Was steckt dahinter?
US-Zinsentscheidung bestimmt Weltbörsen

Mit den Zinssenkungen versucht die Fed die drohende Rezession der US-Wirtschaft zu verhindern. Durch die Senkung des US-Leitzinses verbilligt die Fed den für eine Volkswirtschaft wichtigen "Rohstoff" Geld, indem sie das Zinssatz für das so genannte "Übernachtgeld" senkt. Doch die Zinssenkung wirkt nicht sofort.

dpa-afx FRANKFURT. Der US-Leitzins, die Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich US-Banken bei der Notenbank über Nacht mit Geld versorgen können. Trotz der kurzfristigen Verfügungsmöglichkeiten, zeige die Geldpolitik volkswirtschaftlich eher eine mittel- oder langfristige Auswirkung. "Man geht davon aus, dass sich eine Zinssenkung erst neun Monate später auswirkt", sagt Ulrike Kastens, volkswirtschaftliche Analystin bei der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Durch das billiger gewordene Geld soll die Investitions- und Konsumtätigkeit belebt werden, um so der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Auf der anderen Seite könne eine Zinssenkung preistreibend und damit inflationär wirken. Sie könne jedoch auch wirkungslos verpuffen, wenn beispielsweise die Banken trotz niedrigerer Zinsen die Geldnachfrage nicht anheben. Dies sei zurzeit teilweise in Japan zu beobachten, sagte die Expertin.

Im Euro-Raum sei die Federal Funds Rate mit dem so genannten "Repo-Satz" für Wertpapierpensionsgeschäfte vergleichbar, so die Expertin. Dieser bestimmt den Zins für das Hauptrefinanzierungsinstrument der Europäischen Zentralbank EZB. Darüber versorgt die EZB die europäischen Geschäftsbanken jede Woche mit "frischem" Geld. Die Laufzeit dieser Wertpapierpensionsgeschäfte, innerhalb derer die Geschäftsbanken der EZB Wertpapiere verpfänden, beträgt in der Euro-Zone 14 Tage.

EZB verwendet Zinstender

Dem Hauptrefinanzierungsgeschäft kommt in der Geldpolitik der EZB eigenen Angaben zufolge eine Schlüsselrolle zu. Die Gelder werden über so genannte Standardtender (Mengen- und Zinstender) zur Verfügung gestellt. Derzeit verwende die EZB den Zinstender, bei dem die Banken ausgehend vom festgelegten Mindestzins Angebote zu bestimmten Zinssätzen abgeben. Danach werde eine vorher festgelegte Summe unter den einzelnen Banken aufgeteilt, so die Bank-Analystin Kastens.

Die EZB hatte diesen Mindestzinsssatz für diese Wertpapierpensionsgeschäfte zuletzt im Mai 2001 von 4,75 Prozent auf 4,50 Prozent gesenkt. Alle zwei Wochen setzt der EZB-Rat neben diesem Zinssatz den Satz für die Spitzenrefinanzierungs- beziehungsweise Einlage-Fazilität fest. Diese stecken nach EZB-Angaben die Ober- und Untergrenze für Tagesgeld innerhalb des Euro-Raums ab. Die Spitzenrefinanzierungsfazilität beträgt zurzeit 5,5 Prozent und die Einlagen-Fazilität 3,5 Prozent. Beide wurden ebenfalls zuletzt im Mai um 25 Prozentpunkte gesenkt.

Ausgedient haben dagegen die alten Leitzinssätze der Deutschen Bundesbank - der Lombard- und Diskontzinssatz. Beide haben schon Ende der achtziger Jahre an Bedeutung verloren. Im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) spielten diese jedoch kaum mehr eine Rolle, so die volkswirtschaftliche Expertin Kastens.

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