Warum Obama noch lange nicht Präsident ist
Zu früh gefreut

Jubel und Applaus für Barack Obama. Viele Deutsche feiern den Demokraten bereits als nächsten Präsidenten der USA. Doch sie könnten bitter enttäuscht werden. Denn in Amerika weht ein anderer Wind.

DÜSSELDORF. Die Deutschen hat US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama überzeugt. Seine Rede vor 200 000 Zuschauern in Berlin fand ein überaus positives Echo. Auch Politiker zeigten sich gleich reihenweise beeindruckt: „Er ist ein sehr charmanter und zielstrebiger Mann, der eine Vision für Amerika und die ganze Welt hat“, schwärmte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Auch der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber würdigte Obama, der das verkörpere, "wonach sich viele Menschen sehnen: Charisma und Führung".

Die Sehnsucht nach dem guten Amerikaner hat die Deutschen in eine Obama-Euphorie getrieben: Sie malen Plakate mit der Aufschrift „Obama for Kanzler“ und stecken sich Buttons mit dem Slogan „Obama-Party“ ans Hemd.

Doch sprach vor der Berliner Siegessäule in der Abendsonne wirklich schon der 44. Präsident der USA? Angesteckt von der Obamania haben viele Bundesbürger offenbar vergessen, dass nicht hierzulande, sondern in Amerika gewählt wird.

Mit seiner Strahlkraft hat Obama zwar Hillary Clinton weggefegt. Doch dass der noch nicht einmal offiziell nominierte Kandidat der Demokraten auch seinen republikanischen Konkurrenten John McCain am 4. November hinter sich lassen wird, ist keineswegs gewiss.

Aktuelle Umfragen von US-Medien und renommierten Meinungsforschungsinstituten zeigen: John McCain hat Obama in der Wählergunst fast eingeholt. Das Rennen zwischen Demokraten und Republikanern bleibt eng. Obama ist es trotz des Medienhypes um seine Auslandsreise und der momentanen Pechsträhne McCains nicht gelungen, deutlich mehr Amerikaner für sich zu gewinnen.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Gallup-Insituts führt Obama derzeit nur knapp mit 45 zu 43 Prozent. „Obamas Auslandsreise hatte keine nennenswerten Auswirkungen auf die Wählergunst“, stellte Gallup fest. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch CNN. Einer neuesten Umfrage des TV-Senders zufolge liegt Obama lediglich äußerst knapp vor McCain. Demnach würden derzeit 44 Prozent für Obama stimmen, 41 Prozent für McCain. Der Anteil der unentschiedenen Wähler sei mit 15 Prozent weiterhin sehr hoch, berichtete der Sender.

Andere Erhebungen wie die von NBC News und dem Wall Street Journal sehen Obama zwar mit 47 Prozent sechs Punkte vor McCain. Doch trotz seines Vorsprungs hielten 55 Prozent der Befragten Obama für den risikoreicheren Bewerber für das Amt des Präsidenten.

Zudem verliert Obama in den für die Wahl wichtigen Schlüsselstaaten: So hat er seine knappe Führung in Colorado eingebüßt und liegt jetzt mit 44 Prozent gar hinter McCain (46 Prozent). In Minnesota kann Obama seinen Vorsprung noch verteidigen, hat aber auch hier in den vergangenen Monaten gleich acht Prozentpunkte verloren.

Seite 1:

Zu früh gefreut

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%