Archiv
Was UMTS mit Psychologie zu tun hat

Die Wahrnehmung von neuen technologischen Möglichkeiten wird nicht nur durch eine gewisse Technik-freundliche Grundhaltung bestimmt, es sind vielmehr zahlreiche Einflussfaktoren, die bei der Etablierung am Markt wirken.

Stellen Sie sich vor, ein neues mobiles Endgerät, nennen wir es smartphone1, erscheint am Markt. Es wird beworben, Sie finden in allen Medien ganzseitige Anzeigen und erhalten auch Werbung für das Gerät in Ihren zahlreichen Newslettern. Zugegeben, das Endgerät erscheint Ihnen gut gestaltet, es erweckt den Eindruck ergonomischer Form, und die technischen Details sprechen ebenfalls für sich. Für einen kurzen Moment denken Sie: "?nicht schlecht, würde ich gern kaufen?`, bis Ihr Blick auf Ihren Schreibtisch fällt, dort sehen Sie dann neben dem Firmen- Handy, dem Privathandy (man will ja erreichbar sein?) und dem Firmen- PDA Ihr Notebook. Also nutzen Sie vier mobile Endgeräte und zählen vielleicht zur Zielgruppe aller Telekommunikationsanbieter - und sind Early Adopters.

Haben Sie schon einmal überlegt, welche Funktionen Sie an Ihren Geräten besonders hassen? Die Frage mag seltsam erscheinen, doch die Erfahrungen, die Sie als negativ empfunden haben, werden Ihnen schneller bewusst. Und stellen Sie sich nun als Produzent und Anbieter dieses Endgerätes vor. Sie wissen, dass Sie Ihre Zielgruppe erreichen, dass Sie viel Geld ausgeben, um das Gerät am Markt zu etablieren. Und stellen Sie sich vor, trotz massiven Einsatz von Marketing möchte einfach kein potenzieller Kunde Ihr Gerät kaufen. Das wird Sie zur Verzweifelung treiben!

Dieses Szenario ist keineswegs eine "Sonntagsgeschichte", denn die grundsätzliche Frage neuer Technologieentwicklung ist, was der Nutzer erwartet und tatsächlich benötigt. Dabei lassen sich vielfältige Studien zu Rate ziehen und Tests durchführen. Es bleibt dieser irrationale Moment beim Kauf eines Gerätes, der nicht vollständig erklärt werden kann.

Die UMTS-Technologie sowie alle mobilen Techniken, die unsere Reichweite, in der wir uns bewegen, erweitern, haben eines gemeinsam - sie können uns Zeit ersparen oder wir wollen mit ihnen Zeit verbringen. Das heißt auch im Umkehrschluss, dass jene Applikationen, mit denen wir uns mühevoll auseinandersetzen müssen, schnell vom Markt verschwinden. Macht es einen Sinn, sich mit vier Endgeräten zu beschäftigen? Wäre ein Gerät mit allen drei anderen Funktionen sinnvoll? Auf jeden Fall würde es Zeit sparen.

UMTS und W-LAN ermöglichen höhere Reaktionsgeschwindigkeiten und ermöglichen auf Grund ihrer Bandbreite neue technische Möglichkeiten. Sie können die technologischen Geräte "verschwinden" lassen. Die Geräte erledigen Ihre Arbeit, sie arbeiten im Hintergrund. Unbemerkt von Ihrem Tagesablauf. Sie sparen so Zeit, und gleichzeitig haben Sie Zeit gewonnen für etwas, was in unserem heutigen Alltag zu wenig praktiziert wird - zur menschlichen Kommunikation.

Dabei gäbe es eine Vielzahl von Geschäftsmodellen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie besitzen eine Art Communicator, den Sie einmal eingeschaltet haben, wenn Sie das Haus verlassen. Er teilt dies dem Haus mit, das alle Aktivitäten herunter fährt. Sie laufen durch die Stadt, Ihr Gerät, das Sie in der Jackentasche tragen, kommuniziert zum Beispiel im Vorbeilaufen mit dem Rathaus, das neue Informationen an das Gerät überträgt, z.B. über Baustellen im Stadtgebiet, der Bäckerladen nebenan feiert nächste Woche Jubiläum, Ihnen wird eine Einladung übermittelt, während Sie gerade mit Ihrem besten Schulfreund darüber philosophieren, ob 2019 der Asteroid auf der Erde einschlägt oder nicht. Sie lassen diese Nachrichten an Ihr UMS senden und rufen es am Abend ab.

Eine Zukunftsvision? Mitnichten. Bereits heute werden Systeme entwickelt, die diese Funktionen auf einfachem Level realisieren. Was möchte der Nutzer von dieser Palette an technischen Möglichkeiten nutzen? Der Teenie möchte eine Community mit seinem Lieblings- Popstar und mit seiner Clique chatten, der Außendienstmitarbeiter benötigt schnell neue Informationen von seinem Kunden und vom Markt. Die Bandbreite der Möglichkeiten wächst schnell, doch die Geschäftsmodelle und die Kommunikation zum Kunden hat sich, außer ein paar neuen optischen Reizen, wenig verändert.

Die Psychologie des Nutzers wird im Umgang mit neuen Technologien einen wesentlichen Platz einfordern, von umfangreichen Testszenarien bis hin zur direkten Kommunikation zwischen Produzent und Nutzer. Die Einführung von Applikationen für UMTS wird zeigen, ob es gelingt, neue auf den Nutzer maßgeschneiderte Applikationen anzubieten und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle, die nicht mehr auf einem tarifierten Angebot beruhen, zu entwickeln. Die Lösung von Datenaustausch und Interaktion aus der Reichweite des Büros oder der Wohnung in den urbanen Raum muss neue Modelle für Kommunikation mit dem Kunden und völlig neue Geschäftsmodelle hervorbringen, andernfalls wird ein flächendeckender Erfolg ausbleiben.

Oder möchte der Kunde zukünftig nicht mehr über mobile Endgeräte kommunizieren, sondern per Post?

Schreiben Sie dem Autor: ritter@peopleswork.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%