Warschau und Brüssel stocken Hilfsleistungen auf
Keine Entspannung bei Hochwasser in Polen

Bei der Überschwemmungskatastrophe in Polen hat sich am Dienstag noch keine Entspannung abgezeichnet. Das Hochwasser erreichte die Hauptstadt Warschau, wo die Weichsel den Alarmpegel um 55 Zentimeter überschritt.

afp WARSCHAU. Wie der Krisenstab weiter mitteilte, standen Uferstraßen und Ausflugsterrassen unter Wasser. Auf mehreren Kilometern war kein Verkehr möglich. Tausende Schaulustige betrachteten das Schauspiel von Brücken und Uferböschungen aus. Eine akute Gefahr bestand nach Angaben der Behörden nicht. Die Lage im südpolnischen Überschwemmungsgebiet blieb dagegen nach wie vor gespannt. In Ostpolen bedrohte eine hundert Kilometer lange Flutwelle zahlreiche Dörfer. Die polnische Regierung erhöhte ihre Hilfe auf 800 Mill. Zloty (424 Mill. DM /217 Mill. ?). Die EU-Kommission sagte weitere 15 Mill. ? (29 Mill. DM) Wiederaufbauhilfe zu.

In der Gegend um Kamien, 140 Kilometer südlich von Warschau, brachen mehrere aufgeweichte Deiche entlang der Weichsel. In Rundfunkberichten hieß es, möglicherweise müssten in der Region bis zu 10 000 Menschen evakuiert werden. Viele Bewohner weigerten sich jedoch, ihre Häuser zu verlassen - aus Furcht vor Diebstählen und Plünderungen. Durch die Unwetter und Überschwemmungen in Polen kamen in den vergangenen Tagen 30 Menschen ums Leben. Zahlreiche Häuser und Ackerflächen wurden zerstört. Mehr als 10 000 Menschen wurden vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Viele verloren ihr Hab und Gut. Schätzungen der Regierung zufolge richteten die Überschwemmungen Schäden in Höhe von drei Milliarden Zloty (1,58 Mrd. DM/ 808 Mill. ?) an.

Oderpegel an der deutschen Grenze stieg nur leicht

Die Diakonie-Katastrophenhilfe der deutschen evangelischen Kirche stellte für die Opfer 200 000 DM zur Verfügung. Damit soll bei Aufräumarbeiten und Rehabilitationsmaßnahmen geholfen werden. Der Arbeiter-Samariter-Bund in Köln und die polnische Samaritergesellschaft lieferten Decken, Kleidung und Hygieneartikel. Das Deutsche Rote Kreuz kündigte Tetanus- und Hepatitis-Impfungen an, um drohenden Epidemien vorzubeugen. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Hilfsorganisationen hatte sich bereits 1997 bei der großen Oderflut bewährt.

An der deutschen Ostgrenze stieg der Oderpegel nur noch leicht. In Ratzdorf, wo die Oder von Polen nach Deutschland eintritt, wurde gegenüber dem Vortag ein Anstieg um acht Zentimeter registriert. Im talwärts gelegenen Eisenhüttenstadt kletterte der Pegel um nur drei Zentimeter über die Alarmmarke von 4,70 Meter, deren Überschreiten am Montag zum ersten Hochwasseralarm geführt hatte. Experten des Landesumweltamtes rechnen am Mittwoch wegen des aus Polen nahenden Flutscheitels mit einem kräftigeren Pegelhub in Brandenburg, wobei jedoch nach Prognosen nur die erste von vier Alarmstufen erreicht werden soll.

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