Warum Familienunternehmer ihre Nachfolge konsequent regeln sollten
Im Schatten der Eichen

Der Übergang war heftig. "Das war hart", räumt Britta Steilmann ein. Es folgt eine Pause, in der ein leiser Seufzer zu vernehmen ist, dann folgt: "Ja, das war ziemlich hart." Pause.

DÜSSELDORF. Britta Steilmann spricht von ihrer Erfahrung im vergangenen Sommer. Da schied sie von einem auf den anderen Tag als Chefin der Textilgruppe Steilmann aus und ging wieder ihre eigenen Wege. Zwei Jahre lang hatte die Powerfrau mit dem langen blonden Haar gekämpft, um das Familienunternehmen aus Wattenscheid wieder auf Kurs zu bringen. Sie krempelte Strukturen um, drückte die Kosten. Und dann wollte sie einen Partner aus Fernost an Bord holen. Die Pläne wurden aber nach ihrem Ausscheiden nicht weiterverfolgt.

Es war das zweite Mal, dass die 38-Jährige das von ihrem Vater Klaus Steilmann gegründete Modeunternehmen verließ. Beim ersten Mal im Streit mit ihrem Vater, beim zweiten Mal "planmäßig", wie sie sagt, nach zwei Jahren. Heute betreibt sie mit ihrer B.S.S.D. GmbH & Co. KG in Ratingen bei Düsseldorf einen Internetshop für Inneneinrichtung und Design - und berät Familienunternehmen, um sie vor Negativerfahrungen zu bewahren.

Der Generationswechsel gehört zu den heikelsten Phasen in Familienunternehmen. Er entscheidet über Erfolg oder Untergang. Oft versäumt es der Gründer, rechtzeitig einen Nachfolger aufzubauen, weil er sein Lebenswerk nicht in andere Hände geben will. Oder der Sohn oder die Tochter sind nicht als Firmenchef geeignet oder haben andere Pläne. Auch externe Manager, die dann einspringen, kommen häufig nicht mit dem Mix aus hohen Erwartungen und Empfindlichkeiten in der Eigentümerfamilie klar.

Altersgründe, Ehescheidung, Streit, Unfall und Krankheit stellen jedes Jahr etwa 70 000 Firmen in Deutschland vor das Problem, einen Nachfolger zu finden. Das hat das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) ausgerechnet. Davon betroffen sind viele Kleinbetriebe, aber auch große Mittelständler. "Pro Jahr müssen etwa 100 Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz einen Nachfolger suchen", schätzt Professor Peter May, Unternehmer und Gründer der Intes-Akademie für Familienunternehmen in Bonn-Bad Godesberg.

Seite 1:

Im Schatten der Eichen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%