Warten auf den Wendepunkt
Maschinenbauer erholen sich nur zögerlich

Die deutschen Maschinenbauer werden 2003 auf der Stelle treten nach rückläufigen Geschäften in diesem Jahr. "Real plus Null" lautet die Prognose, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

HB/dpa FRANKFURT. Die Produktion werde im Verlauf des nächsten Jahres auf niedrigem Niveau zögerlich anziehen. "Zunächst werden wir ähnlich schwach wie jetzt in das nächste Jahr starten und dann erst eine Belebung erfahren", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. 2002 erwartet die Branche ein Minus von 4 %.

Wann genau der Wendepunkt 2003 komme, sei nicht klar, führte Wiechers aus. Das bislang kalkulierte Aufschwungszenario verzögere sich aber auf jeden Fall. Vor rund einem Monat hatte daher der Branchenverband den erwarteten Rückgang für dieses Jahr von zwei auf 4 % korrigiert. In den ersten sechs Monaten ging die Produktion binnen Jahresfrist um 5,7 % zurück.

Auch die Aussichten für das zweite Halbjahr sind nach Meinung des VDMA angesichts rückläufiger Auftragseingänge trübe. Zwischen Januar und Juli gingen die Bestellungen aus dem Inland um 12 %, die Order aus dem Ausland um 1 % zurück. Damit sei keine Besserung vor nächstem Jahr in Sicht, betonte Wiechers.

Dresdner Bank sieht Branche im Aufwind

"Dies ist eine normale Entwicklung am Ende einer Konjunkturflaute", betonte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Die Maschinenbauer liefen einer Erholung immer etwas hinterher. Die Geschäftsentwicklung sei abhängig von der Bereitschaft der Unternehmen, in neue Ausrüstungen zu investieren. Die Ausrüstungsinvestitionen würden in diesem Jahr voraussichtlich um 6 % nachgeben. "Der Abwärtstrend wird möglicherweise bis zum ersten Quartal 2003 anhalten." Doch dann spätestens kämen die Kunden der Maschinen- und Anlagenbauer mit ihren vorhandenen Kapazitäten nicht mehr über die Runden.

Die Dresdner Bank sieht die Maschinen- und Anlagenbauer dagegen im Aufwind. "Wir glauben nicht, dass die Geschäfte 2003 stagnieren, sondern erwarten ein Plus von drei Prozent", berichtete Rolf Schneider, Volkswirt der Allianz-Gruppe. Die VDMA-Prognose sei zu vorsichtig. "Wir glauben, dass es bereits in den kommenden Monaten eine Erholung bei den Auftragseingängen gibt". Zudem habe es nicht wie sonst am Ende eines Konjunkturabschwungs die üblicherweise kräftigen Einbrüche bei den Bestellungen gegeben. 2Die Zahlen der letzten Monate waren doch ganz ordentlich", hob Schneider hervor.

Export ist die wichtigste Stütze

In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatszeitraum Mai bis Juli betrug der Auftragsrückgang der VDMA - Unternehmen 3 %. Im Juli hatte die Branche sogar ein leichtes Orderplus von 1 % gemeldet. Dies stufte der Verband aber lediglich als Ausreißer und nicht als Beginn einer Kehrtwende ein.

Sowohl der VDMA als auch die Volkswirte der Banken sehen die Exporte als wichtigste Stütze für eine wie auch immer geartete Erholung im Jahr 2003. Hier befürchtet der Branchenverband allerdings einen leichten Dämpfer. "Die Aussichten in den USA haben sich eingetrübt, zudem schweben die Börsenflaute, der Irak-Konflikt und der Ölpreis als Damoklesschwert über dem Auslandsgeschäft", begründete Wiechers.

Um die schwarze Null zu erreichen, sei somit wichtig, dass die inländischen Kunden wieder vermehrt bestellen. Sie stehen für 40 % der Umsätze bei den Maschinenbauern. Der VDMA-Chefvolkswirt ist aber insgesamt zuversichtlich, dass die Branche eine Rezession wie in diesem Jahr vermeiden kann.

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