Was an der Wertentwicklung der Fondsanteile zehrt
Adig und DWS bieten die preisgünstigsten Aktienfonds

Heimische Fondsgesellschaften bieten ihre Produkte im Schnitt preiswerter an als ausländische Konkurrenten. Diesen Schluß legt eine Auswertung der britischen Fondsresearch- und Consultingfirma Fitzrovia nahe. Die Ergebnisse sind heute interessanter denn je, weil Finanzanlagen geringere Bruttoerträge abwerfen als in früheren Jahren, viele Aktien sogar tief in der Verlustzone stecken.

FRANKFURT/M. Der Blick auf die Nettogewinne wird immer wichtiger: Gebührenbelastungen rücken in den Blickpunkt. Bei der Fondsanlage richtet sich das öffentliche Interesse zwar stark auf die Ausgabeaufschläge. Auf lange Sicht fallen dagegen weniger die einmalige Kaufgebühr als vielmehr die laufenden jährlichen Belastungen ins Gewicht.

Im Fondsbereich geht es um jene Gebühren, die regelmäßig vom Fondsvermögen abgezogen werden. Das größte Gewicht hat die Managementgebühr, eine Entlohnung für die Leistung der Investmentgesellschaft. Dazu kommen weitere Kostenposten auf Seiten der Fondsgesellschaften, etwa für den Druck von Fondsprospekten oder die Wirtschaftsprüfer. Diese Gebühren listen die Investmentgesellschaften zwar in ihren Fonds-Rechenschaftsberichten auf, aber nur die Managementgebühr wird regelmäßig in den Produktinformationen als prozentuale Jahresbelastung ausgewiesen. Allerdings: In den gängigen Performance-Hitlisten sind die laufenden Gebühren berücksichtigt.

Fitzrovia errechnete die Gesamtkostenbelastung für alle in Deutschland angebotenen Investmentfonds und zog die Daten aus den zuletzt veröffentlichten Fonds-Rechenschaftsberichten heran. Die Gesellschaft filterte die 20 wichtigsten Anbieter in Deutschland, gemessen am Fondsvermögen, heraus. Berücksichtigt wurden in beiden Fällen nur die Standardfonds, keine speziellen Produkte.

Bei den Aktienportefeuilles führt die Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig mit durchschnittlich jährlichen Gesamtkosten von 0,73 %, gefolgt von der Deutsche-Bank-Gesellschaft DWS mit 0,84 %. Schlecht weg kommen dagegen die amerikanischen Anbieter Fidelity und Franklin Templeton, bei denen der Anleger im Schnitt 2,00 % bzw. 1,99 % bezahlt. Bei den Anleiheprodukten liegen Allianz mit 0,62 % und die österreichische Capital Invest mit 0,65 % ganz vorne. Auch hier rangieren mit Pioneer und Merrill Lynch, die durchschnittlich 1,43 % bzw. 1,28 % verlangen, zwei auswärtige Adressen auf den letzten Plätzen.

Ausländer leiden unter fehlendem Bankennetz

"Bei den tendenziell höheren Gebühren ausländischer Häuser spielt das fehlende Filialnetz zum Produktverkauf in Deutschland eine entscheidende Rolle", meint Fitzrovia-Chef Paul Moulton. Deutsche Gesellschaften könnten sich immer noch auf den Absatz in den Filialen ihrer Bankenmutter verlassen. Diese Verkaufsmöglichkeit fehle den Ausländern: "Sie müssen meist Finanzdienstleister einschalten, die bezahlt werden wollen - das schlägt sich in höheren laufenden Gebühren nieder."

Adig-Geschäftsführer Arnd Thorn nennt mehrere Gründe für die relative Preisgünstigkeit der eigenen Aktienprodukte: "Wir haben einen hohen Anteil von Aktienfonds mit vergleichsweise einfacher Strategie, die daher auch mit eher geringen Gebühren belastet sind." Analog kommentiert Thorn den dritten Platz der Adig im Rentenbereich. Hier spiele die hohe Quote an Euro-Produkten und Fonds für Anleihen mit kurzen Laufzeiten eine Rolle. In beiden Fällen halte sich der Mangementaufwand und damit die Kostenbelastung in Grenzen.

Die ausländischen Anbieter warnen jedoch vor einer Fehlinterpretation der Analyseergebnisse. Laut Olaf John von Fidelity Investment Services in Frankfurt, die zur größten US-Fondsgesellschaft Fidelity gehört, sind die Managementgebühren der deutschen Gesellschaften oft sehr niedrig, weil durch den Wertpapierhandel über die Bankenmutter der Gesamtkonzern verdeckte Einnahmen erziele. "Bei den Angelsachsen steht dagegen Transparenz an erster Stelle, da wird tatsächlich der Broker gesucht, der das anstehende Wertpapiergeschäft am kostengünstigsten abwickelt", meint der Leiter des institutionellen Geschäftes für Deutschland und Österreich. Ein zweiter Punkt ist ihm wichtig: "Fidelity ist per saldo nicht der billigste Anbieter. Auf der anderen Seite spielen aber auch die Researchqualität und die Performance eine Rolle - beides ist gut und muss auch bezahlt werden."

Verdeckte Kosten sind ein Gesprächsthema

Hans-Joachim Wisser weist auf die unterschiedlichen Größen einzelner Fonds hin. Der Geschäftsführer bei Franklin Templeton Investment Services in München meint: "Über zwei Drittel unserer deutschen Anleger sind in unserem größten Produkt engagiert, dem internationalen Aktienfonds Templeton Growth Fund, der eine geringe Gebührenbelastung hat." Ein Durchschnittswert für alle angebotenen Produkte ohne Berücksichtigung des Fondsvermögens verzerre daher das Bild.

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