WBD erhält NYSE-Zulassung: US-Börsengang von WBD spornt russische Firmen an

WBD erhält NYSE-Zulassung
US-Börsengang von WBD spornt russische Firmen an

Der erfolgreiche Börsengang des größten russischen Lebensmittelkonzerns Wimm-Bill-Dann (WBD) in der vergangenen Woche in New York soll andere russische Unternehmen anspornen. Zum ersten Mal hat eine russische Lebensmittelfirma amerikanische Hinterlegungszertifikate (ADS), die jeweils einem Aktienanteil entsprechen, platziert.

dpa MOSKAU. Bislang wurden an der New Yorker Wertpapierbörse (NYSE) ADS auf Aktien der russischen Fernmeldeunternehmen VimpelCom, Rostelekom und MTS sowie der Ölfirma Tatneft (Teilrepublik Tatarstan) notiert. WBD ist das zweite Unternehmen Russlands, das nach der schweren Finanzkrise im August 1998 auf die NYSE-Zulassungsliste gesetzt wurde.

Das Paket von 10,62 Mill. ADS, ein Viertel des Grundkapitals der Gesellschaft, wurde zu einem Preis von etwas mehr als 207 Mill. Dollar (236,8 Mio Euro) untergebracht. Allein im Laufe des Freitag stiegen WBD-Papiere an der NYSE um 16 % auf 22,6 Dollar. Knapp 90 Mill. Dollar der durch die Platzierung erwirtschafteten Mittel will das Unternehmen in den Bau neuer Betriebe investieren.

Nach Angaben der russischen Internet-Zeitung "Gaseta.ru" vom Montag hatte die französische Gesellschaft Danone SA am Freitag vier Prozent der WBD-Aktien erworben. "Investoren, die russischer Gas- und Ölfirmen überdrüssig geworden sind, sehnen sich nach Unternehmen, die Konsumgüter herstellen. Der WBD-Börsengang wird die Entwicklung in der Lebensmittelbranche und in der gesamten russischen Wirtschaft fördern", sagt Alexej Kriwoschapkow, Analyst der Vereinigten Finanzgruppe. Danone habe sich nach eigenen Angaben bereit erklärt, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zu einer Beteiligung am russischen Unternehmen zu bewegen.

Nach der Krise von 1998 hatten die meisten westlichen Investoren den russischen Markt in Panik verlassen. Die darauf folgenden drei Jahre, in denen die russische Wirtschaft vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunktur-Krise stabil wuchs, haben anscheinend die Stimmung der Investoren grundlegend geändert. Experten sind der Ansicht, dass die meisten westlichen Käufer den WBD-Konzern jetzt als einen typischen Vertreter des gesamten russischen Marktes betrachten. "Wenn der Erfolg anhält und russische Aktien weiter anziehen, werden westliche Investoren einen starken Stimulus erhalten, ihr Geld in Russland anzulegen", hofft Konstantin Tschernyschow, Experte der russischen Investmentbank NIKoil.

Die Entscheidung von WBD, an die wegen ihrer harten Anforderungen an die Firmentransparenz bekannte New Yorker Börse zu gehen, zeugt nach Ansicht mehrerer russischer Analysten davon, dass russische Firmen größtenteils bereit sind, den Schattensektor zu verlassen. Das solle ein Signal für westliche Partner sein, die große Investitionen auf dem russischen Markt bislang kaum gewagt hätten. Es gehe um eine kardinale Änderung in der Einstellung russischer Unternehmen zu Besitzverhältnissen: Um auf die NYSE-Zulassungsliste gesetzt zu werden, musste WBD alle nur möglichen Angaben machen, darunter auch solche zur kriminellen Vergangenheit von Gawriil Juschwajew, mit 26 % größter WBD-Einzelaktionär.

Wimm-Bill-Dann war im Jahr 1992 gegründet worden. Zum Unternehmen gehören 14 Betriebe in zehn Städten Russlands und anderen Ländern der früheren Sowjetunion.

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