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Warschaus Polizei nutzt moderne TechnikDPA-Datum: 2004-07-19 11:51:44

Warschau/Berlin (dpa) - Ein Bildschirm reiht sich an den anderen. Eine große Monitorwand am Ende des Raumes zeigt ständig andere Bilder von Straßenzügen und Plätzen. Der Raum, der ein wenig an ein Raketenkontrollzentrum der Nasa erinnert, ist die Einsatzleitstelle der Warschauer Polizei.

Warschau/Berlin (dpa) - Ein Bildschirm reiht sich an den anderen. Eine große Monitorwand am Ende des Raumes zeigt ständig andere Bilder von Straßenzügen und Plätzen. Der Raum, der ein wenig an ein Raketenkontrollzentrum der Nasa erinnert, ist die Einsatzleitstelle der Warschauer Polizei.

Wovon deutsche Polizisten noch träumen, ist bei den polnischen Nachbarn längst Wirklichkeit: Das abhörsichere Bündelfunksystem Tetra (Terrestrial Trunked Radio) ermöglicht die Bildübertragung von den Unfall- und Kriminalitätsschwerpunkten der polnischen Hauptstadt in die Leitstelle.

Doch nicht nur die Leitstelle der Polizei ist hochmodern ausgestattet. Aus 150 Streifenwagen können die Polizisten auf Datenbanken des polnischen Innenministerium zugreifen. Auch hier erfolgt die Datenübertragung mittels Tetra. Während in Deutschland die Beamten den Namen jedes Verdächtigen per Analogfunk an die Zentrale buchstabieren müssen, geben die polnischen Kollegen den Namen in den im Auto installierten Computer ein und bekommen die Daten angezeigt. 45 000 Anfragen im Monat zu Personen und Autokennzeichen beantwortet das Warschauer System.

Im Gegensatz zu Ländern wie Finnland, den Niederlanden oder Belgien, in denen die Sicherheitsbehörden mittels Digitalfunk kommunizieren, sitzt Deutschland immer noch im Funkloch. Der Bund und die Länder streiten sich um die Finanzierung. Auch die Hoffnung einiger Polizisten, bereits zur Fußballweltmeisterschaft 2006 abhörsicher und mit moderner Technik kommunizieren zu können, hatte sich im Mai zerschlagen, als Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bekannt gab, «dass mit einer funktionsfähigen Inbetriebnahme von Teilnetzen zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006 nicht mehr zu rechnen ist.»

«Damit ist der politische Druck raus», befürchtet der IT-Experte Horst Müller von der Gewerkschaft der Polizei. Dies sei ein «Drama», denn jetzt müsse zur WM 2006 in ein veraltetes System, den Analogfunk, investiert werden. Dabei steht die Industrie längst in den Startlöchern und wartet händeringend auf die Ausschreibung.

Jörg Terschüren, als Vertriebsdirektor bei Motorola Deutschland für öffentliche Auftraggeber zuständig, fürchtet gar, dass es in Deutschland zu einer Zersplitterung des digitalen Funksystems kommen könnte, wenn der Bund nicht bald ausschreibt. Zusammen mit T-Systems will der amerikanische Konzern ein Gesamtpaket schnüren - vom Netzaufbau bis zum Betrieb könne man alles übernehmen. Auch das Warschauer Tetra-System lieferte der amerikanischen Konzern.

Konkurrent Nokia hingegen präferiert eine Lösung, wie sie bereits in Finnland realisiert wurde. Der Netzaufbau und der Betrieb wurden getrennt ausgeschrieben. «Das ist kostengünstiger, weil mehr Wettbewerb entsteht», sagt Nokias Marketing-Leiter Tetra, Uwe Jakob. Um den Milliardenauftrag buhlen unter anderem noch der Luft- und Raumfahrtkonzern Eads mit dem System Tetrapol und das Telekommunikationsunternehmen Vodafone, die den Digitalfunk über das Mobilfunknetz GSM abwickeln möchte.

Wann Deutschland endlich aus dem Funkloch kommt, bleibt abzuwarten. Gewerkschafter Müller ist wenig optimistisch: «Wir befürchten, dass die Auftragsvergabe nicht vor 2006 erfolgt.»

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