Warnungen seit Januar
Fünf Monate schliefen die Behörden

Die positiven Befunde wurden bereits im März festgestellt, doch als am 2. Mai der erste niedersächsische Putenfleischverarbeiter beim Landkreis Selbstanzeige erstattete, kam der Stein ins Rollen.

oli DÜSSELDORF. Der neueste Skandal in der Futtermittelindustrie begann unter anderem auf einem Öko-Hof in der brandenburgischen Uckermark. Dort wird Futterweizen produziert, 550 Tonnen davon sind an den niedersächsischen Futtermittelhersteller GS Agri geliefert worden. Der Betrieb hat diesen Weizen zusammen mit anderen Lieferungen zu Geflügelfutter und möglicherweise auch zu Futter für Kühe, Rinder und Schweine verarbeitet und an mehr als 100 Ökobetriebe in ganz Deutschland weiterverkauft.

Dort wurden Hennen und Puten mit dem Futter ernährt, bis im Januar ein Hersteller von Babynahrung das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen in Putenfleisch entdeckte. Er informierte den Erzeuger, der Proben an zwei Labore schickte. Darunter befand sich auch das Labor der Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach, einer Behörde, die dem Bundesministerium für Verbraucherschutz unterstellt ist. Die Befunde waren positiv - eine Information, die im März an den Herstellerbetrieb weitergegeben wurde.

Erst als am 2. Mai der erste niedersächsische Putenfleischverarbeiter beim Landkreis Selbstanzeige erstattete, kam der Stein ins Rollen - allerdings nur langsam: Am 6. Mai erfuhr die zuständige Staatsanwaltschaft davon. Es dauerte noch einmal rund zwei Wochen, bis bei einer Durchsuchung fraglicher Betriebe in Niedersachsen belastetes Putenfleisch aus dem Verkehr gezogen wurde und sich der Fall bis in die höheren Etagen des Verbraucherschutzministeriums herumgesprochen hatte. Von dort aus wurde am 27. Mai - knapp fünf Monate nach den ersten Hinweisen - eine Handelssperre für die mehr als 100 Ökobetriebe verhängt. Wie das Gift ins Futter gelangte und ob auch konventionelle Betriebe, die ebenfalls von GS Agri beliefert wurden, betroffen sind, ist unklar.

Quelle: Handelsblatt

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