"Warum hat er nicht dagegen gestimmt?"
Zwickel unter Druck

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel gerät wegen seines Abstimmungsverhaltens bei der Vergabe einer Millionenabfindung an Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser in den eigenen Reihen unter Druck. Gewerkschaftsfunktionäre halten es für möglich, dass Zwickels Rolle als Aufsichtsratsmitglied von Mannesmann bei der Übernahme durch den britischen Mobilfunkhersteller Vodafone ihn das Amt kosten könnte.

Reuters HAMBURG. Einige Metaller äußern auch die Sorge, dass dies die Gewerkschaft in der im nächsten Jahr anstehenden Tarifrunde schwächen könnte. Zwickel selbst hat einen Rechtsanwalt beauftragt, der seine Interessen in dem Ermittlungsverfahren der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft vertreten soll. Am Montag will er seiner Gewerkschaft außerdem seine Haltung bei der Abstimmung in dem Aufsichtsratsausschuss von Mannesmann erläutern.

Auch wenn einem der mächtigsten Gewerkschaftschefs der Welt juristisch wohl kein Fehlverhalten nachgewiesen werden könne, so habe er doch "moralisch ein Problem", heißt es. Warum hat sich Zwickel bei der Abstimmung über die Esser-Mill. in dem Ausschuss enthalten und nicht dagegen gestimmt?, wird an der Gewerkschaftsbasis gefragt. Zwickel, der in der IG Metall als ehrlicher, manchmal etwas hölzerner Kämpfer für die Arbeitnehmerinteressen gilt, könnte an Ansehen einbüßen.

Nach Darstellung von IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich hatte der damalige Mannesmann-Großaktionär Hutchison Whampoa nach der Übernahmeschlacht mit Vodafone Esser Anfang Februar 2000 rund 30 Mill. DM Anerkennungsprämie für dessen Leistungen versprochen. Später sei die Summe auf rund 60 Mill. DM verdoppelt worden, weil Esser das Geld mit seinem 14-köpfigen Managerteam habe teilen wollen. Der Prämienvorschlag sei vom Vorstand von Vodafone auf den Weg gebracht worden, von dem die Prämie zunächst hätte gezahlt werden sollen. Esser habe aber auf einer Zahlung durch seinen Arbeitgeber Mannesmann bestanden - wohl auch, um damit einen möglicherweise entstehenden Verdacht einer Bestechungszahlung gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Unterschrift belastet

An dem "Deal" sei Zwickel nicht beteiligt gewesen, betonte die IG-Metall-Pressestelle weiter. Bei der Entscheidung des Mannesmann-Ausschusses habe Zwickel nicht zugestimmt, sondern sich enthalten. Nach Ansicht von Juristen, die das Anlegermagazin "Telebörse" zitiert, hat Zwickel damit die Beschlussfähigkeit des Gremiums erst hergestellt und sich "allzu gierigen Vorständen" nicht in den Weg gestellt. Dies könne in dem Verfahrungen als Untreue ausgelegt werden, heißt es.

Für Zündstoff in der Diskussion sorgt ein so genannter Umlaufbeschluss des Ausschusses vom 28. Februar 2000, in dem vermerkt ist, dass Esser eine Sonderprämie von zehn Mill. britischen Pfund erhalten soll. Neben den Unterschriften von Aufsichtsratschef Joachim Funk und Deutsche-Bank- Vorstandsmitglied Josef Ackermann trägt das Papier auch die Zwickels. Allerdings trägt der Beschluss einen Vermerk, demzufolge Zwickel und Konzernbetriebsratschef Ladberg die Höhe der Abfindung an Esser als den Arbeitnehmern "schwer vermittelbar" einstufen und die Entscheidung ausdrücklich nur zur Kenntnis nehmen. Dem ist handschriftlich auch noch hinzugefügt: "Dies meint Stimmenthaltung." Was hat Zwickel aber dazu gebracht, so abzustimmen? fragen Gewerkschafter.

"Schusseligkeit", wie wohlmeinende Metaller dem Gewerkschaftschef angesichts der Vielzahl von Zwickels Aufsichtsratsmandaten zu Gute halten, könne es ja nicht gewesen sein. Der Vermerk lege vielmehr nahe, "dass er das mehr oder weniger mitgetragen hat, und das macht es schwierig", sagt ein Gewerkschaftsmitglied. "Ich glaube schon, dass diese Organisation (die IG Metall) deshalb mit ihm abrechnen wird. Das Irrsinnigste wäre allerdings, mit Blick auf die in zwei Jahren anstehende Nachfolge Zwickels jetzt die Messer zu wetzen.

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