Was bringt die Promotion?
"Heiße Magister, heiße Doktor gar..."

Schon der alte Goethe stellte ihn in Frage: den Doktortitel. In vielen Disziplinen ist die Promotion längst nicht mehr nötig, um Karriere zu machen. In einigen Berufen ist sie aber immer noch unerlässlich.
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"Da steh' ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister, heiße Doktor gar...", so die schmerzliche Erkenntnis von Goethes Faust. Seine Nachwelt hinterlässt er ratlos: Für wen lohnt sich die Dissertation? Die Antwort weiß Manfred Bausch von der Zentralen Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn: "Es kommt ganz darauf an."

Für eine akademische Laufbahn sowie in bestimmten Studienfächern sei die Promotion aus Sicht der Arbeitgeber Teil der Ausbildung und damit unerlässlich. "Dies ist etwa bei Chemikern und Biologen der Fall - genauer gesagt: Naturwissenschaftlern, die in Forschung und Entwicklung arbeiten. Ebenso kommen Mediziner nicht um die Dissertation herum, wenn sie eine Karriere in Wissenschaft oder Klinik anstreben", sagt der Arbeitsmarktexperte.

Mit Hut in den Vorstand

Den Geisteswissenschaftlern empfiehlt Bausch, ihre Entscheidung genau abzuwägen. "Wenn sie mit 26 Jahren ihr Studium beenden und dann noch promovieren, haben sie gegenüber Mitstreitern in der Privatwirtschaft zwei Makel: ein wenig marktgängiges Fach sowie ein hohes Eintrittsalter. Und Stellen in der Wissenschaft sind knapp."

Auch für Ingenieure, Juristen und Betriebswirte gehöre der Doktorhut nicht zwingend zur Ausstattung. "Wenn das langfristige Berufsziel allerdings der Vorsitz eines Unternehmens ist oder allgemein mit Repräsentation zu tun hat, ist die Promotion sinnvoll." Ein Indiz dafür: Gut die Hälfte aller Geschäftsführer und Vorstände in Deutschland besitze höhere akademische Weihen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass sich in den Spitzenetagen Doktores aller Fachrichtungen sammeln; BWL- und Jura-Docs mischen sich mit promovierten Naturwissenschaftlern und Ingenieuren.

Für Tüftler und Kontakter

Achim Oettinger, bei der Personalberatung Access für Bewerberauswahl und Karriereservice zuständig, bringt die Frage nach Sinn oder Unsinn der Promotion auf eine einheitliche Formel - unabhängig von der Studienrichtung. "Eine Doktorarbeit ist immer dann vorteilhaft, wenn ein Akademiker eine wissenschaftsnahe Tätigkeit anstrebt. Das kann genauso der Chemiker sein, der für ein Unternehmen Produkte entwickelt, wie der VWLer, der in der Research-Abteilung einer Bank arbeitet."

Für einen Physiker in der Datenverarbeitung dagegen sei die Promotion verzichtbar. "Außerdem macht der Doktortitel bei Einsatzgebieten Sinn, wo Kundenkontakt besteht: Man vertraut darauf, dass jemand sorgfältig und ausdauernd arbeitet", meint Oettinger.

Traditionssiegel Doc

24 545 Ex-Studenten - und damit jeder zehnte Hochschulabsolvent - haben 1999 ihre Promotionsprüfung bestanden, weiß das Statistische Bundesamt; das sind rund 400 frisch Promovierte mehr als zwei Jahre zuvor. Gut ein Drittel waren Mediziner, knapp ein Drittel bildeten Naturwissenschaftler plus Mathematiker. Auf Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften entfielen gut zwölf Prozent.

Die Quote der vergangenen Jahre zeigt: Der Anreiz, zu promovieren, ist nicht geringer geworden. "Im Gegenteil. Die Hochschulabschlüsse von Bewerbern sind heute so variabel, dass Personalverantwortliche kaum mehr wissen, welche Ausbildung sich dahinter verbirgt. Der Doktor hingegen ist ein traditioneller, einschätzbarer Wert", sagt der Münchener BWL-Professor Dr. Dr. Manuel René Theisen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie bei www.jungekarriere.de

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