Warum die hohen Einkommen von Fußballprofis rational und logisch sind
Der Superstar-Effekt fehlt im Krankenhaus

Im Fußball verdienten die Spieler absurde Gehälter, die in keinem Verhältnis zu den Einkommen von Krankenschwestern stünden, hatte unlängst der Fußballprofi Marco Bode erklärt. Zustimmung war ihm gewiss - sogar vom Bundesinnenminister.

HAMBURG. Dabei sind die Spielergehälter durchaus rational und logisch: Der Marktwert der Leistung eines jeden Anbieters bemisst sich nach der Anzahl der Nachfrager multipliziert mit deren Zahlungsbereitschaft. Um von diesen Umsatzerlösen zum Einkommen zu gelangen, sind noch die Kosten der Produktion abzuziehen. Im Fußball ist die Zahl der Nachfrager hoch und trifft auf nur wenige Leistungsersteller: Es bedarf nur 22 Akteure, um die Unterhaltungsbedürfnisse von Millionen Menschen zu befriedigen. Zudem verteilt sich das Zuschauerinteresse nicht gleichmäßig auf die Akteure.

Oft ist der Einsatz eines einzelnen Stars entscheidend für die Zuschauerzahlen. Ähnlich wie in der Software- und Kinoindustrie sowie im Investment-Banking: Auch dort konzentriert sich die Nachfrage auf wenige Spitzenkräfte. Was die Zahlungsbereitschaft für Sport als zweite Komponente betrifft, so drückt sich diese in Deutschland vor allem indirekt über die Zahlungsbereitschaft der Fernsehanstalten für die Übertragungsrechte aus. Diese hängt wiederum davon ab, inwieweit das TV diese Ausgaben über den Verkauf von Werbezeiten bei Sportübertragungen finanzieren kann. Das bedeutet: Spitzenfußballer werden nicht für ihre Fähigkeit bezahlt, Tore zu schießen, sondern für ihre Rolle als Zuschauerkontaktproduzent und Imagetransferträger für Markenartikler.

Die Konzentration auf die Spitzenkönner führt dazu, dass Menge und Zahlungsbereitschaft der Sportfans überproportional zum sportlichen Können der Athleten steigen - der "Superstar-Effekt". Damit löst sich auch der Widerspruch zwischen den Einkommen von Fußballern und Krankenschwestern auf. Natürlich ist der Wert der Tätigkeit der Krankenschwester höher als derjenigen eines Fußballspielers. Der Unterschied liegt vor allem im Massenproduktionseffekt: die Krankenschwester kann in der Regel zu jeder Zeit nur einem Nachfrager dienen.

______________

Der Autor ist Ruder-Olympiasieger und Professor für Volkswirtschaftslehre in Hamburg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%