Warten auf den UMTS-Start
MAP bringt die Hauptstadt aufs Handy

Mit High-Tech-Stadtführern will das junge Berliner Unternehmen die Möglichkeiten des mobilen Internets nutzen.

HB BERLIN. Der Stadtführer der Zukunft spricht auf Knopfdruck und heißt Info-Naut. Mit diesem Programm möchte das Berliner Unternehmen Messen, Ausstellungen und Projekte, kurz MAP, die Taschencomputer von Geschäftsreisenden in deutschen Großstädten erobern, wenn in einigen Jahren mit dem Universal Mobile Telephone Service (UMTS) per Handy Multimedia-Anwendungen aus dem Internet geholt werden können. Schon 1999 präsentierten die beiden MAP-Gründer Gisela Krone und Thomas Hattig die erste Version des Info-Nauten in Form eines Walkman oder MP3-Players. Per Kopfhörer lässt sich der Besucher damit auf drei Routen durch die Hauptstadt lotsen. Neben den historischen Fakten lockern unterhaltsame Hörspiele den Rundgang auf, bei denen Heinrich Heine, die Siegesgöttin und Baumeister Karl-Friedrich Schinkel zum Besucher sprechen.

Bei der Konzeption der hörspielartigen Szenen kam der 34-jährigen Krone ihre Erfahrung als Hörfunkjournalistin zugute. Schließlich musste sie für den Stadtrundgang eine Menge recherchieren, texten und schließlich in einem professionellen Studio aufnehmen lassen. "Wir glaubten, um damit Geld verdienen zu können, reiche es, engagiert an die Sache ranzugehen", sagt Krone.

Keine Werbung - keine Kunden

Doch weil sie keine Werbung für die Multimedia-Stadtführung machte, nutzten nur wenige Touristen die Geräte, die für Preise zwischen zehn und 17 Mark - 60 Prozent davon gingen an MAP - in der Galerie Unter den Linden ausgeliehen werden konnten. Nachforschungen des Handelsblatts ergaben, dass die Geräte dort nicht mehr erhältlich sind. "Der Verleihstelle war wohl der Aufwand für die Wartung zu hoch", vermutet Krone, die gerade mit einem anderen Laden verhandelt. Krone glaubt, dass auch das Pfand für die teuren MP3-Player in Höhe von 800 Mark ein Grund für das geringe Interesse der Touristen war.

Doch die erste Generation der Info-Nauten sieht Krone selbst mittlerweile nur als Demo-Version. Ihre große Hoffnung liegt jetzt nämlich im Verschmelzen von "Personal Digital Assistants" (kurz PDA), also Kleincomputern für die Westentasche, mit dem Handy. Speziell für Geschäftsreisende, die sich nur kurz in Berlin aufhalten und oft auch bereits über PDAs verfügen, bereitete sie mit vier freien Mitarbeitern das Info-Naut-Konzept neu auf.

Mit UMTS wird alles besser

Die Hotels, Restaurants, Geschäfte und Kultureinrichtungen von Berlin werden in diesem Multimedia-Stadtführer nicht nur beschrieben, es gibt auch Fotos von ihnen, Lageskizzen, sogar kurze Interviews mit den Betreibern spielt der Mini-Computer ab. Bezahlen sollen für diesen Dienst wie bei der Walkman-Version die Nutzer, wenn sie sich das Programm aus dem Internet auf den Computer laden, um es auf den PDA zu übertragen.

"Wir könnten das jederzeit online stellen", sagt Krone. Doch mit 62 Megabyte überfordert das Programm derzeit noch die Speicherkapazität der meisten verfügbaren Kleincomputer. Aber in zwei Jahren sollen sich die Nutzer die gewünschten Informationen direkt vor Ort auf ihr Handy holen können. "Uns fehlt UMTS", meint Krone.

Was außerdem fehlt, ist Kapital. Insgesamt investierte Krone in den InfoNauten bisher rund 150 000 Mark. Das Geld stammte aus eigenen Ersparnissen und dem Geld, das MAP mit Projekten wie der Hörstelle verdient: Unter diesem Namen konnten Berlin-Besucher im vergangenen Jahr an Originalschauplätzen berühmte Sprachdokumente hören, etwa die Kennedy-Rede am Schöneberger Rathaus. "Wir haben bislang bewusst keine Fördergelder und Wagniskapital in Anspruch genommen", sagt Krone. Doch für Werbung und die weitere Entwicklung des Info-Nauts rechnet sie bis Ende 2002 mit Kosten von rund zwei Millionen Mark. Auf der Cebit, wo MAP das Produkt vorgestellt hat, habe sie bereits Kontakte zu Kapitalgebern und strategischen Partnern geknüpft.

Mit Citikey ist ein ähnliches Projekt gescheitert

Am Geld scheiterte Ende 2000 mit Citikey ein sehr ähnliches Konzept. Das schwedische Unternehmen wollte Europa mit Stadtinformationen auf Handys mit Internet-Zugang und tragbaren Computern versorgen. Doch die 11,5 Millionen Dollar Risikokapital waren schneller aufgebraucht als geplant. Trotzdem glaubt man bei Ipublish an die Zukunft solcher Produkte. Die Tochter der Ganske-Verlagsgruppe will im Juli den "Merian Scout On Palm" für Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und München auf den Markt bringen. "Sie müssen einfach weniger mitschleppen als bei traditionellen Reiseführern", hebt Stefanie Rother, Pressechefin bei Ipublish, die Vorteile hervor.

Zurückhaltender gibt sich Falk New Media. Auf der Cebit präsentierte das Tochterunternehmen des Faltplanerfinders eine Routenplanung für den Palm, einen Kleincomputer. Schon länger bietet das Unternehmen Veranstaltungstipps für WAP-Handys an. "Aber zurzeit sehen wir noch nicht den großen Markt", gesteht Silke Ragg, Managerin für Unternehmensentwicklung bei Falk New Media. "Interessant wird es, wenn Daten online abrufbar sind."

Gisela Krone ist trotzdem optimistisch, dass der neue Info-Naut erfolgreicher wird als der alte. "Es gibt momentan ein großes Fragezeichen, was man mit den neuen Technologien anfangen kann. Wir geben eine Antwort darauf."

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