Warten auf Raul
Spanien will Fußball-Revolution niederschlagen

"Wir werden zeigen, dass der spanische Fußball besser ist als der koreanische", kündigte Mittelfeldspieler Ruben Baraja vor dem Viertelfinale am Samstag gegen den Gastgeber an. So ähnlich haben bei dieser WM auch schon andere gedacht. Südkoreas Coach Guus Hiddink stapelt derweil tief: "Spanien ist der große Favorit."

dpa GWANJGJU. Durch Südkoreas "Rote Teufel" ist die Fußball-Welt aus den Fugen geraten, durch Spanien soll sie wieder zurecht gerückt werden. Ob mit Raul oder ohne, ob bei 30 Grad oder mehr, ob gegen den Willen der 43 076 Fans im ausverkauften World Cup Stadium von Gwangju oder 45 Millionen Menschen in ganz Südkorea. "Wir werden zeigen, dass der spanische Fußball besser ist als der koreanische", kündigte Mittelfeldspieler Ruben Baraja vor dem WM- Viertelfinale am Samstag (8.30 Uhr/MESZ) gegen die Gastgeber an. Alle Spieler der "Seleccion" sind überzeugt, dass Spanien bei dieser Endrunde zum zweiten Mal nach 1950 zu den besten vier Fußball- Mannschaften der Welt gehören wird.

Doch auch die Koreaner wollen die Geschichte fortschreiben. In Gwangju im Süden des Landes, von wo vor 22 Jahren der Aufstand gegen das Militärregime ausging, hoffen die Menschen auf eine Fußball- Revolution. Bis zu dieser Endrunde hatte Südkorea noch kein WM-Spiel gewonnen, auch nicht gegen Spanien. Bei der WM 1990 in Italien setzte es eine 1:3-Niederlage, 1994 in den USA gab es ein 2:2. Im dritten Anlauf kann der Favoritenschreck nun von der Unterstützung seiner gefürchteten Fans profitieren. "Spanien ist der große Favorit", erklärte Trainer und Spanien-Kenner Guus Hiddink. "Doch wir werden wieder offensiv spielen, für uns und unsere Fans."

Mit Argusaugen beobachteten die koreanischen Späher am Freitag das Abschlusstraining der Spanier. Was sie sahen, dürfte ihnen nicht viel Aufschluss über die Frage aller Fragen gegeben haben: Spielt Raul oder spielt er nicht? Der Stürmer-Star von Real Madrid absolvierte erstmals seit dem Achtelfinale gegen Irland ein leichtes Training. Während seine Kollegen im abschließenden Spiel einen Platz für Raul frei hielten, testete der 24-Jährige seinen rechten Oberschenkel, machte ein paar Sprints und Torschüsse und verließ den Trainingsplatz mit einem unverbindlichen Lächeln.

Während sich Raul und Trainer José Antonio Camacho in Schweigen hüllten, sprach der Doktor. "Er ist in der Lage zu spielen, es hängt ganz von ihm ab. Sicher reicht es noch nicht für 90 Minuten", sagte Genaro Borras. Camacho hatte im Laufe der Woche angekündigt: "Raul spielt nur, wenn er hundertprozentig fit ist." Am liebsten würde er seinen Star schonen. Doch wer weiß, ob es überhaupt noch ein nächstes Spiel bei dieser WM für Spanien geben wird.

Hiddink kennt Raul noch aus seiner Zeit als Trainer von Real Madrid. "Er ist ein Spieler mit großer Klasse und Erfahrung", preist der Niederländer den Stürmer. Für seine "Korean Fighter" befürchtet Hiddink, dass das Team bei erwarteten 30 Grad seine Trumpfkarte Physis nicht wie gewohnt ausspielen kann: "Wir hatten zwei Tage weniger Zeit als die Spanier, uns vom Kräfte zehrenden Achtelfinale zu erholen. In so einem Turnier kann das entscheidend sein."

Hiddinks Spieler sind indes wild entschlossen, ihm das Gegenteil zu beweisen. Nam-Il Kim spielt trotz verletztem Knöchel, Tae-Young Kim läuft mit gebrochener Nase auf. Das Andenken aus dem Italien- Spiel wird von einer Maske geschützt, wie sie der Japaner Tsuneyasu Miyamoto trug. Dafür wurden Spezialisten aus dem Nachbarland eingeflogen, die dem Verteidiger nun gleichfalls ein Furcht erregendes Antlitz verschafften.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%