Warten auf positive Impulse
Dax bricht ein - Verkaufspanik am Neuen Markt

Gewinnwarnungen einiger US-Technologiefirmen sowie rückläufige Konjunkturaussichten in Deutschland haben nach Angaben von Börsianern am Dienstag die deutschen Börsen belastet und am Neuen Markt regelrechte Panikverkäufe ausgelöst.

Reuters FRANKFURT. Ein Händler sagte, angesichts der offenbar düstereren Konjunkturaussichten wiege nun jede negative Nachricht von Unternehmen doppelt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) weitete im Sog schwacher US-Börsen am Nachmittag seine Verluste aus und fiel um 2,7 % auf 5 605 Punkte.

Während bei den Standardwerten Verluste bei Technologiewerten und den Finanztiteln das Bild prägten, brach nach Angaben von Händlern am Neuen Markt regelrechte "Panik" aus. Der Blue-Chip-Index Nemax-50 stürzte erstmals unter die Marke von 1400 Punkten ab und notierte am späten Nachmittag bei 1 307 Zählern um mehr als 8 % im Minus. Nach den Gewinnwarnungen und der Ankündigung von Stellenstreichungen einiger Unternehmen in den USA sei der Trend am Markt nicht verwunderlich, sagte Rene Gorodsinsky, Händler bei der Baden Bank. -Württembergischen "Dass die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum rückläufig sind, kommt noch dazu, da wiegt jede Nachricht doppelt." Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" vom Dienstag derzeit nur noch mit einem Wachstum von gut zwei %. Die Institute wiesen den Bericht allerdings als Spekulation zurück. Ursprünglich hatten sie für 2001 einen Zuwachs von 2,7 % erwartet.

Der  Handelsblatt-Frühindikator hat nach kurzer Unterbrechung im Vormonat seinen Abwärtskurs im April weiter fortgesetzt. Mit 2,1 % nach revidierten 2,2 % in den beiden Vormonaten in Folge korrigierter Ausgangsdaten der amtlichen Statistik liegt der von dem Indikator angezeigte Wachstumstrend um mehr als einen Prozentpunkt unter seinem letzten Höchststand vom Oktober. Auch das Konjunkturbarometer für Ostdeutschland gab im April von 3,1 % auf 2,9 % nach. Damit dürfte sich die Konjunkturabkühlung bis in die zweite Jahreshälfte hineinziehen. Derzeit nähert sich das deutsche Wachstum dem Niveau im Durchschnitt der 80er-Jahre an.

US-Aktienmärkte knüpfen an Abwärtstrend an

Ein anderer Händler sagte, die Angst am Markt vor einem weiteren Rückschlag sei groß. "Wir brauchen positive Impulse, alle halten die Füße unter dem Tisch und warten auf die weitere Entwicklung in den USA." Dort knüpften die Aktienmärkte am Dienstag an ihre Abwärtsbewegung vom Montag an. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn notierte der Standardwerte-Index Dow Jones mit einem Verlust von 1,3 % bei 9 645 Zählern, während der technologielastige Nasdaq-Index um mehr als drei % auf 1 728 Punkte fiel. Am Vortag hatten die Aktien in den USA im Sog einer Gewinnwarnung des Finanzdienstleisters American Express und unter dem Eindruck der steigenden Spannungen zwischen den USA und China schwächer geschlossen. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index beendete den Handel auf dem tiefsten Stand seit Oktober 1998. Nach US-Börsenschluss hatten mehrere Technologiefirmen, darunter der französische Telekomausrüster Alcatel und der US-Softwarehersteller und SAP-Konkurrent Ariba den Abbau von Stellen angekündigt. Ariba kündigte zudem für das zweite Quartal ein deutlich schlechteres Ergebnis als von Analysten erwartet an.

Als Folge führten im deutschen Aktienhandel die Aktien von SAP am Nachmittag die Liste der Verlierer im Dax an. SAP hält nach Angaben eines Sprechers trotz der Warnungen von US-Konkurrenten weiterhin an seinen Umsatz- und Ergebniszielen für das erste Halbjahr festhält. Die Aktien des Walldorfer Softwarekonzerns stürzten um mehr als neun % auf 112,50 Euro und damit auf ihr niedrigstes Niveau seit Sommer 1999. Händler verwiesen neben der Gewinnwarnung von Ariba auf eine Herabstufung durch die Investmentbank Merrill Lynch. Die Aktien von Siemens, Infineon und Epcos fielen um 3,5 bis fünf %, was Börsianer auch auf ein deutliches Minus des Halbleiterindexes der Börse in Philadelphia zurückführten. Das Börsenbarometer für Halbleiterwerte war am Montag um rund 7,7 % gefallen.

Finanzwerte litten unter Abschlägen

Die Finanzwerte im Dax litten am Dienstag erneut unter Abschlägen, was Marktteilnehmer auf weitere Gewinnmitnahmen zurückführten, nachdem die Anteilsscheine nach Bekanntwerden der geplanten Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz vergangene Woche stark zugelegt hatte. Die Aktien von Allianz büßten mehr als 5 % ein, die Anteile der Dresdner und Deutschen Bank fielen um jeweils 3,5 %. "Sobald man die Details der Übernahme durchschauen kann, werden die Titel auch wieder anziehen", sagte Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust. Auch die Aktien von Lufthansa verbuchten zeitweilig kräftige Kursverluste, nachdem die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Tarifverhandlungen für die Piloten für gescheitert erklärt und Urabstimmungen über einen Streik angekündigt hatte. "Bei der Lufthansa enttäuscht, dass der Tarifabschluss geplatzt ist, dass es nicht vorwärts geht", sagte ein Händler. Damit sei nicht kalkulierbar, welche weitere Kosten auf die Gesellschaft zukämen. Die Aktien der Fluggesellschaft verloren zeitweise um mehr als fünf % auf ein 18-Monats-Tief bei 18,91 Euro. Am späten Nachmittag notierten die Papiere mit einem Abschlag von 1 % bei 19,85 Euro.

Auf der Gewinnerseite standen mit Kursgewinnen bis zu 3 % die Aktien von Metro, Schering und Degussa, was Börsianer mit Umschichtungen in diese weniger schwankungsanfälligen Werte begründeten.



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