Wasser kann nicht um die Ecke löschen
Lösch mich, aber mach mich nicht nass

In unserer industrialisierten Gesellschaft nimmt die Verbreitung hochwertiger Güter und Einrichtungen ständig zu. Bei Feuer schützen fortschrittliche Brandlöscheinrichtungen die Werte vor Sekundärschäden durch das Löschen. Im Trend liegen natürliche Löschgase und auch wieder das Wasser.

HB DÜSSELDORF. Ungefähr jedes zehnte der 12 500 Hotels in Deutschland muss nach Expertenmeinung irgendwann einmal mit einem größeren Brand rechnen. Und der Marktführer für Löschanlagen Minimax hat festgestellt, dass drei Viertel der Betriebe, in denen ein Großfeuer ausgebrochen war, spätestens nach drei Jahren nicht mehr im Geschäft sind. Da ist effektive Brandbekämpfung, die Sekundärschäden vermeidet, überlebensnotwendig. Pulverlöschanlagen sind zwar wirkungsvoll, aber sie verteilen den feinen Pulverstaub überall und können laufende Maschinen oder Computeranlagen binnen kürzester Zeit zerstören - insbesondere wenn das Pulver wasserbindend ist.

Wasserlöschanlagen können einen Brand oder Schwelbrand zwar ausgezeichnet löschen - auch, wenn etwa 80 % aller Brände mit nur 1 bis 4 geöffneten Sprinklern gelöscht werden und es meist nicht zu einer gefürchteten unkontrollierten "Beregnung" ganzer Gebäudeabschnitte kommt, sind Schäden an EDV, High-Tech-Geräten und am Gebäude nicht auszuschließen. "Dennoch stellen Sprinkleranlagen nach wie vor das Mittel der Wahl bei der Brandbekämpfung dar", weiß Siegfried Schneider, Abteilungsleiter bei der Feuerwehr Düsseldorf, "weil sie einen Brand bereits in der Entstehungsphase bekämpfen und den Schaden damit vorn vornherein in Grenzen halten."

Schonender löschen

Um hier besonders schonend zu löschen, versucht man das Löschmittel Wasser daher effektiver zur Brandbekämpfung einzusetzen: Die Wassertropfen werden mit bis zu 100 bar Druck zu einem feinen Nebel zerstäubt, wodurch dem Feuer bei unveränderter Wassermenge mehr Wärme entzogen wird, der Kühleffekt wird also gesteigert. Besitzt ein Liter Wasser - versprüht in Form von 2 mm großen Tropfen - bei einer konventionellen Sprinkleranlage eine kühlende Oberfläche von etwa 3 m2, hat ein Liter in 0,2 mm feine Tröpfchen vernebeltes Wasser schon eine Oberfläche von 30 m2. So wird im Vergleich zu Sprinkleranlagen nur noch ein Drittel der Wassermenge benötigt.

"Lösch mich, aber mach mich nicht nass, funktioniert eben nicht", weiß Matthias Pohl, Produktmanager von Minimax. Erst kürzlich konnte sich eine Wassernebelanlage in einem Holz verarbeitenden Betrieb, der Spanplatten herstellt, bewähren: Sie bewahrte die teure Produktionsanlage vor Schäden - bereits nach zwei Stunden konnte bereits wieder produziert werden. Ingeborg Schlosser von VdS Schadenverhütung - ein Unternehmen im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft - zweifelt jedoch daran, dass der Einsatz von Wassernebelsystemen zur Vermeidung von Sekundärschäden in jedem Falle sinnvoll ist.

Und eines kann der Wassernebel auch nicht: um die Ecke löschen! "Ein Löschgas hingegen kann bis in den letzten Winkel eindringen, auch in Maschinen und Geräte", weiß Joachim Gensel von Minimax. Die Löschwirkung von Inertgasen wie Argon, Stickstoff und Kohlendioxid wird durch die Verdrängung des Luftsauerstoffes erreicht. In den meisten Fällen erlischt das Feuer schon bei einer Sauerstoffabsenkung auf 13,8 Vol.-%. Dazu muss das vorhandene Luftvolumen nur um etwa ein Drittel verdrängt werden. Vorteil: Inertgasanlagen löschen völlig rückstandsfrei und dienen dem Schutz hochwertiger Anlagen, sensibler Einrichtungen oder Wertgegenstände, die bei Verwendung anderer Löschmittel beschädigt werden könnten. "Doch ausgedehnte Räumlichkeiten mit Gas zu fluten, ist sehr aufwendig", gibt Brandschutzexperte Schneider zu bedenken.

Brandschutz-Innovationen

Die Löschwirkung des neuartigen Löschgases FM-200 beruht auf der Wärmeabsorption in der Flamme. Wegen der völligen Rückstandslosigkeit eignet es sich für Einsatzbereiche wie z.B. EDV-Räume, Telekommunikationseinrichtungen, Archive, Leitstände, Schalträume, Bibliotheken, Museen oder medizinische Einrichtungen. "In Deutschland bieten Gaslöschanlagen den gleichen Sicherheitsstandard wie Sprinkleranlagen und sind von uns entsprechend anerkannt", so Ingeborg Schlosser.

Eine noch junge Brandschutz-Innovation ist die Permanentinertisierung: Hier wird die Sauerstoffkonzentration der Luft permanent so herabgesenkt, dass ein Feuer gar nicht erst ausbrechen kann. Dadurch schließt sie den Brandfaktor Sauerstoff von vornherein aus. Die Permanentinertisierung besteht aus einer Luftzerlegungsanlage, die so lange Stickstoff zuführt, bis der Restsauerstoffgehalt zwischen 13 und 17 Vol.-% erreicht ist. Diese Konzentration entspricht dem Sauerstoffgehalt in etwa 3000 bis 5 000 m Höhe. Sie besitzt noch keine VDS-Anerkennung und ist eigentlich keine Brandlöschanlage, sondern eine stationäre Brand- und somit Sekundärschädenverhinderungsanlage: Sie dient dem Schutz von Räumen, die selten begangen werden und ohnehin aus energetischen, klimatischen oder sicherheitstechnischen Gründen eine hohe Gasdichtigkeit besitzen, wie z.B. Kühlhäuser und EDV-Räume.

Eine weitere neuartige Alternative zu dem inzwischen als klimaschädlich verbotenen Halon sind Aerosol-Löschanlagen, die sich von selbst bei Temperaturen über 170ºC aktivieren: Anstatt das Feuer durch Kühlung (Wasser) oder durch Sauerstoffentzug (Halon, CO2) zu löschen, bedient sich der Aerosolgenerator der katalytischen Wirkung von Kalium. Das Feuer löst eine chemische Reaktion aus, bei der Stickstoff, Wasser und Kaliumverbindungen entstehen. Die beim Brand in der Flamme auftretenden freien Radikale werden vom Kalium eingefangen, in eine stabile Form überführt, die Kettenreaktion abgebrochen und dadurch die Flamme gelöscht.

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