Wartungsmängel und Nachlässigkeit bei Air France kritisiert
Concorde-Bericht: Kettenreaktion als Unglücksursache bestätigt

Der Abschlussbericht zum Concorde-Absturz bei Paris im Juli 2000 bestätigt eine verhängnisvolle Kettenreaktion als Unglücksursache. Eineinhalb Jahre nach der Katastrophe legten die Ermittler der Untersuchungsbehörde BEA am Mittwoch in Paris ihren endgültigen Bericht vor.

afp PARIS. Darin kritisieren sie Wartungsmängel und Nachlässigkeiten bei Air France, die sie allerdings nicht für den Absturz verantwortlich machen. Sie bestätigten, dass die Kettenreaktion durch einen gut 40 Zentimeter langen Metallstreifen auf der Startbahn ausgelöst wurde, der von einer kurz zuvor gestarteten DC-10 der US-Fluggesellschaft Continental Airlines stammte.

Die Unglücksmaschine war dem BEA-Bericht zufolge beim Start eine Tonne zu schwer, weil sie übertankt wurde. Außerdem startete sie bei leichtem Rückenwind, obwohl sie gegen den Wind hätte starten sollen. Die Concorde-Techniker versäumten es zudem, am Fahrwerk der Maschine einen Abstandshalter wieder einzusetzen. Schließlich sei die Fluglizenz des Bordingenieurs mehrere Tage vor dem Unglück abgelaufen. Alle diese Mängel waren nach Einschätzung der BEA-Ermittler nicht für das Unglück verantwortlich, hätten aber nicht auftreten dürfen.

Der mehrere hundert Seiten umfassende BEA-Bericht bestätigt, dass die Air-France-Concorde beim Start über den Metallstreifen raste, woraufhin ein Reifen platzte, dessen Fetzen in die Tragflächen einschlugen. Im Tank entstand eine Schockwelle, die ihn zum Bersten brachte; das austretende Kerosin geriet in Brand, was zum Absturz der Concorde führte.

Die BEA-Ermittler empfahlen eine Überprüfung des Concorde-Betriebes durch die französische Zivil-Luftfahrtbehörde DGAC. Zudem sollten die Triebwerks-Daten durch Air France besser überwacht und registriert werden. Ganz allgemein seien in der internationalen Luftfahrt verschärfte Bestimmungen zu den Reifen und Treibstoffbehältern sowie eine genauere Überprüfung der Pisten erforderlich. Außerdem müsse der Concorde-Pilot über eine Videoeinrichtung die Möglichkeit erhalten, die bislang aus seiner Position verborgenen Teile der Maschine einzusehen.

113 Menschen, unter ihnen 97 Deutsche, waren am 25. Juli 2000 ums Leben gekommen, als das Überschallflugzeug kurz nach dem Start im Pariser Vorort Gonesse in ein Hotel stürzte. Die Concorde ist seit Anfang November nach erheblichen technischen Veränderungen für Air France und British Airways wieder auf den Transatlantik-Routen Paris-New York und London-New York im Linienverkehr in Betrieb.

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