Washingtoner Institut warnt vor vorschnellem Kredit für Argentinien
Das Auslandskapital für die Dritte Welt bleibt knapp

Das Auslandskapital für die Dritte Welt bleibt knapp Die Ansteckungsgefahr der Argentinien-Krise ist nicht gebannt. Strukturelle Schwachstellen und die im Verhältnis zu den asiatischen Schwellenländern ungenügende Exportfähigkeit machen die lateinamerikanischen Staaten für Krisen anfällig, meint das Internatitonal Institut of Finance in Washington.

HB WASHINGTON. Die Weltkonjunktur zieht zwar wieder erkennbar an, dadurch werden aber die wirtschaftlichen und konjunkturellen Probleme der Schwellenländer in aller Welt nicht gelöst. Das Institute of International Finance (IIF) in Washington sieht in seinem Frühjahrsbericht die Aussichten der Schwellenländer eher gedämpft, erklärte IIA-Chef Charles Dallara.

Einen Lichtblick sieht Dallara lediglich bei der Finanzversorgung. So rechnet er für 2002 mit einem Anstieg der Netto-Kapitalströme zu Gunsten der Schwellenländer auf 160 Mrd. $, gegenüber 130 Mrd. $ im vergangenen Jahr. Aber verglichen mit dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre gebe es kaum Bewegung. Insgesamt würden die Schwellenländer wahrscheinlich nur 27 Mrd. $ netto auf den Kapitalmärkten aufnehmen.

Beim Kreditgeschäft erwartet Dallara sogar eine Fortsetzung des negativen Trends. Ausländische Direktinvestitionen würden demnach 2002 auf 117 Mrd. $ sinken, gegenüber 139 Mrd. $ im Vorjahr. Der Schnitt in den letzten fünf Jahren habe hingegen bei 137 Mrd. $ gelegen. Um den Kapitalfluss in Gang zu halten, forderte Dallara eine Mischung aus Krisenvorbeugung und Krisenmanagement. Bei der Umstrukturierung öffentlicher Schulden komme einer noch zu gründenden Beratungsgruppe des privaten Sektors eine Schlüsselrolle zu. Sie solle dafür sorgen, dass Investoren bei der Stange gehalten werden.

Defizitäre Staatshaushalte zählen nach wie vor zu den Hauptproblemen der Schwellenländer. Zwar sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) in den vergangenen zehn Jahren "beachtliche Fortschritte" bei der Verbesserung der makroökonomischen Bedingungen. Dennoch bemängelt er "schwer wiegende Verwundbarkeiten" wie etwa die relativ geringe Integration in die Weltwirtschaft und die schwach ausgebildeten Finanzmärkte.

In seinem Frühjahrs-Ausblick auf die Weltwirtschaft stellt der IWF zwar keine "übermäßig hohe Verschuldung" der Schwellenländer in Bezug auf ihr Bruttoinlandsprodukt fest. Die Defizite seien aber "sehr hoch" im Verhältnis zu den jeweiligen Exporten. Diese Mischung aus makroökonomischem Ungleichgewicht und protektionistischer Politik habe in den meisten Staaten in den 30er Jahren begonnen. "Ökonomische Liberalisierung und reformpolitische Ansätze haben in den vergangenen zehn Jahren den Außenhandel beschleunigt", heißt es in dem Bericht. "Dennoch sind die meisten lateinamerikanischen Volkswirtschaften wesentlich weniger exportfreudig als ihre asiatischen Pendants." Und ein geringerer Außenhandel sei gleichbedeutend mit weniger Einnahmen. Dies erhöhe den Zwang zur Abwertung der Landeswährung. Damit bestehe wiederum die Gefahr der Hyperinflation, was im Gegenzug die Fähigkeit zur Schuldentilgung vermindere.

Dallara warnte deutlich vor einem vorschnellen Kreditpaket für das hoch verschuldete Argentinien. "Eine übereilte Finanzspritze des Internationalen Währungsfonds (IWF) würde die Ansteckungsgefahr für andere Schwellenländer deutlich erhöhen", sagte er. Die Regierung in Buenos Aires müsse zuerst "schwierige Maßnahmen" ergreifen, um das angeschlagene Bankensystem wieder auf Vordermann zu bringen und die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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