Warten auf den richtigen Zeitpunkt für Anschaffungen
Deutsche Verbraucherstimmung trotzt der Flut

Der GfK-Konsumklima-Indikator für Oktober hat sich stabilisiert. Der befürchtete Stimmungseinbruch - besonders in den neuen Ländern - auf Grund der Flutkatastrophe ist im September ausgeblieben.

Reuters NÜRNBERG. Der GfK-Konsumklima-Indikator für Oktober habe sich mit einem leichten Anstieg auf 7,6 Zähler von 7,4 Punkten im Vormonat stabilisiert, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag in Nürnberg exklusiv mit. "Der befürchtete Stimmungseinbruch - besonders in den neuen Ländern - auf Grund der Flutkatastrophe ist im September ausgeblieben", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Insgesamt blickten die Deutschen optimistischer in die Zukunft, auch wenn sie den Zeitpunkt für größere Anschaffungen noch nicht gekommen sahen. Der Ausblick bleibe aber unsicher, weil die Verschiebung der Steuerreform, die Diskussion um höhere Steuern und der schwelende Irak-Konflikt die Stimmung drücken könnten.

Aus der monatlichen Befragung von 2 000 Personen im Auftrag der EU-Kommission berechnet die GfK jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Der Indikator prognostiziert die Entwicklung des realen privaten Verbrauchs, auf den in Deutschland fast 60 % des Bruttoinlandsprodukts entfallen. Werte über Null weisen auf einen Zuwachs im Jahresvergleich, Werte darunter auf einen Rückgang hin.

Verbraucher zuversichtlicher- Flut bislang ohne Folgen

Trotz der Überschwemmungen und der zuletzt großen Zahl negativer Wirtschaftsmeldungen zeigten sich die Verbraucher der GfK zufolge wieder zuversichtlicher. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen stieg auf 11,3 Punkte, nachdem er im August auf 7,8 Zähler gesunken war. Auch ihre zukünftige Einkommenslage bewerteten die Befragten optimistischer, der entsprechende Indikator kletterte auf 8,0 von 6,8 Punkten. "Ein wesentlicher Grund dafür dürfte vor allem in der gemäßigten Preisentwicklung zu suchen sein", sagte Bürkl. Im September hat sich die Lebenshaltung in Deutschland zum Vorjahr lediglich um gut ein Prozent verteuert. "Zudem dürften vermutlich auch die tariflichen Lohn- und Gehaltsteigerungen, die mit etwa drei Prozent meist etwas besser ausgefallen sind als ursprünglich erwartet, den Indikator positiv beeinflussen", sagte Bürkl.

Auch die Stimmung der ostdeutschen Verbraucher trotze Bürkl zufolge der Flut. "Ganz im Gegenteil: Im Osten stieg die Einkommenserwartung im September zum Vormonat um gut 13 Punkte, während im Westen sogar ein kleines Minus von zwei Zählern zu verzeichnen war."

Konsumenten weiter nicht in Kauflaune

Trotz der wachsenden Zuversicht warten viele Verbraucher offenbar noch auf den richtigen Moment für größere Anschaffungen. Der Indikator für die Neigung der Konsumenten, Produkte wie Fernseher oder Kühlschränke zu kaufen, rutschte im September mit minus 43,2 (August minus 42,5) Zählern erneut ab und lag damit nahe dem im April gemessenen Tiefstwert (minus 55,4) der seit 1980 laufenden Umfrage. Allerdings sei der Indikator in Ostdeutschland trotz der Flut deutlich gestiegen, die Verschlechterung resultiere aus einem erneuten Rückgang im Westen, sagte Bürkl.

Unter der anhaltenden Konsumflaute hat bislang vor allem der Einzelhandel gelitten, aber auch Gastronomen und die Reisebranche bekamen die Zurückhaltung der Verbraucher zu spüren. Bürkl konnte trotz der Stabilisierung des Konsumklimas keine Entwarnung für die weitere Entwicklung des Verbrauchs geben. Die Verschiebung der zweiten Steuerreformstufe und die Debatte um Steuererhöhungen könnten den Konsum belasten, erklärte der GfK-Experte. "Die Diskussionen um höhere Steuern könnten sich ungünstig auf die weitere Entwicklung der Verbraucherstimmung auswirken, unabhängig davon, was dabei in den nächsten Wochen herauskommt. Vor allem so kurz nach den Wahlen könnten einige Wähler enttäuscht sein." Zudem könne ein Krieg im Irak - verbunden mit einer spürbaren Erhöhung des Ölpreises - die Konsumstimmung weiter eintrüben, sagte Bürkl. Auf die wirtschaftlichen Risiken eines Kriegs im Irak haben in den vergangenen Wochen auch mehrere Politiker und Zentralbanker immer wieder hingewiesen.

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