Was bei einem Vermögensverwalter alles schief laufen kann
Checkliste für Spezialfondsanleger

Ein institutioneller Investor steht bei der Auswahl des richtigen Asset Managers vor Problemen. Auf den ersten Blick sind viele Fallstricke nicht zu erkennen. Ein Berater gibt Orientierungshilfe.

HB FRANKFURT/M. Der Anleger wundert sich: Trotz hervorragender Finanzmarktprognosen des Vermögensverwalters ist die Wertentwicklung des Portfolios eher mäßig. "Gutes Research, aber an der Umsetzung im Portfolio hapert es", sagt Jochen Kleeberg in solchen Fällen. Kleeberg ist Geschäftsführer der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors, Bad Soden, und gibt in dieser Funktion institutionellen Investoren Entscheidungshilfe bei der Auswahl ihrer Spezialfondsmanager. In einem Handelsblatt-Gespräch legte er jetzt eine Zehn-Punkte-Checkliste für institutionelle Investoren vor und erläuterte die wichtigsten Stichworte . Die Liste soll Großanlegern helfen, potenziellen Schwachstellen bei ihren Vermögensverwaltern (Asset Managern) auf die Spur zu kommen.

Schlechte Ergebnisse trotz guter Prognosen

"Häufig werden gute Prognosen durch andere Einflüsse verwässert", meint Kleeberg. Und das sei fatal, denn gute Analysen seien der Schlüssel zum Anlageerfolg. Kleeberg liefert eine interessante Erklärung für das Scheitern beim Umsetzen von Prognosen in konkrete Portfolios: "Der Verwalter stellt seine eigenen Schätzungen zu sehr in den Hintergrund, legt zu viel Wert auf die Risikoanalyse - das geht zu Lasten des Anlageergebnisses."

Auch auf "schlicht falsche Umsetzungen von Prognosen in Portfolios muss der Anleger achten". Kleeberg beobachtet häufig "eine systematische Informationsvernichtung", wenn der Vermögensverwalter relative Über- oder Untergewichtungen zur Benchmark vornimmt. Eine Aktienübergewichtung von beispielsweise 50 % würde bei einer Indexgewichtung des Titels von 10 % eine Depotquote von 15 % bedeuten, bei einer Indexgewichtung von 2 % dagegen nur eine Heraufsetzung auf 3 % des Depotwertes. Logisch wäre dagegen bei gleich starker positiver Meinung zu zwei Aktien eine Übergewichtung um die gleiche Zahl von Prozentpunkten, etwa von 10 % auf 12 % und von 2 % auf 4 %, vorzunehmen.

Personalfluktuationen im Auge behalten

Ein dritter Knackpunkt sei das Vorsichtsdenken und damit die Tendenz zur Unterinvestition. "Spezialfonds haben oft eine Bargeldquote von 5 bis 10 % und sind dann bei steigenden Märkten systematisch im Nachteil", beobachtet Kleeberg. Der Anleger bezahle seinen Vermögensverwalter aber für das Management der gesamten ihm anvertrauten Gelder, nicht nur für die Betreuung von 90 oder 95 % der Mittel.

"Der Investor sollte außerdem die Personalfluktuation bei seinem Asset Manager im Auge behalten. Wenn die Teams oft wechseln, fällt das Lernen aus eigenen Fehlern schwer", so der Alpha-Geschäftsführer. Der menschliche Faktor spiele auch in anderen Zusammenhängen eine wichtige Rolle. Gruppenentscheidungen lähmten oft den Anlageprozess: "Wenn der Anleger feststellt, dass bei Diskussionen über die Depotzusammensetzung zu viele Mitarbeiter mitreden oder Fachkompetenz zu Lasten einer dominierenden Persönlichkeit geht, dann ist Vorsicht geboten."

Misserfolg durch zu viele Entscheider

Ein weiterer Punkt auf der Checkliste sei die Entlohnung der Mitarbeiter des Asset Managers. "Bei einer leistungsabhängigen Vergütung muss für alle Beteiligten der Erfolg gleich gemessen werden." Dadurch vermeide man beispielsweise das beschriebene Problem der schlechten Umsetzung guter Prognosen. "Denkbar wäre eine Messung der Outperformance gegenüber einem Index", schlägt Kleeberg vor.

Anlass für die Erstellung der Checkliste mit insgesamt zehn Problempunkten ist das soeben erschienene Buch "Ganzheitliche Gestaltung von Investmentprozessen". Hubert Dichtl, Mitarbeiter bei Alpha Portfolio Advisors, setzt sich darin mit den beschriebenen Problemen aus wissenschaftlicher Sicht auseinander.

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