Archiv
Warten auf Greenspan

Gespannt wartet die Wall Street auf die Rede von Notenbank-Chef Alan Greenspan. Der Häuptling der US-Leitzinsen wird heute vor dem Finanzausschuss in Washington den zweiten Teil seines halbjährlichen Rechenschaftsberichts zum Stand der Konjunktur und Geldpolitik ablegen. Greenspan hatte in seiner Rede in der vergangenen Woche weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen.

Der künftige Konjunkturverlauf sei nach wie vor nicht genau zu prognostizieren. Doch nicht nur Greenspans Rede dürfte die Märkte heute bewegen. Die neuesten Quartalsergebnisse sorgen für gemischte Impulse. Gemischt dürften auch die Märkte in den Handel starten. Während der S&P 500 Futures auf einen gut behaupteten Handelstart hindeutet, zeigt der Eröffnungsindikator der Nasdaq leicht ins Minus. Vor allem die eher trüben Aussichten auf dem Telekommunikationssektor dürften das Segment am Morgen Punkte kosten.

Lucent Technologies ist vorbörslich das am meisten gehandelte Papier und büßt über sieben Prozent an Wert ein. Für den größten US-Hersteller von Telekom-Technologie geht es tiefer in die Verlustzone. Im dritten Quartal erwirtschaftete Lucent einen Verlust von 95 Cents pro Aktie. Der Verlust vor außerordentlichen Kosten fiel mit 35 Cents pro Aktie 14 Cents höher als erwartet aus. Der Umsatz ging um 1,6 Milliarden Dollar auf 5,82 Milliarden Dollar zurück. Dividendenzahlungen wird es für Lucent-Aktionäre vorerst nicht geben. Umstrukturierungskosten von 1,2 Milliarden Dollar und außerordentliche Kosten von sieben bis neun Milliarden Dollar werden das laufende Quartal belasten. Das Unternehmen will 15 000 bis 20 000 Stellen abbauen. Das Management ist jedoch optimistisch und plant im Fiskaljahr 2002 wieder die Gewinnzone zu erreichen.

Auch Nextel, der fünftgrößte Mobilfunkbetreiber in den USA, baute im zweiten Quartal den Verlust auf 56 Cents pro Aktie aus und erwirtschaftete einen höheren Fehlbetrag als von Analysten erwartet. Das Unternehmen steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um ein Drittel auf 1,88 Milliarden Dollar. Nextel konnte im zweiten Quartal 490.000 neue Abonnenten gewinnen. Im Sog von Lucent Technologies rutscht die Aktie vorbörslich ebenfalls ins Minus.

Auch AT&T steht am Morgen auf der Verliererseite. Der Gewinn ging im vergangenen Quartal um satte 91 Prozent zurück. Der Telekommunikationsriese wies lediglich einen Ergebnis von vier Cents pro Aktie aus. Der harte Wettbewerb und der scharfe Preiskampf im Bereich der Ferngespräche sind der Grund für das enttäuschende Quartalsergebnis, erklärt das Management. AT&T verliert im außerbörslichen Handel über zwei Prozent. Die schlechten Nachrichten ziehen Worldcom mit ins negative Terrain.

Ein kühler Wind weht am Morgen im Internetsektor. Amazons Management kündigte an, dass das Unternehmen die Umsatzerwartungen für das dritte und vierte Quartal voraussichtlich verfehlen wird. Die Aktie von Amazon gehört vorbörslich zu den am meisten gehandelten Aktien und verliert über acht Prozent. Der Online-Shop hat am Montag nach Börsenschluss gute Zahlen für das vergangene Quartal ausgewiesen. Der Verlust fiel mit 17 Cents pro Aktie um fünf Cents geringeren aus als von den Analysten erwartet. Zwar konnte Amazon den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 668 Millionen Dollar gesteigert, doch gingen die Einnahmen im Vergleich zum ersten Quartal 2001 zurück. Bei solch trüben Prognosen war die Freude der Marktteilnehmer über die engere Zusammenarbeit von Amazon und AOL Time Warner begrenzt. Die Unternehmen hatten nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse bekannt gegeben, dass AOL 100 Millionen Dollar in Amazon investieren wird. Doch der Aktie von Amazon nützt das am Morgen wenig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%