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Was den Kurs bestimmt

Lotsen bringen Schiffe durch Untiefen. Schiffsfondslotsen gibt es nicht, dennoch muss kein Anleger stranden.

Wissen Sie, wie eine Schraubenfabrik ihre Schrauben kalkuliert? Nein - macht nichts. Eine Beteiligung an einer Schraubenfabrik wird Ihnen so schnell niemand vermitteln wollen, schon eher einen Kommanditanteil an einem Schiff. Wenn Sie ledig sind und Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen nicht mindestens 100 000 Euro beträgt, sollten sie Beteiligungsangebote ablehnen. Sind Sie verheiratet, sollte Ihr Einkommen doppelt so hoch sein.

Wenn Sie das richtige Gehalt haben, bedenken Sie: Ein Schiff ist nichts anderes als ein Fabrik auf dem Wasser. Um Schrauben geht es dabei auch - um Kalkulationsschrauben. Die Tabelle "Aktuelle Containerschiffsfonds" soll zeigen, wie daran gedreht wird.

>> Schiffspreis: Ein Hinweis gibt der Einkaufsfaktor für den Anleger: Je niedriger er ist, desto preisgünstiger ist das Schiff. Die Rechnung: Investititionsvolumen (inklusive Agio, exklusive Liquiditätsreserve) geteilt durch den Reedereiüberschuss im ersten vollen Betriebsjahr. Letzterer wird ermittelt, indem von den Charterraten die Bereederungsgebühr und die Schiffsbetriebskosten abgezogen werden. Schiffsfondsanalyst Knut Weitkamp empfiehlt eine alte Banker-Regel: Kaufpreis geteilt durch 2 000. Ist das Ergebnis gleich oder größer als die Tagescharterrate, neige eine Schiffshypothekenbank dazu, das Schiff zu finanzieren. Sinn machen diese Rechnungen nur, wenn nicht schon bei den Variablen getrickst wurde.

>> Charterraten werden pro Tag angegeben und sind nicht einmal dann fix, wenn sie langfristig vereinbart wurden (s.S. 6). Die Anschlusscharter wird vielfach von Optimisten kalkuliert. Manch hohe Anfangscharter ist durch einen höheren Schiffspreis erkauft und wird von der Bauwerft eine Zeit lang garantiert. Der Anleger zahlt mit der Einlage Ausschüttungen im Voraus. Nicht alle Initiatoren sind so ehrlich wie Schlüsselkapitalanlagen und schreiben die gekaufte Charter in den Prospekt. Übrigens: Hohe anfängliche Liquiditätsreserven deuten auch auf vorfinanzierte Ausschüttungen hin. Verdient ein Schiff permanent an mehr als 360 Tagen Geld, ist es vielleicht supersolide gebaut. Oder der Kalkulator hat zu geringe Zeiten im Dock zwecks Überholung angesetzt und mögliche Ballast- (Leer-)fahrten zu neuen Einsatzgebieten vergessen.

>> Schiffsbetriebskosten beruhen Prospekten zufolge auf "Erfahrungswerten". Ein Laie kann sie nicht nachprüfen, allenfalls mit baugleichen oder ähnlichen Schiffen vergleichen. Dabei sollte er die kalkulierten Steigerungsraten gleich mit vergleichen.

>> Schiffspreis: brutto oder netto? Die Tabelle geht von Nettopreisen ohne Erstausrüstung, etwa für Ersatzteile, Bauaufsicht und Bauzeitzinsen aus. Hintergrund: In diesen Kaufpreisnebenkosten lassen sich Vergütungen für Initiatoren wie für Reeder verstecken. Zugegeben: Bleiben Bauzeitzinsen außen vor, sind Fondsanbieter im Nachteil, wenn sie - wie MPC bei den Santa-R-Schiffen - früh hohe Anzahlungen geleistet haben, um den Baupreis zu senken, denn dadurch steigt der Nebenkostenanteil am Investitionsvolumen. Bauzeitzinsen lassen sich durch Zahlungsvereinbarungen verschleiern.

>> "Weiche" Kosten fallen als Anteil am Investitionsvolumen tendenziell geringer aus, wenn mit wenig Eigenkapital finanziert wird, denn die Provisionen der Vermittler machen einen großen Teil der Nebenkosten aus. Chance zum Aufholen für MPC mit fast 75 Prozent Fremdkapital.

>> Ausschüttungen: lassen sich beispielsweise hoch halten, indem wenig getilgt wird. Die Reihe "Tilgung Fremdkapital bis 2010" lässt Rückschlüsse zu. Die Yen-Zinsen werden nicht ewig unten bleiben und sind nur von Vorteil, wenn deren Wert gegenüber Dollar und Euro nicht steigt.

>> Währungsrisiken sind reichlich eingebaut. Einem Fondszeichner sollte klar sein: Er will seine Ausschüttung in Euro, das Schiff verdient sein Geld in Dollar, und die Bank will Zins und Tilgung bei vielen Fonds zumindest zum Teil in Yen. Die Kurssicherung bleibt auf die Investitionsphase beschränkt. Schön, wenn die Kursentwicklung Tilgungsgewinne erlaubt wie etwa bei der Cape Santiago. Doch vorläufig stehen die nur auf dem Papier.

>> Garantien und Sicherheiten: kosten Geld und damit Rendite, auch wenn die Kosten nicht immer aus dem Prospekt zu ersehen sind.

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