Was wussten die Wirtschaftsprüfer im Fall Tyco?
US-Staatsanwalt ermittelt nun auch gegen PwC

Im Fall der Betrügereien beim US-Mischkonzern Tyco untersuchen New Yorker Staatsanwälte nun auch, ob die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers LLP (PwC) von den illegalen Bonuszahlungen an den ehemaligen Tyco-Vorstandsvorsitzenden Dennis Kozlowski und von illegalen Buchhaltungspraktiken gewusst hat. Dies melden unternehmensnahe Kreise.

bba HB NEW YORK. Die Vorwürfe: Tyco soll seine Finanzberichte gefälscht haben, um die Zahlungen an Kozlowski zu vertuschen. Ein Sprecher von PwC bestätigte die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Im vorliegenden Fall sei PwC jedoch nur als Lieferant von Informationen befragt worden. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sei bereit, mit der internen Revisionsabteilung von Tyco zu kooperieren.

Derzeit erstelle man für Tyco den Finanzbericht für das Geschäftsjahr 2002, das Ende September endete. PwC prüft Tyco seit 1994 - allerdings hat das Management inzwischen einen externen Wirtschaftsprüfer zusätzlich engagiert, um die Buchhaltungspraktiken seit 1999 unter die Lupe zu nehmen. Das Interesse der Staatsanwaltschaft an PwC könnte darauf hindeuten, dass sie den größten Wirtschaftsprüfer in Sachen Tyco jetzt doch strafrechtlich verfolgen will.

Bislang hatte PwC mit den Tyco-Ermittlungen nichts zu tun. Dass die Mitglieder des Tyco-Boards über die Millionenzahlungen an Kozlowski informiert waren, ist seit einer Woche bekannt. Die Staatsanwaltschaft wirft Kozlowski und seinem ehemaligen Finanzchef Mark H. Schwartz vor, mehr als 170 Mill. $ illegal an Unternehmensgeldern erschwindelt zu haben. Weitere 430Mill.$ sollen sie illegal durch Aktienverkäufe an sich gebracht haben.

Gegen Kozlowski liegen mehrere Klagen vor, die über die früheren Vorwürfe der Steuerhinterziehung hinausgehen. In ihrer offiziellen Anklage beschreibt die Staatsanwaltschaft das Unternehmen als kriminell. Top-Manager hätten sich bereichert, riesige Bonuszahlungen eingesteckt und die Zahlungen vor den Aktionären geheim gehalten. Kozlowski und Schwartz haben sich als nicht schuldig bezeichnet.

Unterdessen prüft die US-Börsenaufsicht SEC mit der New Yorker Staatsanwaltschaft eine geheime Zahlung von 40 Mill. $, die Tyco im Jahr 2000 geleistet hatte, um ein laufendes Gerichtsverfahren beizulegen. Bei der Summe könnte es sich um Bestechungsgeld im Zusammenhang mit der US-Firma U.S. Surgical handeln, gezahlt, um mögliche Bilanzunregelmäßigkeiten zu vertuschen, verlautet aus unternehmensnahen Kreise. Tyco hatte das Unternehmen 1998 übernommen.

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