Warten auf Greenspan-Rede
Euro in engen Kursspannen

Der Euro hat sich im europäischen Handel am Dienstag in Erwartung von Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan in engen Kursspannen bewegt. "Neben dem sowieso vorherrschenden Sommerloch hat sich vor der Rede Greenspans eine abwartende Haltung am Markt breit gemacht", sagte Analyst Ulrich Wortberg von der DG Bank in Frankfurt.

Reuters FRANKFURT. Bereits seit Wochen seien die Umsätze gering, fügte er hinzu. Händler erwarten von den Worten Greenspan Aufschluss darüber, ob die US-Notenbank nach ihren sechs Zinssenkungen noch einmal die Geldpolitik lockern wird, um die schwache US-Konjunktur zu stützen. Die Krise in Argentinien habe keinen Einfluss mehr auf den Handel.

Ein Euro kostete gegen 12.00 Uhr MESZ mit 0,8512/17 $ etwas weniger als am Vorabend in New York mit zuletzt 0,8528 $. Der Dollar notierte bei 125,51/56 Yen nach 125,47 Yen zu Handelsschluss in New York. Die Gemeinschaftswährung wurde bei 106,86/87 (107,03) Yen gehandelt.

Vor der Rede Greenspans am Mittwoch um 16.00 Uhr MESZ vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses sei der Markt noch vorsichtig mit seinen Einschätzungen über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank. Es sei noch nicht sicher, ob man nach den sechs Zinssenkungen in diesem Jahr eine weitere geldpolitische Lockerung erwarten könne, sagten Händler. Deshalb achte man besonders aufmerksam auf die Äußerungen des Notenbank-Chefs.

Keine Zinssenkung erwartet

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die meisten Analysten keine Zinssenkung am Donnerstag. Bundesbankpräsident Ernst Welteke sagte am Montag: "Es ist richtiger, wo eine neue Notenbank Vertrauenskapital aufbauen muss, keine Hektik an den Tag zu legen." EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte nach der vergangenen Ratssitzung gesagt, die Zinsen in der Euro-Zone seien "für einige Zeit" angemessen.

Die Krise in Argentinien habe keine Bedeutung mehr für den Devisenmarkt sagten Händler. DG-Bank-Analyst Wortberg verwies darauf, dass sich die Lage in dem südamerikanischen Land stabilisiert habe. Die peronistische Opposition in Argentinien erklärte sich in der Nacht zum Dienstag bereit, den Sparkurs von Präsident Fernando de la Rua zu unterstützen. Die Regierung will die Neuverschuldung in diesem Jahr auf Null reduzieren, um das Vertrauen der Anleger in die Zahlungsfähigkeit des Staates wiederzugewinnen.

Am Dienstag soll eine Vereinbarung unterzeichnet werden, derzufolge die 14 oppositionellen Provinzgouverneure ebenso wie die Gouverneure der Regierungsallianz sich dazu verpflichten, ihre jeweiligen Haushaltsdefizite auf Null zu bringen. In der vergangenen Woche war es zu Verlusten an den Finanzmärkten vor allem von Schwellenländern gekommen, nachdem Argentinien bei der Aufnahme neuer Staatsschulden die höchsten Zinsen seit 1996 zahlen musste.

Yen unter Druck

"Die Krise in Argentinien war in der vergangenen Woche ein Sondereinfluss, der den Euro gestützt hat", sagte Wortberg. Nun stelle sich aber die Frage, ob die Gemeinschaftswährung wirklich ihren Abwärtstrend durchbrochen habe. "Aus technischer Sicht kann man die Lage noch nicht so positiv betrachten", sagte Wortberg. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung rund ein Zehntel ihres Wertes zum Dollar eingebüßt.

Der Yen sei wegen erneuerter politischer Forderungen nach einer weiteren geldpolitischen Lockerung der Bank von Japan (BoJ) unter Druck geraten, sagten Händler. Finanzminister Masajuro Shiokawa sagte, er wolle die Währungshüter an ihre Möglichkeiten erinnern, rückläufige Preise zu vermeiden. In Japan herrscht Deflation. Wirtschaftsminister Heizo Takenaka betonte, die Geldpolitik könne mehr tun, um die Konjunktur zu stützen.

BoJ-Chef Masaru Hayami konterte aber, die BoJ sehe derzeit keine Notwendigkeit einer weiteren Lockerung. Seit März betreibt sie faktisch eine Nullzinspolitik und steuert die Geldpolitik über die auf fünf Billionen Yen festgesetzten Guthaben der Banken bei der Zentralbank. Erst am vergangenen Freitag hatte die BoJ ihre jetzige Geldpolitik bestätigt.

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