF und der französische Baustoffgigant Lafarge stehen auf der Deutsche-Bank-Empfehlungsliste.

Martin Gilles, Chefstratege der West-LB-Investmenttochter Panmure, empfiehlt die britische Überwachungsfirma Bunzl. Auch zyklische Technologiewerte wie Epcos und Siemens stehen auf der Empfehlungsliste der West LB für das Jahr 2002.

Commerzbank-Strategen warnen vor Spekulationsblase

Commerzbank-Stratege Elgeti ist bei den Zyklikern weniger optimistisch: "Die Rally kann noch ein Stück laufen, aber Investoren sollten vorsichtig sein", warnt er. Sorgen macht sich Elgeti wegen der "teilweise enormen Überkapazitäten" etwa in der Chemieindustrie. Diese könne zudem wegen ihrer schwerfälligen Produktionsprozesse kaum flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren. Bei Aktien wie BASF erwartet Elgeti daher Kursrückschläge.

Noch schärfer fällt das Urteil des Commerzbank-Strategen über die "New- Economy"-Branchen Technologie und Telekommunikation aus: "Da baut sich schon die nächste Spekulationsblase auf", sagt Elgeti. Bis zum Jahresende dürfte diese allerdings kaum mehr platzen. Mutige Anleger könnten daher den Ritt auf der Euphoriewelle wagen, die besonders Telekom - und Technologieaktien nach oben spülte. "Aber es wird schwierig, rechtzeitig den Absprung zu schaffen", sagt Elgeti.

Die Deutsche Bank sieht die jüngsten Kursgewinne bei den so genannten Tele-Techs ebenfalls skeptisch. "Trotz der jüngsten Kursrally zählen Technologie-Aktien immer noch zu den größten Verlierern seit Jahresbeginn", betont Schmitz. Zudem seien viele Aktien teuer, was nur wenig Raum für dauerhafte Kursgewinne lasse. Auch West-LB-Chefstratege Gilles bewertet die Technologiebranche eher negativ. Einzelne Aktien seien jedoch kaufenswert, schränkt er ein. Bei Telekommunikations-Dienstleistern ist Gilles optimistischer. So zählt der Mobilfunk- Marktführer Vodafone zu seinen Top-Tipps für das nächste Jahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%