Washington sieht Anzeichen für landesweite Engpässe - Neue Stromausfälle in Kalifornien
Energiekrise bedroht Amerikas Lebensstandard

Die schlimmste Energiekrise an der Westküste der USA ist noch nicht ausgestanden. Am Montag mussten 1,3 Mill. Einwohner von San Diego bis San Francisco zeitweise ohne Strom auskommen. Die Regierung will nun Energiesparmaßnahmen befürworten.

zz/HB WASHINGTON. Vor dem Hintergrund der bisher größten Stromabschaltungen in der akuten Energiekrise in Kalifornien hat der neue US-Energieminister Spencer Abraham vor Engpässen im gesamten Land gewarnt. Abraham nannte die Lage an der Westküste die schlimmste Energiekrise seit den 70er Jahren. "Wenn wir diese Herausforderung nicht meistern, wird der wirtschaftliche Wohlstand unserer Nation bedroht, unsere nationale Sicherheit gefährdet und buchstäblich unser Lebenswandel verändert", warnte Abraham.

Etwa 1,3 Mill. Einwohner von San Diego bis San Francisco mussten am Montag stundenweise ohne Strom auskommen. Nach Meinung von Abraham kann eine künftige Energiekrise Wohlstand und Lebensstandard der Amerikaner bedrohen. Die letzten drei Rezessionen seien, wie Abraham in einer Rede vor einer von der US-Handelskammer einberufenen Energiekonferenz ausführte, von steigenden Ölpreisen ausgelöst worden.

Bedarf an Erdgas soll um 62 % steigen

Nach Berechnung der Energy Informationen Agency wird der Bedarf an Erdgas in den USA in den nächsten 20 Jahren um 62 % steigen, die Nachfrage nach Öl um 33 % und jene nach Elektrizität um 45 %. Abrahams Ministerium veröffentlichte eine Schätzung der Lagerbestände bei Rohöl und Benzin: Sie liegen heute um 6 bis 7 % unter dem langjährigen Durchschnitt zu dieser Jahreszeit. Die Zahlen wurden noch vor der jüngsten Kürzung der Rohölproduktion durch die Organisation Erdöl produzierender (Opec) um 4 % ermittelt. Die Auswirkungen dieser Förderdrosselung um 1 Mill. Barrel pro Tag auf die US-Wirtschaft wurden noch nicht berechnet.

Für Energie müssten in den USA, wo Staat und Bürger bisher stolz auf die niedrigen Kosten waren, künftig höhere Preise gezahlt werden, kündigte Abraham weiter an. Die Regierung von George W. Bush werde "ein rationales Gleichgewicht zwischen dem Energiebedarf und den umweltpolitischen Erfordernissen halten". Bush macht seinen Vorgänger Bill Clinton für die Versäumnisse in der Energiepolitik verantwortlich. Clinton und sein Energieminister Bill Richardson hätten lediglich versucht, in beschwichtigenden Verhandlungen mit der Opec die Preise niedrig zu halten. Sie hätten aber keinerlei Programme zur Erschließung neuer Energiequellen entwickelt. Die Fortschritte in der Fördertechnik seien nicht genutzt worden. Bush, so Abraham, rechne nicht mit kurzfristigen Lösungen, weil der Bedarf an Energie stärker steige als die Produktion.

Sparmaßnahmen werden befürwortet

Bush hat eine Arbeitsgruppe berufen, die unter Leitung von Vizepräsident Richard Cheney Vorschläge zur Energieeinsparung formulieren soll. Ziel sei eine US-Energieversorgung auf einer breiteren Basis. Es sei ein "Mythos", dass Ölkonzerne und Stromerzeuger in "einer Verschwörung zum Schaden der Verbraucher zusammenarbeiten".

"Wir werden zwar Sparmaßnahmen befürworten", so der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, "doch das realistischste Energieprogramm ist eine Ausweitung der Versorgung". Bush schließe bei einer Zuspitzung der Krise einen Rückgriff auf die staatliche strategische Ölreserve nicht aus, die auch von Clinton in Anspruch genommen wurde. Er wolle die Vorräte aber "noch nicht bei einem normalen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage anzapfen".

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