Warum die Berliner Eisbären in den DEL-Endspielen gegen die Frankfurt Lions in Rückstand geraten sind
Der Favorit ist nur noch Außenseiter

Es wurde geflucht, geheult und vieles in Frage gestellt. Der traurige Charme, der im Sport Verlierer umgarnt, bestimmte am Montag im Berliner Sportforum Hohenschönhausen die Szenerie auf den Tribünen. Für die Fans der Eisbären war die Katastrophe perfekt.

BERLIN. "Die werden niemals Meister", war von den Berliner Anhängern zu hören. Sie sind am Montag nicht Deutscher Eishockey-Meister geworden, die Spieler vom EHC Eisbären. Das stimmt. Aber, und das wurde in der allgemeiner Berliner Niedergeschlagenheit übersehen: Die Frankfurt Lions sind es auch noch nicht, trotz ihres 4:3-Sieges nach Verlängerung. Es gilt in der Finalserie der Modus "Best of five", drei Siege benötigt eine Mannschaft zum Titelgewinn. Die Lions haben nun zwei, die Eisbären nur einen. Und natürlich, Freitag können die Frankfurter im Heimspiel den Titel holen.

Das ist bitter für die Berliner. Am Montag ist ein Rollentausch passiert. Der Favorit Eisbären ist zum Außenseiter geworden in der Finalserie. Wie konnte es dazu kommen, gerade nach dem souveränen 5:2-Sieg im ersten Spiel gegen Frankfurt? Schon am Sonnabend deutete sich das Problem der Berliner an. Sie waren erschrocken darüber, wie entschlossen die Hessen beim zweiten Spiel in Frankfurt um ihre Chance kämpften. Ehe sich die Eisbären versahen, stand es 3:1 für Frankfurt Es war ein Rückschlag, von dem sich die Berliner nicht erholten. Ein vom Spielverlauf anderes, aber von der Psychologie her ähnliches Szenario ließ sich im dritten Spiel beobachten. Zuerst verspielten die Eisbären eine 2:0-Führung, dann reichte ein 3:2 nicht aus, um das Spiel zu gewinnen.

Die stärkeren Nerven hatten die körperlich robuster agierenden Frankfurter. Beim Favoriten setzte in den kritischen Situationen kollektives Nervenflattern ein. Individuelle Fehler häuften sich, für eine Fehlerkorrektur fühlten sich wenige Spieler verantwortlich. Schwere Beine, schwerer Kopf - die Berliner hatten vergessen, wie souverän und spielerisch ansprechend sie in ihren ersten acht Play-off-Spielen zu acht Siegen gekommen sind. Ihre Überlegenheit konnten sie nicht nutzen, sie vergaben viele ihrer guten Torchancen kläglich.

Allerdings: Die Eisbären haben bislang nur ihre Favoritenrolle verspielt. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, dessen waren sie sich selbst beim neuen Favoriten bewusst. "Wir haben keinen Vorteil am Freitag", sagte Frankfurts Trainer Rich Chernomaz. Denn wer zu früh feiert, der kann schnell am Ende aller Träume sein. Den Hamburg Freezers erging es im Halbfinale dieser Play-offs so: Mit 2:1-Siegen führten sie gegen Frankfurt, am Ende setzten sich die Lions durch.

Die Eisbären haben auch noch das Problem, dass in verfrühten Abgesängen die Parallele zur vergangenen Saison gesucht wird. Damals sind die Berliner im Halbfinale ausgeschieden, nach einer 1:0-Führung gegen Krefeld. Pierre Pagé möchte nichts davon hören. "Wir leben nicht in der Vergangenheit", sagt der Eisbären-Trainer. "Wichtig ist nur, was am Freitag in Frankfurt passiert." Dann könnten die Fans der Lions den Titel bejubeln und die Anhänger der Eisbären trauern. Oder auch nicht.

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