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Warten auf die Notenbank

Schon im Vorfeld der Notenbank ist den Marktteilnehmern an der Wall Street eines klar: Egal was Greenspan entscheiden wird, die Stimmung der Investoren dürfte kaum besser werden. Bleiben die Zinsen unverändert, weil die Notenbank eine Konjunkturerholung sieht, dürften Investoren dagegen halten. Immer mehr Analysten verschieben den Zeitpunkt der Erholung nach hinten.

Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte, wovon der Markt bereits ausgeht, ist wiederum nichts halbes und nichts ganzes. Fallen die Zinsen um 50 Basispunkte, droht Panik auszubrechen. Dies wäre ein klarer Indikator, dass eine Erholung im zweiten Halbjahr wohl kaum bevorstehen dürfte. Die Notenbankentscheidung steht an diesem Dienstag um 20:15 Mez an.

Abgesehen von der Notenbanksitzung, werfen auch schon Ereignisse, die erst in den nächsten zwei Monaten stattfinden, ihre Schatten auf die Wall Street. So beginnt in spätestens der zweiten September-Woche die Ertragswarnungsphase für das dritte Quartal. Da das eigentliche Quartal erst später schliesst, überwiegen in diesem Zeitraum meistens negative Nachrichten. Und nicht nur die Warnungen drohen den Aktienmarkt auszubremsen. Bei der Mehrheit der US-Aktienfonds endet das Fiskaljahr im September oder Oktober. Um das neue Jahr mit bereinigten Depots zu beginnen, dürften vor allem die "Leichen" aus dem Keller geräumt werden. Wie sich dieses "Ausmisten" auswirken kann, sieht man am Kursverlauf von Exodus Communications.

Für den Handel am Montag gilt: Vorsicht ist Trumpf. Mit großen Umsätzen ist kurz vor der Notenbanksitzung nicht zu rechnen. Investoren dürften sich im Vorfeld der Sitzung zurückhalten. Sowohl die Nachrichtenlage an der Wirtschafts- als auch an der Ertragsfront ist zum Wochenauftakt dünn. Vor der New Yorker Eröffnung hat die Baumarktkette Lowe´s Ergebnisse vorgelegt. Im zweiten Quartal konnten die durchschnittlichen Analystenschätzungen um einen Cent übertroffen werden. Der Gewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent. Im Tagesverlauf werden noch die Einzelhandelsketten Staples, Saks und Target ihre Ergebnisse veröffentlichen.

Dem Chipsektor könnte zum Wochenauftakt ein rauher Wind aus Japan entgegenblasen. Fujitsu, der größte japanische Hersteller von Firmencomputern, hat angekündigt, 16.400 Angestellte zu entlassen. Die Nachricht könnte als weiteres Indiz dafür gewertet werden, dass das Geschäftsumfeld weiterhin schwierig bleibt. Das wiederum könnte am Montag die Aktien von Intel, Texas Instruments und Co belasten.

Ebenfalls angespannt ist die Situation in der Flugzeugbranche. Die Schlechtwetterfront für die amerikanischen Fluggesellschaften scheint zwar abzuziehen, glaubt zumindest Glenn Engel von Goldman Sachs. Doch auch wenn der Boden nun erreicht sein mag, dürfte die Erholung auf sich warten lassen. Ein Grund: die Kerosinpreise bleiben auf hohem Niveau. Die Airline-Titel tendieren im frühen Handel alle leicht im Minus.

Nicht viel besser könnte der Wochenauftakt für Ford verlaufen. Gleich reihenweise nehmen Brokerhäuser den Automobilkonzern ins Visier. Merrill Lynch stuft die Aktie von "kurzfristig akkumulieren" auf "neutral" ab. Die Deutsche Alex Brown senkt das Gewinnziel für das laufende Jahr von 1,05 Dollar pro Aktie auf 70 Cents po Aktie. Ford hatte Ende vergangener Woche die Entlassung von bis zu 5.000 Mitarbeitern angekündigt und die Gewinnaussichten für das laufende Jahr gesenkt. Laut Goldman Sachs hängt die Ertragswarnung bei Ford weniger mit den Konjunkturzyklen, sondern vor allem mit unternehmensspezifischen Problemen zusammen. Sinkende Marktanteile und niedrigere Margen im einst besonders profitablen LKW-Bereich sind größtenteils für diese Entwicklung verantwortlich. Um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen und die Krediteinstufung nicht unnötig zu gefährden, wird eine Dividendensenkung kaum zu umgehen sein.

Auch auf der Übernahmefront gibt es am Merger Monday neue Nachrichten. Laut dem Wall Street Journal stellt die Fernsehsparte von General Electric, NBC, derzeit Überlegungen an, den spanischsprachigen Fernsehsender Telemundo Communications zu übernehmen. Laut dem Wall Street Journal verlangen die Besitzer von Telemundo mindestens drei Milliarden Dollar.

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