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Was Youngtimer-Clubs bieten

Berlin/Bonn (dpa/gms) - Wenn der Wagen plötzlich streikt, liefern ihn die meisten Besitzer in der nächsten Werkstatt ab.

Berlin/Bonn (dpa/gms) - Wenn der Wagen plötzlich streikt, liefern ihn die meisten Besitzer in der nächsten Werkstatt ab.

Während die Mechaniker das Problem bei Fahrzeugen jüngeren Baujahrs in der Regel schnell in den Griff bekommen, stoßen sie bei Youngtimern oft an ihre Grenzen. Um ihr Schmuckstück wieder flott zu kriegen, bleibt deren Besitzern häufig nur die Hilfe eines Youngtimer-Clubs.

Die Clubs seien oft die einzige Anlaufstelle, um bei Problemen Unterstützung zu bekommen, sagt Ralf Geisler, Youngtimer-Beirat beim Bundesverband Deutscher Motorveteranen Clubs (Deuvet) in Berlin. Viele Markenwerkstätten seien damit überfordert. Die Mechaniker, die sich noch auskannten, seien vielerorts in den Ruhestand gegangen.

Manche Betriebe geben sich auch bewusst nicht mehr mit alter Technik ab. Immerhin bedeute die Reparatur eines mehr als 20 Jahre alten Autos erheblichen Aufwand, sagt Geisler, der auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft Renault 15/17 Deutschland ist: «Für Ersatzteile muss die Werkstatt ihre alten Microfiche-Systeme wieder hervorkramen.» Dazu kommt, dass auch das Engagement der Hersteller für alte Modelle mitunter zu wünschen übrig lässt, ist die Erfahrung von Michael Möller vom Fiat 124 Spider Club aus Hamburg.

Laut Geisler sind gerade die Marken- und typbezogenen Clubs aus diesen Gründen «unerlässlich». Zum einen sitzen dort die besten Spezialisten, zum anderen können sie Adressen von den Fachwerkstätten vermitteln, die sich noch mit jungen Klassikern auskennen.

«Zum Teil haben unsere Mitglieder eigene Werkstätten», sagt Helmut Hansen von der Mercedes-Benz Interessengemeinschaft (Mbig) mit Sitz in Bonn. Für verschiedene Regionen hat die Mbig auch Listen mit bewährten Kfz-Betrieben parat. Gleiches gilt für die Versorgung mit Ersatzteilen, die für manche Fahrzeuge schwierig ist. «Wir haben Händler an der Hand, die haben ohne Ende Teile gehortet», so Hansen.

Manche Macken können Youngtimer-Fahrer aber auch leicht selbst beheben - mit entsprechender Anleitung vom Fachmann. Welche Kniffe etwa für die Einstellung der Zündung nötig sind, erfahren Fahrer eines Mercedes «Strich-Acht» beim zuständigen Typreferenten der Mbig.

Ein ähnlicher Service wird auch beim Fiat 124 Spider Club Deutschland mit Sitz in Regensburg rege genutzt. «Wir haben eine ganze Menge junger Leute, die einen Re-Import aus den USA gekauft haben», sagt Sprecher Burkhart Seyffert. Da speziell diese Exemplare so gut wie gar nicht gepflegt worden seien, benötigten viele Besitzer Hilfe bei der Beurteilung, ob sich Reparaturen noch lohnen.

«Man darf nicht den Fehler machen, erst ein Auto zu kaufen und dann in den Club zu gehen», warnt Helmut Hansen von der Mbig. Auch er kennt die Klagen enttäuschter Youngtimer-Neulinge, die sich übereilt einen jungen Klassiker angeschafft haben, der sich dann später als durchgerosteter Schrotthaufen entpuppte. Wer in das Metier einsteigt, ist laut Burkhart Seyffert gut beraten, Kontakt mit einem Club aufzunehmen, bevor er einen Kaufvertrag unterschreibt.

Neben der Vermittlung von Schraubertipps und Adressen pflegen Youngtimer-Clubs aber auch den Vereinsgedanken: Sie halten Kontakt untereinander und zu anderen Clubs, bemühen sich um einen besseren Draht zu den Herstellern, fachsimpeln bei Stammtischen und organisieren Technik-Workshops und Youngtimer-Treffen.

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