Warten auf die US-Zinsentscheidung
Republikaner-Wahlsieg stützt Wall Street

Nach dem Sieg der Republikaner bei den Wahlen zum US-Kongress wird an der Wall Street mit Kursgewinnen gerechnet. Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) am Mittwochabend (MEZ) würden die Anleger zunächst allerdings Vorsicht walten lassen, sagten Händler.

Reuters NEW YORK. Der Wahlausgang verschafft der Partei von US-Präsident George W. Bush die Kontrolle über Repräsentantenhaus und Senat. Anleger erwarten deshalb nun steigende Verteidigungsausgaben und niedrigere Steuern, die mit höheren Staatsschulden finanziert werden dürften. "Das ist Musik in den Ohren der Aktienanleger, denn die Wall Street gibt den Republikanern den Vorzug", sagte Sung Won Sohn, Chefvolkswirt der Bank Wells Fargo in Minneapolis. Jim Glassman, Analyst von J.P. Morgan Chase, ergänzte, nach dem Sieg der Republikaner sei mit wachsenden Staatsausgaben zu rechnen, die die schwache Konjunktur ankurbeln sollten. "Das tut den Aktien gut und ist schlecht für Staatsanleihen."

Während die Terminkontrakte auf US-Aktien zulegten, verzeichneten US-Staatsanleihen in Fernost und Europa kräftige Verluste. Der Dollar legte ein halbes Prozent zum Euro zu und drückte die Gemeinschaftswährung unter den Kurs von einem Dollar.

Wichtigstes Ereignis für die Finanzmärkte war am Mittwoch aber weiterhin die für den Abend (MEZ) erwartete Zinsentscheidung der Fed. Eine Senkung des Leitzinsen um 25 Basispunkte galt an den Märkten als sehr sicher, auch wenn der Wahlausgang bei Analysten Zweifel weckte.

Analysten: Pharma- und Verteidigungswerte profitieren

Im US-Kongress wurden am Dienstag alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 34 der 100 Senatoren gewählt. Die Republikaner bauten ihre Dominanz im Repräsentantenhaus aus und sicherten sich auch die Mehrheit im Senat. Die Mehrheit in beiden Kongresskammern stärkt die Position von US-Präsident Bush zum Beispiel in der Frage eines möglichen Irak-Kriegs. Die Republikaner gelten Analysten zufolge außerdem als anlegerfreundlicher als die Demokraten und könnten weitere Steuersenkungen beschließen, um die schwache Konjunktur zu beleben.

Die Futures auf den Standard & Poor's sowie auf den Index der Technologiebörse Nasdaq verzeichneten deutliche Zugewinne. Vor allem Verteidigungs- und Pharmawerte dürften nach Einschätzung von Analysten an der Wall Street Kursgewinne verzeichnen. "Es wird wohl keine Rally des gesamten Marktes geben - aber Pharma- und Verteidigungswerte, die von der Republikaner-Mehrheit profitieren sollten, werden zulegen", sagte John Davidson von PartnerRe Asset Management.

Dollar legt gegenüber Euro und Yen zu

Der Wahlsieg der Republikaner verschaffte dem Dollar deutliche Kursgewinne zu Euro und Yen, wenngleich Analysten bezweifelten, dass die US-Währung auch langfristig vom Machtzuwachs der Republikaner beflügelt werde. Ein nervöser Handel vor dem US-Zinsentscheid begrenzte zudem den Kursanstieg. Der Euro kostete nur noch 0,9960 Dollar nach einem New Yorker Schlusskurs am Dienstag knapp unter einem Dollar.

Wenig Freude über den Wahlsieg kam an den Rentenmärkten auf. Steuersenkungen und wachsende Staatsausgaben lassen einen Anstieg der Staatsverschuldung und damit auch des Angebots an Festverzinslichen erwarten. Die zehnjährige US-Staatsanleihe notierte am Mittwochmorgen in Europa gut einen halben Punkt niedriger bei 101-28/32 Punkten, die Rendite stieg um sechs Basispunkte auf 4,14 Prozent.

Der weitere Handelsverlauf werde auch hier vom Warten auf die US-Zinsentscheidung dominiert, sagten Händler. An den US-Märkten war die Überzeugung, dass die Fed um 20.15 Uhr MEZ eine Zinssenkung verkünden wird, schon am Dienstag etwas ins Wanken geraten. Grund waren Konjunkturdaten zum Dienstleistungssektor, die nicht so schwach wie erwartet ausgefallen waren. Auch das Wahlergebnis ließ Zweifel aufkommen: "Nach dem Sieg der Republikaner muss die Fed entscheiden, ob eine Zinssenkung angebracht ist, wenn der Kongress womöglich Steuersenkungen zur Belebung der Konjunktur beschließen wird", sagte Marc Ostwald, Rentenbroker von Monument Derivatives in London. Die Fed hatte im vergangenen Jahr in einer aggressiven Senkungsrunde den US-Leitzins auf 1,75 Prozent, den niedrigsten Stand seit 40 Jahren, reduziert und seitdem die Zinsen unverändert gelassen.

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