Warum Pay-TV scheitern muss
Kommentar: Planwirtschaft Fußball

Der heroische Kampf der Politiker um den kostenlosen Fußball-Konsum im Fernsehen fordert zwei prominente Opfer: Leo Kirch und die freie Marktwirtschaft.

DÜSSELDORF. Saisonrekord: Über 7,5 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten am letzten Bundesligaspieltag auf Sat1 gebannt die Entscheidung um die deutsche Fußballmeisterschaft. Im Schnitt zieht der Kampf um das Leder an jedem Wochenende rund 4 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm.

Die Bundesliga ist ein Spitzenprodukt. Egal ob Dortmunds brasilianische Ballzauberer oder der erfrischende Angriffsfußball von Bayer Leverkusen, die Bundesliga faszinierte auch in diesem Jahr wieder die Fans. Für dieses Produkt brauchten die Fußballbegeisterten vor den Bildschirmen fast nichts zu bezahlen: Denn während der Volkssport im Free-TV die Massen anzieht, erreicht Leo Kirchs Pay-TV-Sender Premiere einer Studie des Sportvermarkters Sportfive zufolge gerade mal zehn Prozent der 34,18 Millionen Fußball-Interessierten. Mit dieser Quote liegt Deutschland im europäischen Vergleich bei den Pay-TV-Abos von Fußballfans auf dem letzten Platz.

Den Erfolg von Premiere verhindern nach einer Untersuchung der Hypo Vereinsbank gleich mehrere Probleme: Neben der großen Free-TV-Konkurrenz fehlt es dem Fußball im Pay-TV vor allem an Exklusivität. Schon kurz nach dem Abpfiff flimmern die ersten Bilder der Spiele bei Sat1 über den Bildschirm. Mit einem Radio und ein wenig Geduld spart man sich den Premiere-Decoder. Außerdem kassieren die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF, bei denen die Politik das Sagen hat, vom deutschen Fernsehzuschauer über die GEZ-Gebühr ohnehin schon ein unfreiwilliges Fernsehabo.

Kirchs zaghafter Versuch, etwas mehr Exklusivität ins Fußballspiel zu bringen, wurde von Fans und Politikern schon im Keim erstickt. Der Aufschrei der Empörung über eine Verlegung der Sat1-Sendung "Ran" auf 20 Uhr hallt dem Medienmogul immer noch nach. Nicht zuletzt deshalb gelang es Kirch nicht, die teuer eingekauften Bundesliga-Fernsehrechte in notwendige Abo-Zahlen umzusetzen.

Jetzt steht die Frage zur Diskussion: Ist Fußball ein öffentliches Gut? Noch stehen die Politiker einer konsequenten kommerziellen Vermarktung dieser Sportart im Weg. Denn neben den GEZ-Gebühren verlangen sie außerdem, dass "wichtige Sportgroßveranstaltungen" im Free-TV übertragen werden. Entweder sie lassen davon ab und ermöglichen einen freien Wettbewerb. Oder die Politik muss dafür gerade stehen, dass sie ihn verhindert.

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