Warum der finnische Sportartikelhersteller Amer beim Volvo Ocean Race gerne verliert
Die Letzten werden die Frauen sein

Das einzige Frauenteam beim Segel-Marathon namens Volvo Ocean Race erreicht stets mit großer Verspätung die Häfen. Dennoch ist den krassen Außenseitern das Interesse der Öffentlichkeit gewiss.

MIAMI. Fünf Etappen gesegelt, immer Letzter. Die Bilanz der 13 Frauen, die seit September 2001 mit der Yacht "Amer Sports too" beim Volvo Ocean Race teilnehmen, ist frustrierend. Der Geschlechterkampf bei einem der härtesten Segelrennen der Welt, der zunächst als reiner Marketinggag der Sponsoren bezeichnet wurde, entwickelt sich mehr und mehr zum sportlichen Kräftemessen. Für Skipperin Lisa McDonald ist zwar klar, dass die Männer körperliche Vorteile haben, aber sie sei angetreten, um der Welt zu zeigen, dass sie eine Chance haben: "Wir gleichen die Vorteile der Männer durch Intuition und Cleverness aus."

Was sie damit meint, zeigt die Rennstatistik. Immer auf der Suche nach dem besten Wind, nimmt sie schon mal einen Umweg in Kauf, in der Hoffnung schneller zu sein. Im letzten Rennen waren die Frauen fast drei Knoten schneller als die "Amer Sports one". Auf der jüngsten Etappe von Rio de Janeiro nach Miami sah es lange Zeit so aus, als würde die Frauencrew zum ersten Mal nicht erst Stunden nach den Männerteams im Hafen einlaufen.

Letztlich aber stoppte die Technik die Außenseiter. "Zunächst fiel an einem der heißesten Tage der Wasseraufbereiter aus, und dann gab auch noch der Generator seinen Geist auf", berichtete die Australierin Emma Westmacott. Ohne Generator jedoch funktioniert fast nichts an Bord der High-Tech-Yacht. Trotzdem kämpfte das Team unter den widrigen Bedingungen bis zur totalen Erschöpfung. Vergeblich - wieder stand der letzte Platz zu Buche.

Irgendwie stand das Unternehmen Volvo Ocean Race für die Frauen von Beginn an unter einem schlechten Stern. Fast kein Training, wenig Erfahrung, dafür aber alle top-motiviert: Beste Voraussetzungen für ein Abenteuer, aber nicht für einen Wettbewerb, bei dem es um 20 Millionen Euro Sponsorengeld geht. Roger Talermo, Chef des finnischen Sportartikelherstellers Amer, macht dem von ihm bezahlten Team keinen Vorwurf. Im Gegenteil, es könnte fast nicht besser laufen. "Die Frauen bekommen mehr Aufmerksamkeit als jedes andere Team."

Talermo ist sich sicher, dass sich das Investment spätestens ab Miami auszahlt. "Die Frauen haben viel gelernt. Eigentlich fängt das Rennen für uns jetzt erst an, denn die restlichen Etappen finden hauptsächlich in der nördlichen Hemisphäre statt - dort, wo sich auch unsere wichtigsten Märkte befinden." Nicht nur in Florida holte Amer Geschäftspartner und Händler ins Boot, die mit der Crew eine Runde auf dem Atlantik drehen durften und sich ein Basketballspiel der Miami Heat anschauten. Sportpromis waren ebenfalls dabei, so die beiden Amer-Vertragspartner Stefan Eberharter (Ski alpin) und Serena Williams (Tennis).

Mit der 30-jährigen Lisa McDonald hat sich Talermo übrigens nicht nur die weltbeste Skipperin auf sein Boot geholt, sondern auch einen Profi, der das Boot wie ein Unternehmen führt. "Ich bin in unserer kleinen Firma der Chef, treffe die Entscheidungen, die nicht immer richtig sein müssen und bin dafür verantwortlich, dass jeder auf dem Boot seinen Job so gut wie möglich macht. Der einzige Unterschied zu anderen Unternehmen ist, dass wir ein schwimmendes Büro haben."

Und noch eine Gemeinsamkeit hat die Skipperin der "Amer Sports too" mit anderen Karrierefrauen: Sie führt eine Art Wochenendbeziehung. Ihren Mann sieht sie nur während der Aufenthalte in den Häfen. Neal McDonald ist Skipper der im Gesamtklassement zweitplatzierten "Assa Abloy". Lisa McDonald weiß, dass es auf See kein Privatleben gibt. "Während der Rennen haben wir keinen Kontakt. Wer aber eine Etappe gewinnt, muss ein Essen zahlen." Bislang eine einseitige Wette im Hause McDonald. Das soll sich bald ändern. "Bis jetzt haben uns die Männer uns gut unterstützt, wir waren ja auch nie eine Gefahr für sie. Aber inzwischen spüren wir, dass sie nervös werden. Und die Etappen werden kürzer. Das kommt uns entgegen", glaubte die Frontfrau der Außenseiter-Crew vor der neuen Etappe, die am Sonntag in Miami begann und nach Baltimore führt. Nach gutem Start fiel die "Amer Sports Too" gestern wieder zurück.

Würden die Frauen bei den nächsten Etappen (Zielhafen ist Kiel am 9. Juni) ein Männer-Team hinter sich lassen, hätten die Medien ihre Story. Die Amer-Presseabteilung könnte noch mehr Zeitungsartikel ausschneiden und Talermos Einschätzung des "ungeplanten Zusatznutzens" bestätigen. Jeder Mosaikstein soll dazu beitragen, den tatsächlichen Wert des 20 Millionen-Euro-Investments für zwei Amer-Boote zu beurteilen.

Bei Amer glauben sie fest daran, dass es sich lohnt. Und doch bleiben ein paar Zweifel an der Wirkung der Werbung. Die Letzten werden die Frauen sein - auch eine Art von Reklame.

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