Warum die Rückholaktion der Österreicher nur geringe Aussicht auf Erfolg hat
Gericom hat an der Wiener Börse nichts zu suchen

Das Ansinnen mag berechtigt sein, die Chancen sind gering: Die Wiener Börse möchte etliche Small-Caps, die in den fetten Börsenjahren 1999 und 2000 mangels heimischer Alternative an die europäischen Wachstumsmärkte gegangen sind, mit einem breit angelegten Aktionsplan zurückholen.

FRANKFURT/M. Vor allem von der Nasdaq Europe gibt es bereits reumütige Rückkehrer: Der Autotextil-Hersteller Eybl gehört dazu, ebenso der Netzwerk-Ausrüster Topcall und der IT-Dienstleister S&T System Integration and Technology Distribution. Sie alle fanden in der Zeit in Brüssel bei Großinvestoren nicht das Interesse, das sie sich mit dem Gang auf internationales Parkett erhofft hatten.

Zweifellos sind Eybl, Topcall oder S&T nicht international große Namen, was den Unternehmen selbst den Wechsel an den heimischen Markt wohl erleichtert hat. Vor allem das Investoreninteresse soll sich nun ändern. Frei nach dem alten Motto: Das Gros der Aktionäre wohnt maximal anderthalb Autostunden rund um das Werksgelände, soll der heimische Aktionär wieder stärker umworben werden. Dazu soll auch das ab dem kommenden Jahr geplante Zukunftsvorsorgeprodukt - eine Art österreichische Riester-Rente - beitragen. Fondsgesellschaften oder Versicherungen sollen die Beiträge daraus vor allem an unterentwickelten Kapitalmärkten anlegen. Also am eigenen.

Die Idee vom "Think global - act local" klingt zwar schlüssig, geht aber gerade bei den international bekannten Namen an der Realität vorbei. Beispiel Gericom: Der am Neuen Markt notierte Linzer Notebook-Hersteller ist durch seine Aktionen bei Media Markt, Karstadt oder Lidl hier zu Lande jedem Kind bekannt. Auch die meisten Investoren kommen aus Deutschland. Eine Rückkehr von Gericom an die Wiener Börse hätte also in etwa die Dimension, als würde Nokia sich einzig an der Börse Helsinki listen lassen.

Die Frage eines Börsenplatzes hängt für die Unternehmen vor allem von zwei Faktoren ab: Wo sind ihre Hauptkunden und wo sind ihre Großinvestoren? Meist sind beide in demselben Land, weswegen die Börsenplätze New York, London, Tokio, Frankfurt und Zürich auch alle namhaften Weltfirmen auf sich vereinen. Im Vergleich: Größter Wert an der Wiener Börse ist der Mineralölkonzern OMV, ein international vergleichsweise kleines Unternehmen mit sehr regionalem Zuschnitt.

Darüber hinaus sind die weltweiten Aktienmärkte zu einem ganz erheblichen Teil von der Wall Street abhängig. Das zeigt sich daran, dass in den europäischen Aktienhandel meist erst zur dortigen Eröffnung gegen 15.30 Uhr hiesiger Zeit Bewegung kommt. Bis dahin ist das Geschehen meist von Orientierungslosigkeit und oft auch gähnender Langeweile geprägt. Und feiert man in den USA wieder mal einen der vielen Bank Holidays wie kürzlich Thanksgiving, dann herrscht an den europäischen Börsen "Ruhetag", weil den Großinvestoren die Orientierung fehlt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%