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Was machen Ihre Mitarbeiter eigentlich im Internet?

Wenn der Sachbearbeiter im Großraumbüro wild mit der Maus herumschiebt und die Suchmaschinen auf Hochtouren bringt, geht es nicht unbedingt um die billigsten Schrauben für das neuste Konstruktionsprojekt...

Vielleicht nutzt der Mann seine kostbare Arbeitszeit auch nur, um die neusten Porno-Fotos von Gina Wild herunterzuladen. Ein Problem für immer mehr Unternehmen - oder vielleicht doch nicht?

Die neuste Emnid-Umfrage bestätigt alle Vorurteile, die viele Chefs schon lange hatten: 40 Prozent der deutschen Angestellten verbringen mehr als drei Stunden der wöchentlichen Arbeitszeit mit privatem Surfen im Internet. Rechnet man das auf einen Konzern wie Siemens hoch, ergeben sich schnell Kosten in Milliardenhöhe. Vielleicht erklärt diese Umfrage so gar ein Phänomen, dass amerikanische Ökonomen seit dem Siegeszug der Personal Computer beschäftigt: Theoretisch müssten die Produktivitätseffekte durch elektronische Datenverarbeitung und Internet viel höher seien, als die bisherigen Messungen in der Unternehmenspraxis zeigen. Des Rätsels Lösung: Viele Angestellten benutzen ihren PC eben nicht nur für die Reisekostenabrechnung, sondern auch für die Moorhuhnjagd. Und nutzen das Internet keineswegs nur für Geschäftszwecke

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Viele Unternehmen haben deshalb in den letzten Jahren bereits alle Computerspiele aus den Büros verbannt - oder es zumindest versucht. Die Internet-Nutzung läßt sich jedoch viel schwerer kontrollieren. In den meisten Unternehmen gibt es überhaupt keine Regeln dafür, was erlaubt ist und was nicht. Dabei hätten 82 Prozent der Arbeitnehmer gar nichts dagegen, wenn es klare Richtlinien für die Internet-Nutzung gebe. Auch das ist ein Ergebnis der Emnid-Befragung.

Vor allzu rigiden Regeln sollte man allerdings warnen: Viele Arbeitnehmer wissen bisher gar nicht so richtig, welche Möglichkeiten im Internet überhaupt stecken. Nur die wenigsten wissen zum Beispiel, wie andere Studien ergaben, wie man mit spezialisierten Suchmaschinen umgeht. Um ihnen die Angst vor dem neuen Medium zu nehmen, sollten Unternehmen also auch in Sachen Privatnutzung in gewissem Rahmen tolerant sein. Wer privat selbstverständlicher mit dem Internet umgeht, wird auch im Büroalltag sattelfester. Und für eine gewisse Kontrolle sorgt, zumindest im Großraumbüro, die gegenseitige Kollegenkontrolle: Ein Drittel aller Emnid-Befragten fühlt sich durch die private Surferei der Männer am Nebentisch gestört. Wer es zu arg treibt, muss also mit Beschwerden rechnen. Glücklicherweise setzen sich die kommunikativen Großraumbüros im Internet-Zeitalter ja immer mehr durch.

Was wir auf keinen Fall brauchen, sind Gesetze oder Tarifverträge zu diesem Thema. Bundesfinanzminister Hans Eichel hat seinen aberwitzigen Plan, die private Nutzung des Internets im Betrieb zu besteuern, glücklicherweise begraben. Und auch Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen wären kontraproduktiv: Im Prinzip gehört die ganze Arbeitszeit dem Unternehmen. Daran sollte niemand rütteln. Eine völlig andere, pragmatische Frage ist dagegen: Wo drückt das Unternehmen ein Auge zu und wo nicht?

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