Warnung vor sinkenden Gewinnmargen
Analysten setzen auf große Generika-Firmen

Die Geschäfte der Hersteller von Generika laufen überdurchschnittlich gut. Sie profitieren von auslaufenden Patenten auf Medikamente und der weltweiten Sparwelle im Gesundheitswesen. Zahlreiche Analysten raten dennoch zur Vorsicht bei den Aktien. Denn die Gewinnmargen der Produzenten stehen unter Druck.

FRANKFURT/M. Was der Erwerb eines abgelaufenen Medikamentenpatents bewirken kann, erlebten kürzlich Aktionäre von Schwarz Pharma. Im Oktober gewann Schwarz einen Patentstreit gegen Astrazeneca. Seitdem hat sich der Kurs der Schwarz-Pharma-Aktie fast vervierfacht. Schwarz Pharma ist aber ein Extremfall. Erstens ist das Unternehmen eher ein Pharma- als ein Generikahersteller. Zweitens ging es nicht um irgendeinen Wirkstoff, sondern um das Magen-Darm-Mittel Omeprazol, das Schwarz nun exklusiv in den USA vermarkten kann. Astrazeneca setzte mit dem Medikament 2001 in den USA 3,7 Mrd. $ um. Der Jahresumsatz von Schwarz für 2001: 767 Mill. Euro. Die meisten auslaufenden Patente haben weniger Umsatz; um sie tobt dennoch ein heißer Kampf.

Generika sind billigere Nachahmer- Medikamente nach Ablauf des Patents auf das Originalpräparat. In den vergangenen fünf Jahren haben sich Generikaaktien weitaus besser entwickelt als Pharmawerte. Der von der Marktkapitalisierung her größte Wert, die israelische Teva - Favorit der Analysten mit 20 Kauf- und nur einer Verkaufsempfehlung -, stieg um 227 %, Barr um 260 %, Mylan um 102 % und Stada, der EU-weit einzige reine Hersteller von Generika, um 127 %. Bei den großen Pharmawerten gehört Schering mit 45 % Kursplus noch zu den besten. Pfizer legte trotz Viagra nur um 20 % zu.

Fakt ist: Kopfschmerzgeplagte Kunden verlangen immer häufiger Paracetamol statt Bayer?s Klassiker Aspirin. Und die deutsche aut-idem-Regelung, die Apotheker verpflichtet, bei Wirkstoffgleichheit Medikamente aus dem unteren Preisdrittel abzugeben, nützt Generikaherstellern.

Die Generikabranche wächst daher deutlich schneller als die Pharmabranche. "In Europa ist ein jährliches Wachstum von 12 % gegenüber unter Umständen nur 6 % bei Pharmaunternehmen zu erwarten", sagt Pharmaanalyst Andreas Theisen von WestLB Panmure. Denn bis 2006 laufen Patente auf Medikamente mit bis zu 50 Mrd. $ Jahresumsatz aus. Der Umsatz geht in den USA nach Patentablauf nach wenigen Monaten zu bis zu 90 % auf Generikahersteller über. Zudem haben Pharmaunternehmen ein Pipelineproblem. Sie erforschen zu wenig neue Wirkstoffe. Und weltweit geht der Trend zu den billigeren Nachahmermedikamenten, um die steil steigenden Gesundheitskosten zu drücken.

Rosige Zukunft für Generikahersteller? Nach Wachstumsgesichtspunkten ja. Ob dies auch auf die Aktienkurse durchschlägt, ist eine andere Frage. Die Gewinnmargen sind schon jetzt niedrig und könnten noch weiter sinken. In den USA liegen die Preisabschläge auf das Original bei rund 80 %. Es gibt auch in Deutschland Bestrebungen, die Preise weiter zu drücken. Die aut-idem-Regelung war also unter Umständen nur ein erster Schritt. "Die Preisentwicklung ist ein Risiko bei Generikaaktien", sagt Theisen. "Außergewöhnlich hohe Gewinnsteigerungen erfährt ein Generikahersteller nur, wenn er in den USA für einige Zeit der einzige Anbieter eines Generikums eines Blockbuster-Medikaments ist", ergänzt Pharmaanalystin Isabella Zinck aus dem HVB Equity Research. Nur dann könne er einen zwar unter dem des Originals liegenden, aber immer noch hohen Preis verlangen und schnell große Marktanteile erwerben. Das ist aber nicht die Regel. Normalerweise bewerben sich zahlreiche Hersteller auf auslaufende Patente. So kommen nach Patentablauf kurz nacheinander auch zahlreiche Generika auf den Markt. "Preise und Gewinne sinken schnell", sagt Zinck.

Die USA sind der attraktivere Markt für Generika. "Denn dort besteht die Möglichkeit, einen Wirkstoff nach Ablauf des Patents für sechs Monate exklusiv zu vermarkten", erklärt Theisen. In diesem Zeitraum könne sich das Unternehmen einen beträchtlichen Marktanteil sichern.

Aus diesem Grund empfehlen die meisten Analysten Investments in die großen US-Unternehmen wie Teva, Mylan, Watson und Barr, Andrx oder Alpharma. Stada - für Analyst Andreas Schmidt von Merrill Lynch der "German Pharma Stock of the Year" - ist der Favorit in Europa. "Pauschal zum Kauf von Generikawerten kann man aber nicht mehr raten", sagt Theisen. Nur wer richtig auswählt, kann weiter enorme Gewinne erzielen. Schwarz Pharma lässt grüßen.

Quelle: Handelsblatt

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