Archiv
Was der Leasing-Fachwirt können muss

Mit der Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss "Geprüfter Leasingfachwirt/Geprüfte Leasingfachwirtin", die am 10. Dezember 1995 in Kraft getreten ist, hat sich die Leasing-Branche ein eigenes Weiterbildungsprofil geschaffen, das den speziellen Anforderungen und Bedürfnissen dieser relativ jungen Branche des Investitions- und Finanzdienstleistungsgeschäftes entspricht.

In Ergänzung zur bundeseinheitlichen Prüfungsverordnung des Jahres 1995 wurde Ende 1998 ein bundeseinheitlicher Rahmenstoffplan vom Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) veröffentlicht. Dieser Rahmenstoffplan wurde in einer DIHT Projektgruppe von Experten der Leasing-Branche erarbeitet. Er orientiert sich an der Prüfungsverordnung und stellt somit die Basis für die Vorbereitung auf die Weiterbildungsprüfung dar.

Der Rahmenstoffplan bildet in einem wirtschaftszweigübergreifenden und einem wirtschaftszweigspezifi-schen Teil die gesamte Palette der Fragestellungen ab, die ein Leasing-Fachwirt in seinem Aufgabenbereich beherrschen sollte. Neben volks- und betriebswirtschaftlichen Grundlagen, Unternehmensführung sowie rechtlichen Grundlagen gehören auch die speziellen Kenntnisse der Allgemeinen Leasing-Lehre sowie des Immobilien-Leasings zum Weiterbildungsprofil. In gleicher Weise sind Kenntnisse der Bilanzierung, Finanzierung und Kalkulation Bestanteil der Ausbildung und Prüfung.

Im folgenden werden die Fachgebiete kurz erläutert und Einblicke in die wesentlichen Lerninhalte gegeben. Eine ausführliche Zusammenstellung der zu den Fachgebieten zählenden Lerninhalte sowie deren Stundenverteilung stellt der Bundesverband Deutscher Leasing e.V. -Unternehmen (BDL) in seinen Webseiten zur Verfügung.

A. Wirtschaftszweigübergreifender Teil

1. Volks- und betriebswirtschaftliche Grundlagen: Der Leasing-Fachwirt soll aufgrund seiner Ausbildung in der Lage sein, innerbetriebliche Vorgänge in einen grö-ßeren wirtschaftlichen Zusammenhang zu stellen. Dies setzt voraus, dass er die wesentlichen Begriffe und Fragestellungen der Volks- und Betriebswirtschaftslehre kennen gelernt hat. In der Leasing-Fachwirt-Ausbildung werden u.a. die folgenden Ansätze behandelt:

Wirtschaftssysteme, Wirtschaftsordnungen, Wirtschaftskreislauf
Märkte und Preisbildung
Geld und Kredit
Konjunktur und Wirtschaftswachstum
Produktionsfaktoren u. Faktoren der Standortwahl
Betrieblich Funktionen u. betriebswirtschaftliche Kennzahlen

2. Unternehmensführung, Personalwirtschaft und Betriebsorganisation: Der Leasing-Fachwirt ist eine qualifizierte Fachkraft, die die fachlichen Voraussetzungen erfüllt, zumindest auf mittlerer Führungsebene Leitungsfunktionen zu über-nehmen. Dies setzt breite Kenntnisse in den Bereichen Unternehmensführung, Personalwirtschaft und Betrieb-sorganisation voraus. Auszugsweise ist auf folgendes hinzuweisen:

Unternehmensführung: Grundlagen, Ziele, Planung und Planungstechniken, Mitarbeiterführung
Personalwirtschaft: Personalplanung, Personalbeurteilung und-entwicklung, Entgelt, Führungsverhalten, Bildungswesen, betriebliche Mitbestimmung, Arbeits- und Sozialrecht
Betriebsorganisation: Aufbau- und Ablauforganisation, Phasen und Methoden des Organisierens, Informations- und Kommunikationstechniken

3. Recht mit besonderem Bezug zum Leasing: Der Leasing-Fachwirt benötigt für seine Tätigkeit Grundkenntnisse der entsprechenden rechtlichen Vorschriften, teilweise auch spezielle Kenntnisse einzelner Rechtsgebiete. Er muss sich des Zusammenwirkens der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches, des Handels- und Gesellschaftsrechts, des Verbraucherschutzrechts und des Verfahrens- und Vollstreckungsrechts bewusst sein. Die folgenden Kernpunkte werden in der Ausbildung behandelt:

Einführung in das Recht: Rechtsordnung, Rechtsquellen, Rechtstechniken Bürgerliches Recht (BGB): Rechtsgeschäftslehre, Vertragslehre, Schuldverhältnisse, Eigentum und Besitz, Erbrecht
Handels- und Gesellschaftsrecht: Handelsgewerbe, Kaufmann, Handelsregister, Handelsgeschäfte, Gesellschaften
Sicherungsrechte: Mobiliar-, Immobiliarsicherheiten, besondere Sicherheiten
Verbraucherschutzrecht: AGB-Gesetz, Verbraucherkreditgesetz, Haustürwiderufsgesetz
Verfahrens- und Vollstreckungsrecht: Erkenntnisverfahren, Vollstreckungsverfahren, Insolvenzrecht

B. Wirtschaftszweigspezifischer Teil

4. Allgemeine Leasing-Lehre: Die spezifischen Merkmale des Produktes Leasing in seinen vielfältigen Erscheinungsformen müssen vom Leasing-Fachwirt beherrscht werden. Hierzu zählen insbesondere Kenntnisse über die Rahmenbedingun-gen und Kenntnisse über eine ordnungsgemäße Ver-tragsbearbeitung mit Antragsbearbeitung und Engage-mentabwicklung. Die Ausbildung zum Leasing-Fachwirt hat hier die folgenden Schwerpunkte:

Grundlagen des Leasing: Leasing-Fähigkeit, Leasing-Objekte, Leasing-Markt
Leasing-Vertrag: Zivilrechtliche, handelsrechtliche und steuerrechtliche Rahmenbedingungen, Vertragsmodelle
Antragsbearbeitung und Engagementabwicklung: Formelle und materielle Prüfung des Leasing-Vertrags, Boni-tätsprüfung von Leasing-Nehmer und Lieferant, Vertragsannahme, Verwaltung und laufende Engagementbetreuung, Überwachung und Bearbeitung kritischer Engagements

5. Immobilien-Leasing: Der Teil Immobilien-Leasing gibt dem Lehrgangsteil-nehmer das Rüstzeug, in einer Immobilien-Leasing-Gesellschaft erfolgreich tätig zu werden. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich hier die Ausbildung mit den Besonderheiten einer Objektgesellschaft, dem Immobilien-Leasing-Vertrag sowie mit der Antragsbearbeitung und der Engagementabwicklung:

Immobilien-Leasing-Gesellschaft / Objektgesellschaft
Immobilien-Leasing-Vertrag: Rechtliche Grundlagen, wesentliche Inhalte, Finanzierung und Preiskalkulation eines Immobilien-Leasing-Vertrages Antragsbearbeitung und Engagementabwicklung: Objekt- und Kundenanalyse, Bewertungsfragen, Objektbegleitung während der Bauphase und Bauendabrechnung, Versicherungen, Objektmanagement, Objektverwertung

6. Bilanzierung, Finanzierung und Kalkulation: In diesem Segment werden im Bereich Bilanzierung Kenntnisse der typischen Positionen in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung einer Leasing-Gesellschaft sowie der geltenden Bewertungsregeln vermittelt. Ferner werden im Bereich Finanzierung diverse Finanzierungsarten und Finanzierungsmodelle angesprochen und im Bereich Kalkulation die finanz-mathematischen und kostenrechnerischen Grundlagen gelegt. Hier geht es exemplarisch um:

Bilanzierung: Grundlagen, Aufbau der Bilanz, gesetzliche Gliederungsschemata, Bilanzanalyse, Bilanzpolitik, Bilanz von Leasing-Geber und Leasing-Nehmer, Besteuerung
Finanzierung von Leasing-Verträgen: Bedarfsermittlung und-deckung, Grundsätze der Finanzierung, Finanzierungsarten Grundlagen der Preiskalkulation
Besonderheiten im Immobilien-Leasing: Objektbezogene Einzelfinanzierung, Restrisiken üblicher Leasing-Modelle, Besicherung, Zahlungsströme

Abschließend werden hier noch einige Hinweise zur Prüfung und zur Prüfungszulassung gegeben. Im wirtschaftszweigübergreifenden Teil wird das Fach volks- und betriebswirtschaftliche Grundlagen in Form eines Prüfungsgesprächs von nicht länger als 30 Minuten Dauer geprüft. In den unter Punkt 2 und 3 auf-geführten Prüfungsfächern ist jeweils eine schriftliche Arbeit unter Aufsicht anzufertigen. Je Prüfungsfach dauert die Prüfung mindestens anderthalb Stunden, insgesamt jedoch nicht länger als vier Stunden.

Die schriftliche Prüfung ist auf Antrag des Prüfungsteilnehmers oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen, wenn sie für das Bestehen der Prüfung oder für die eindeutige Beurteilung der Prüfungsleistung von wesentlicher Bedeutung ist. Die Ergänzungsprüfung soll je Prüfungsfach und je Prüfungsteilnehmer nicht länger als zehn Minuten dauern.

Die Fächer des spezifischen Teils werden jeweils schriftlich geprüft. Die Mindestzeit je Prüfungsfach beträgt auch hier anderthalb Stunden, insgesamt soll die Prüfung jedoch nicht länger als sechs Stunden dauern. Ergänzt wird die Prüfung um ein situationsbezogenes Fachgespräch von nicht länger als 30 Minuten Dauer je Prüfungsteilnehmer. Die schriftliche Prüfung kann im spezifischen Teil ebenfalls - wie bereits beschrieben - durch eine mündliche Prüfung ergänzt werden.

Zur Prüfung wird laut Prüfungsverordnung zugelassen, wer eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem anerkannten kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf und dabei erworbene Erfahrungen im Leasing-Geschäft sowie danach eine mindestens zweijährige Berufspraxis nachweist.

Zugelassen wird auch, wer eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem anerkannten kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf und danach eine mindestens dreijährige Berufspraxis oder eine mindestens sechsjährige Berufspraxis nachweist.

Die Berufspraxis muss in Tätigkeiten abgeleistet sein, die inhaltlich wesentliche Bezüge zum Leasing-Geschäft haben. Abweichend kann zur Prüfung auch zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass er Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.

Die vollständige Prüfungsordnung kann in den Webseiten des BDL nachgelesen werden.

_______________

Dipl.-Vw. Gerd P. Degens ist stv. Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Leasing e.V. -Unternehmen (BDL), Berlin

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%