WAZ-Konzern prüft noch den Einstieg
Holtzbrinck bietet für die Süddeutsche

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck will sich am defizitären Süddeutschen Verlag beteiligen. Das Angebot liegt bereits vor. Auch der Essener Verlagsriese WAZ erwägt einen Einstieg.

HB/hps DÜSSELDORF. Der finanziell angeschlagene Süddeutsche Verlag mit seinem Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung" hat die Begehrlichkeit der Konkurrenz geweckt. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck will bei dem Münchener Wettbewerber einsteigen. "Wir haben den Gesellschaftern des Süddeutschen Verlags ein Angebot vorgelegt. Es liegt an diesen, darüber zu befinden", sagte gestern ein Sprecher in Stuttgart. Nähere Einzelheiten wollte Holtzbrinck nicht nennen.

Die Essener WAZ-Gruppe - fünftgrößter Medienkonzern in Deutschland - prüft diesen Schritt noch. Das bestätigte die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) am Montag. "Es gibt aber keine zeitliche Perspektive und keine Details", sagte ein Sprecher. Hingegen hieß es noch in der Montagausgabe der WAZ, eine interne Prüfung befinde sich im fortgeschrittenen Stadium, aber es gebe in wichtigen finanziellen Punkten noch keine Einigung. Ein WAZ-Sprecher verwies in diesem Zusammenhang lediglich auf die redaktionelle Unabhängigkeit.

Der Verlagsriese aus dem Ruhrgebiet hat schon lange ein Auge auf das Renommierblatt "Süddeutsche Zeitung" geworfen. Bereits vor über einemahr bekundete WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt sein Interesse an dem Münchenereitungsverlag. Daran hat sich nichts geändert. Das konzerneigene Blatt schrieb gestern: "Für die WAZ-Gruppe wäre der Einstieg beim renommierten Süddeutschen Verlag eine interessante Perspektive." Die eigene Geschäftsführung wurde mit den Worten zitiert: "Wir prüfen das."

Laut WAZ schreibt der Süddeutsche Verlag bereits seit 2001 rote Zahlen. Erschüttert durch ihre Verluste, brauche die "Süddeutsche Zeitung" dringend Geld - laut WAZ-Bericht rund 100 Mill. Euro. "Dies würde für einen respektablen Minderheitsanteil reichen", schrieb die Essener Zeitung.In den letzten Monaten hatte die WAZ bei ihrer Einkaufstour in Deutschland wenig Glück. Sie konnte vom Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch nicht profitieren. Den sparsamen Zeitungsmanagern aus Essen gelang weder ein Einstieg beim Zeitungskonzern Springer noch bei der insolventen Kirch Media. Die WAZ gilt unter Experten als besonders finanzstark. Namensgeber des 1948 gegründeten Konzerns ist die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", mit 620 000 verkauften Exemplaren die größte deutsche Abozeitung. Die WAZ-Gruppe, die zu gleichen Teilen den Familienstämmen Funke und Brost gehört, erwirtschaftete letztes Jahr mit 12 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,9 Mrd. Euro.

Laut WAZ gibt es für eine Beteiligung am Süddeutschen Verlag noch weitere Interessenten. Das seien die Ippen-Gruppe ("Münchner Merkur", "tz") und der Madsack-Verlag ("Hannoversche Allgemeine", "Leipziger Volkszeitung"). Der Münchner Verleger Dirk Ippen wollte jedoch ein Interesse an einer Beteiligung am oberbayerischen Konkurrenten nicht bestätigen. Er sprach von "reiner Spekulation". Ippen, der außerhalb Münchens den "Westfälischen Anzeiger" (Hamm) verlegt, übernahm erst zu Beginn diesesahres die "Hessisch/Niedersächsische Allgemeine Zeitung"HNA) in Kassel.

Geschäftsführer Friedhelm Haack von der Verlagsgesellschaft Madsack war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Madsack gibt allein in Niedersachsen acht Tageszeitungen und mehr als zwei Dutzend Anzeigenblätter heraus. Im letzten Jahr erwirtschaftete das Zeitungshaus einen Umsatz von knapp 476 Mill. Euro.

Der Süddeutsche Verlag wollte anstehende Veränderungen im Gesellschafterkreis gestern nicht kommentieren. Das Zeitungshaus steckt tief in der Krise. Für 2002 erwartet Geschäftsführer Dirk Refäuter einen Umsatzeinbruch von fast elf Prozent auf 720 Mill. Euro. Letztes Jahr lag der Umsatz noch bei 808 Mill. Euro. Allein die Umsatzerlöse der "Süddeutschen Zeitung" gingen in diesem Jahr wegen der Anzeigenflaute bisher um etwa 50 Mill. Euro zurück. Die Fachverlage ("Werben & Verkaufen") tragen mit einem Minus von 30 Mill. Euro zum Umsatzrückgang bei. 2001 lag das Minus bei 43,9 Mill. Euro. Angesichts der hohen Verluste plant der Verlag,eine Beteiligung an Regionalzeitungen in Franken und Thüringen zu verkaufen. Das sind die "Frankenpost" (Hof), "Neue Presse" (Coburg) und "Freies Wort" (Suhl).

Quelle: Handelsblatt

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