Warten auf Analystenkonferenz am 26. Februar
Analysten: Ergebnis von Daimler-Chrysler überrascht nur zum Teil

Die Veröffentlichung der Zahlen von Daimler-Chrysler für das abgelaufene Geschäftsjahr kam überraschend und löste an der Frankfurter Börse zunächst positive Resonanz aus. Gegen Mittag verzeichneten die Aktien des Konzerns ein Plus von 0,81 Prozent und notierte bei rund 52,40 Euro. Das Feedback von Analysten fiel jedoch unterschiedlich aus.

HB DÜSSELDORF. Jörg Pieper vom Bankhaus Metzler, Frankfurt, haben nicht so sehr die Geschäftszahlen des Autokonzerns überzeugt, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Dividende von 2,35 Euro nun doch ausgezahlt werde. "Das war nämlich noch fraglich", meint der Experte zu Handelblatt.com. Diese Tatsache und die Kommunikationspolitik von Daimler-Chrysler hätten sich positiv auf die Aktie ausgewirkt. "Daimler-Chrysler hat zwar schon immer wesentlich offener kommuniziert als beispielsweise Porsche oder BMW, jedoch war die Entscheidung, die Zahlen jetzt zu veröffentlichen, günstig", so Pieper weiter. Zumal der Druck auf das Management immer größer werde, da seiner Einschätzung nach Übernahmeversuche denkbar seien. Auf die Frage, wer die möglichen Interessenten seien, nennt Pieper Ford, Toyota und General Motors. Ja sogar Volkswagen sei nicht auszuschließen.

Pia-Christina Schulze vom Bankhaus Merck Fink, München, hält eine Übernahme von Daimler-Chrysler seitens Ford, General Motor und VW für eher unwahrscheinlich. Lediglich Toyota käme in Frage, aber auch nur bedingt, da sich das Unternehmen weniger auf den Automarkt, sondern auf neue Technologien konzentrieren wolle. Die Veröffentlichung der Geschäftszahlen überrascht Schulze nicht, sondern sei vielmehr der Versuch, die Unsicherheit aus dem Markt zu nehmen, "ob das Unternehmen die eigenen Voraussagen diesmal einhalten kann". Ihrer Einschätzung nach sei diese Aktion nicht an Vorstand Jürgen Schrempp vorbeigelaufen, der sich nach Angaben der Presseabteilung von Daimler-Chrysler momentan auf einer Vorstandssitzung in New York befinde, sondern vielmehr in Abstimmung mit dem Vorstand geschehen. So seien die Zahlen ihrer Meinung nach auch mehr oder weniger in dieser Größenordnung zu erwarten gewesen.

Die Meldung, dass die Dividende ausgezahlt würde, sei auch nichts Besonders: "Schließlich kann es sich Schrempp kaum erlauben, die Kleinaktionäre wieder vor den Kopf zu stoßen, die sich durch den Merger mit Chrysler inspirieren ließen und bei 80 Euro eingestiegen sind", so Schulze weiter zu Handelsblatt.com. Für Schulze ist das Jahr 2000 gelaufen, abzuwarten bleibe nun, was das Restrukturierungsprogramm bringen werde und wie sich die Lage von Chrysler weiter entwickele. Verluste seien ihrer Meinung nach nicht durch erforderliche Rückstellungen für das Restrukturierungsprogramm zu verzeichnen, sondern durch die negative Entwicklung von Chrysler in den USA und dem rückläufigen US-Automarkt. Von daher könne man innerhalb der nächsten drei bis vier Monate bei Daimler-Chrysler kaum ein Break-even erwarten.

Arndt Ellinghorst von der WestLB Panmure, Düsseldorf, hat die Veröffentlichung der Daimler-Chrysler-Zahlen hingegen überrascht. "Normalerweise kündigen Unternehmen an, wenn sie mit ihren Zahlen an die Öffentlichkeit treten. Von Daimler-Chrysler kennen wir solche Überraschungsaktionen eigentlich nicht", so der Analyst. Die Ausschüttung der Dividende habe er erwartet, die Zahlen für das vierte Quartal liegen seiner Einschätzung nach allerdings unter den Erwartungen. Es bleibe daher abzuwarten, was Daimler-Chrysler am 26. Februar auf der Analystenkonferenz verkünden werde. Im Mittelpunkt ständen nämlich die Fragen, wie das Restrukturierungsprogramm aussehe und was mit Chrysler geschehen solle. "Wichtig ist, dass Daimler-Chrysler das operative Geschäft wieder ans Laufen bekommt", so Ellinghorst. Eine Übernahme des Konzerns sei aus der Luft gegriffen und hält er für völlig ausgeschlossen.

Obwohl die Geschäftszahlen insgesamt nicht unerfreulich seien, seien die Aussichten für das laufende Jahr aber noch ungewiss. "Diese Ergebnisse sind schön anzusehen, aber die wirklich wichtige Frage ist, was dieses Jahr passieren wird", sagte Thomas Aney von Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt.

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